News

Wachstum versus Sicherheit

Wie viel Regulierung braucht das Land

Redaktion RiskNET26.09.2018, 15:14

Der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Wolfgang Weiler, hat von der Politik in Deutschland und Europa eine "Atempause" bei der Einführung immer neuer Regulierungsbestimmungen gefordert. "Die Frage, wie viel Regulierung ein lebendiges Wirtschaftssystem braucht, ist zu einer existenziellen Frage für die deutsche und europäische Wirtschaft geworden", sagte Weiler bei dem von seinem Verband veranstalteten "Versicherungstag 2018" in Berlin.

Die "mehr oder weniger ununterbrochenen Regulierungswellen unterschiedlicher Ausrichtung" würden die Unternehmen zur Anpassung ihrer Ressourcen zwingen. "Mancherorts liegen die Nerven durchaus blank", berichtete der Verbandspräsident. "Wir wünschen uns daher ein wenig mehr Besonnenheit, ein wenig mehr Zurückhaltung vor allem auf europäischer Ebene."

Derzeit erlebe man einen "fortgesetzten Aktionismus", der es den Unternehmen schwer mache, mit dem Regulierungssystem zurechtzukommen. "Daher brauchen wir die regulatorische Atempause", sagte Weiler. Es sei der Branche nicht zuzumuten, dass die nächste Welle schon komme, bevor die erste zum Beispiel bei den Regulierungsbestimmungen von "Solvency2" überhaupt evaluiert und in den Unternehmen umgesetzt sei.

Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Felix Hufeld, warnte angesichts des Mottos der Veranstaltung "Wachstum versus Sicherheit: Wie viel Regulierung braucht das Land" vor dem Abbau von Regulierungsbestimmungen. "Wer diese Frage stellt, denkt im Hintergrund schon an Deregulierung", meinte er. "Die gilt es um jeden Preis zu vermeiden." Denn auf Wellen der Deregulierung folge meist eine neue Krise, und dann eine harte Re-Regulierung. "Ein solcher Rückfall in einen regulatorischen Schweinezyklus kann in Niemandes Interesse sein", sagte Hufeld.

Der Bafin-Präsident nannte eine anstehende Neuregulierung der Zinszusatzreserve als Beispiel dafür, dass eine "Pause" bei der Regulierung nicht im Interesse der Branche sei. Es komme in den nächsten Jahren vielmehr "auf regulatorische Konstanz und Berechenbarkeit" an. "Gute Regulierung ist eine Voraussetzung, um Wachstum zu generieren und bei Weitem nicht der alleinige limitierende Faktor", betonte er. Auch im Versicherungssektor werde sich die Bafin aber das Thema der Proportionalität immer wieder anschauen, kündigte Hufeld an. 

[ Bildquelle: Adobe Stock ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Risikoanalyse

Italiens Banken und Target-2

Markus Krall [goetzpartners]15.02.2019, 17:40

Das systemische Risiko heißt so, weil seine Auswirkungen die Stabilität des gesamten Finanz- und Wirtschaftssystems betreffen können. In der Vergangenheit war es in aller Regel so, dass systemische...

Kolumne

Chancen & Risiken

Gold und Populismus

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.13.02.2019, 13:20

Der Populismus greift immer mehr um sich. Rechts- und linkslastige Parteien und Strömungen werden stärker. Es gibt immer mehr Länder mit populistischen Regierungen.

Da müsste es doch mit dem Teufel...

Kolumne

Staatsschulden

Verlieren die USA ihr "Triple A"?

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.06.02.2019, 15:08

Es gibt viel Ärger und Irrationalitäten in der Finanzpolitik der USA unter Präsident Trump. Manches ist nicht schön und schwer verständlich. Andererseits wurde, wenn ich es recht sehe, auf diesem...

Kolumne

Methoden zur Simulation von Komplexität

Neugier und das Denken in Szenarien

Andreas Fornefett [EPOTECH AG]05.02.2019, 08:34

Seit der Veröffentlichung einer Studie der Technischen Universität Hamburg in Kooperation mit dem Kompetenzportal RiskNET [vgl. Meyer/Romeike/Spitzner 2012] im Jahr 2012 hat sich nicht allzu viel...

Interview

Artifizielle Intelligenz

Das größte Risiko ist die Reduzierung des Menschen auf Zahlen

Redaktion RiskNET29.01.2019, 10:40

Künstliche Intelligenz, kurz KI, ist ein Dauerthema in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Letztere beschäftigt sich in unterschiedlichen Disziplinen mit KI, dem zukünftigen Leben von Menschen im...