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Rezension

Menschheit im Umbruch – auf dem Weg zu einer neuen Weltanschauung

Das Gespinst der Digitalisierung

Christoph Tigges [Redaktion RiskNET]30.12.2018, 19:55

Die Welt von heute ist im Umbruch. Das Tempo und der Umfang sind jedoch intensiver, als wir es bisher in der Geschichte kannten. Digitalisierung und Globalisierung sind die maßgeblichen Treiber der Veränderungen. Wir sprechen von einer vierten Industriellen Revolution oder speziell in Deutschland, von der "Industrie 4.0". Darunter fallen verschiedene Themen wie beispielsweise Big Data, Künstliche Intelligenz (KI) oder autonom fahrende Autos.

Das Thema Digitalisierung ist Inhalt des vorliegenden Buches, dem sich der Autor widmet. Zwei Kernthemen stehen dabei im Vordergrund: Der erste Schwerpunkt des Buches behandelt die Frage, wie wir als freie Bürger mit der Digitalisierung umgehen wollen? Daraus ergeben sich weitere Fragestellungen wie beispielsweise "Steht die Menschheit vor einem Umbruch und ist sie auf dem Weg zu einer neuen Weltanschauung?", "Was heißt überhaupt 'besser' im Zeitalter der Digitalisierung?" und "Was heißt ‚menschlich‘ im Zeitalter der KI?"

Laut Ulrich Sendler, Fachjournalist, Technologieanalyst und Autor rund um die Digitalisierung der Industrie, muss der Mensch eine Vorstellung entwickeln, wie die Digitale Welt gestaltet werden soll.  

Das zweite Kernthema gilt der nahen Zukunft. Besser gesagt, die Rolle der Industrie.  Wie kann ein Übergang von der Industriegesellschaft in die Digitalisierung gelingen und wie können die Menschen mitgenommen werden.

Digitalisierung ist für ihn eine Entwicklung von Technologien einschließlich einer intensiveren Vernetzung des Zusammenwirkens in Handel und Verkehr, die sich "rasend schnell entwickelt". Verschiedene Beispiele der Vergangenheit aus dem Industriezeitalter und aus dem Jahrzehnt der Informationsgesellschaft verdeutlichen, Kooperation, Kreativität und Handel sind schon immer die Triebfedern der Menschheitsentwicklung gewesen. Erfindungen und technische Neuerungen konnten noch nie gestoppt werden. So gab es im 18. Jahrhundert ein Ausfuhrverbot für die englischen Fachkräfte, um die heimische Textilwirtschaft zu schützen. Aber all die Maßnahmen zum Schutze der heimischen Wirtschaft hatten keinen Erfolg. Industriespionage war schon zu damaliger Zeit kein Fremdwort. Im Gegenteil. Das damalige Preußen unter Friedrich dem II setzte das Mittel der Industriespionage gezielt ein, um so im Wettbewerb gegenüber den Konkurrenten aufzuholen. Die Geschichte zeigt, dass Diebstahl geistigen Eigentums keine Neuerfindung der Gegenwart ist. An historischen Beispielen veranschaulicht der Autor, dass technische Neuerungen und Innovationen immer mit gesellschaftspolitischen Änderungen einhergingen.

Für das industriell geprägte Europa, vor allem aber Deutschland, sieht der Autor eher  die Chancen. Deutschland hat durch seine vielen innovativen mittelständischen Unternehmen und seinen Universitäten und Forschungseinrichtungen die Chance, die Digitalisierung zu entwickeln und zu gestalten. Das Buch sagt nicht vorher, was auf uns zukommt. Es stellt Zusammenhänge her und hilft, aktuelle Entwicklungen zu verstehen.

Wenn wir künftig als Gesellschaft in Freiheit bestehen wollen, benötigen wir nicht nur ein Wettbewerb von Ideen, Erfindungsreichtum und Strukturen, die neue Produkte entstehen lassen und ausreichend Arbeitsplätze und selbstbestimmte Arbeit schafft. Sondern auch eine kritische Diskussion über die Ethik der Digitalisierung. Hier einen vernünftigen Weg zu finden, dafür lohnt es sich, zu streiten.  


Details zur Publikation

Autor: Ulrich Sendler
Seitenanzahl: 319
Verlag: Springer Fachmedien
Erscheinungsort: Wiesbaden
Erscheinungsdatum: 2018

RiskNET Rating:

gut Praxisbezug
gut Inhalt
gut Verständlichkeit
gut Gesamtbewertung

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