News

Frühwarnindikatoren

Welthandelsindikatoren geben widersprüchliche Signale

Redaktion RiskNET26.09.2017, 14:54

Zwei Frühindikatoren des Welthandels geben derzeit widersprüchliche Signale: Der World Trade Monitor (WTM) des staatlichen Planungsbüros der Niederlande (CPB) und der Containerumschlagsindex des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI sowie des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL). Während der World Trade Monitor seit Jahresbeginn um nur 0,5 Prozent gestiegen ist, hat der Containerumschlagsindex um 3,2 Prozent zugelegt. Für August deutet sich ein weiterer kräftiger Anstieg des RWI/ISL-Index an.

Ursache der Differenz dürften Unterschiede in der Konstruktion der Indizes sein. Während der WTM auf Güterhandelsdaten von 81 Ländern beruht und damit nahezu 99 Prozent des entsprechenden Welthandels abbildet, basiert der Containerumschlagsindex auf Umschlagsdaten von 82 internationalen Häfen, auf die rund 60 Prozent der entsprechenden Umschläge entfallen. Das RWI veröffentlicht zudem eine Schnellschätzung, die auf den Daten von 41 Häfen beruht und 78 Prozent der vom Index abgebildeten Gesamtumsätze enthält.

Während also der WTM den gesamten weltweiten Güterhandel umfasst, ist der Containerumschlagsindex weitaus enger gefasst. Er enthält tatsächlich nur in Containern transportierte Güter, also kein Öl oder andere Rohstoffe und Schüttgüter und beispielsweise auch keine Autos. Während der WTM also ein recht vollständigeres Bild des Weltgüterhandels zeichnet, ist der RWI/ISL-Index enger gefasst, bietet aber den Vorteil, einen Monat früher eine Tendenz zu liefern.

"Da der internationale Handel im Wesentlichen per Seeschiff abgewickelt wird, lassen die Containerumschläge zuverlässige Rückschlüsse auf den Welthandel zu - weil viele Häfen bereits zwei Wochen nach Ablauf eines Monats über ihre Aktivitäten berichten, ist der RWI/ISL-Containerumschlagsindex ein zuverlässiger Frühindikator der Entwicklung des internationalen Handels mit verarbeiteten Waren und damit auch der weltwirtschaftlichen Aktivität", bewerben die deutschen Institute ihren Index.

Nach Aussage RWI-Chef Roland Döhrn ist derzeit schwer durchschaubar, wie sich das Fehlen von Rohstoffen und anderen Schüttgütern konkret auf die Indexentwicklung auswirkt. "Die Pkw-Exporte waren zuletzt nicht so gut, die könnten eine Quelle der Differenzen sein", sagt er.

Im Juli ist der vom CPB erhobene World Trade Monitor gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent gesunken. Im Juni hatte es nach revidierten Berechnungen stagniert, nachdem vorläufig ein Anstieg um 0,5 Prozent gemeldet worden war. Der RWI/ISL-Index des Containerumschlags dagegen war im Juli um 1,1 gestiegen und im Juni um 0,2 Prozent gesunken. Für August meldet das RWI einen vorläufigen Anstieg von 0,7 Prozent. August-Daten wird das CPB Ende Oktober veröffentlichen.

Deutschland ist stark in den Welthandel eingebunden. Im zweiten Quartal ist das Wachstum der deutschen Wirtschaft vom Außenhandel gebremst worden.

[ Bildquelle: © eyetronic - Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Interview

Interview Munich Re

Cybercrime, Cyberwar bis Cyber-Terrorismus

Redaktion RiskNET25.02.2019, 13:11

Cyber-Attacken nehmen zu, werden raffinierter und kosten Unternehmen inzwischen Milliarden. Die Bandbreite an Risiken ist groß und erstreckt sich von Cybercrime über Cyberwar bis zum...

Kolumne

Risikoanalyse

Italiens Banken und Target-2

Markus Krall [goetzpartners]15.02.2019, 17:40

Das systemische Risiko heißt so, weil seine Auswirkungen die Stabilität des gesamten Finanz- und Wirtschaftssystems betreffen können. In der Vergangenheit war es in aller Regel so, dass systemische...

Kolumne

Chancen & Risiken

Gold und Populismus

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.13.02.2019, 13:20

Der Populismus greift immer mehr um sich. Rechts- und linkslastige Parteien und Strömungen werden stärker. Es gibt immer mehr Länder mit populistischen Regierungen.

Da müsste es doch mit dem Teufel...

Kolumne

Staatsschulden

Verlieren die USA ihr "Triple A"?

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.06.02.2019, 15:08

Es gibt viel Ärger und Irrationalitäten in der Finanzpolitik der USA unter Präsident Trump. Manches ist nicht schön und schwer verständlich. Andererseits wurde, wenn ich es recht sehe, auf diesem...

Kolumne

Methoden zur Simulation von Komplexität

Neugier und das Denken in Szenarien

Andreas Fornefett [EPOTECH AG]05.02.2019, 08:34

Seit der Veröffentlichung einer Studie der Technischen Universität Hamburg in Kooperation mit dem Kompetenzportal RiskNET [vgl. Meyer/Romeike/Spitzner 2012] im Jahr 2012 hat sich nicht allzu viel...