Studie

Globale Risikolandkarte

Was sind die Unternehmensrisiken 2017?

Redaktion RiskNET12.01.2017, 15:13

Was werden die wesentlichen Risiken der Unternehmen im Jahr 2017 sein? Der Industrieversicherer Global Corporate & Specialty SE hat mehr als 1.200 Risikoexperten aus über 50 Ländern gefragt und aus den Antworten das aktuelle Risk Barometer mit den wichtigsten Unternehmensrisiken im Jahr 2017 erstellt.
Weltweit stellen sich die Unternehmen auf ein Jahr der Unsicherheit ein, die durch zunehmende Besorgnis über geopolitische, rechtliche und regulatorische Entwicklungen weltweit angetrieben wird. Digitale Dilemmata wie die Auswirkungen neuer Technologien auf das Risikoprofil von Unternehmen und Cybervorfälle sind ebenfalls eine wachsende Risikokategorie. Daneben bleiben Naturkatastrophen als potenzielle Gefahr weiterhin auf der Agenda der Corporate Risk Manager. Aber das größte Risiko für die Mehrzahl der Unternehmen sind tatsächliche oder erwartete Verluste aus einer Betriebsunterbrechung. Betriebsunterbrechung ist zum im fünften Jahr in Folge das größte Risiko für Industrieunternehmen.

Neue Ursachen für Betriebsunterbrechungen

In diesem Kontext sind allerdings neue Auslöser für Betriebsunterbrechungen auf dem Vormarsch. Gefahren wie Naturkatastrophen und Brände sind weiterhin die Ursachen, die Unternehmen am meisten fürchten, aber die Art des Risikos verschiebt sich zunehmend auf Nicht-Schaden-Ereignisse. Ein Cybervorfall oder die indirekten Auswirkungen eines terroristischen Gewaltakts sind Ereignisse, die zu großen Verlusten führen können, ohne physische Schäden zu verursachen. Eine Zunahme solcher Ereignisse wird von den befragten Risikomanagern erwartet.

Außerdem müssen Unternehmen mehr Ressourcen in ein besseres Monitoring von politischen Vorhaben und deren Umsetzung auf der ganzen Welt investieren, um plötzliche Änderungen von Regelungen, die Geschäftsmodelle und Märkte beeinflussen könnten, zu antizipieren und auf diese frühzeitig reagieren zu können. Dies geht einher mit dem Trend eines zunehmenden Protektionismus und steigender Anti-Globalisierung, die Betriebsunterbrechungen eines neuen Typus hervorrufen könnten, so die Risikoexperten in ihrer aktuellen Studie. Terrorismusrisiken steigen und ein Unternehmen muss nicht direktes Opfer sein, um die Auswirkungen zu spüren. Standorte können unzugänglich sein, oder die Lieferketten im Zuge eines Angriffs beeinträchtigt werden. Das wachsende Risiko politischer Gewalt wie Kriege, Bürgerkriege, Aufstände und andere politisch motivierte Vorfälle, die sich auf Länder und nicht auf einzelne Standorte konzentrieren, sollten nicht unterschätzt werden. Besonders für globale Unternehmen können die Auswirkungen bedeutsam und lang anhaltend sein.

Disruptive Auslöser für strategische Risiken

Marktentwicklungen sind das zweitwichtigste Risiko insgesamt, auch wenn sich branchenspezifische Unterschiede zeigen. Die zunehmende Abhängigkeit von Technologie und Automatisierung transformiert die Industrie und kann disruptive Folgen für Unternehmen aller Branchen haben. Die Digitalisierung birgt nicht nur Vorteile, sondern auch neue Risiken und verlagert die Vermögenswerte eines Unternehmens von einer überwiegend physischen zu zunehmend immateriellen. Im vierten Jahr in Folge sind die Unternehmen zunehmend über Cybervorfälle besorgt. Die Bedrohung geht weit über Hacking, Datenschutzverletzungen oder Datendiebstähle hinaus, obwohl neue Datenschutzbestimmungen die Folgen solcher Vorfälle für Unternehmen verschärfen werden. Auch ein technischer IT-Ausfall oder menschliches Versagen können zu teuren Schäden führen. In einer Industrie 4.0-Umgebung können nicht korrekt verarbeitete oder misinterpretierte Daten die Produktion zum Stillstand bringen.

Das heutige Risikomanagement ist datengestützt

Es gibt signifikante lokale und regionale Unterschiede in den Top-10-Risiken. Markt- und makroökonomische Entwicklungen gehören zu den zwei wichtigsten Risiken in der Region Afrika & Mittlerer Osten. Die Sorge um Cyberrisiken steht in Europa auf Platz zwei des Rankings. Der Aufstieg neuer Technologien und der Wandel vom physischen Vermögensschutz zu immateriellen Risiken bedeuten auch, dass sich das Versicherungsmodell weiterentwickelt. Das heutige Risikomanagement ist schnelllebiger und datengestützt; zudem erfordern die zunehmenden immateriellen Risiken spezielle Services wie IT-Forensik oder Krisenmanagement.

Die 10 wichtigsten globalen Geschäftsrisiken 2017

Die 10 wichtigsten globalen Geschäftsrisiken 2017 [Quelle: Allianz Global Corporate & Specialty | Fotos: iSTock Photos]

[Quelle: Allianz Global Corporate & Specialty | Fotos: iSTock Photos]

[ Bildquelle: © trendobjects - Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Risikoanalyse

Italiens Banken und Target-2

Markus Krall [goetzpartners]15.02.2019, 17:40

Das systemische Risiko heißt so, weil seine Auswirkungen die Stabilität des gesamten Finanz- und Wirtschaftssystems betreffen können. In der Vergangenheit war es in aller Regel so, dass systemische...

Kolumne

Chancen & Risiken

Gold und Populismus

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.13.02.2019, 13:20

Der Populismus greift immer mehr um sich. Rechts- und linkslastige Parteien und Strömungen werden stärker. Es gibt immer mehr Länder mit populistischen Regierungen.

Da müsste es doch mit dem Teufel...

Kolumne

Staatsschulden

Verlieren die USA ihr "Triple A"?

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.06.02.2019, 15:08

Es gibt viel Ärger und Irrationalitäten in der Finanzpolitik der USA unter Präsident Trump. Manches ist nicht schön und schwer verständlich. Andererseits wurde, wenn ich es recht sehe, auf diesem...

Kolumne

Methoden zur Simulation von Komplexität

Neugier und das Denken in Szenarien

Andreas Fornefett [EPOTECH AG]05.02.2019, 08:34

Seit der Veröffentlichung einer Studie der Technischen Universität Hamburg in Kooperation mit dem Kompetenzportal RiskNET [vgl. Meyer/Romeike/Spitzner 2012] im Jahr 2012 hat sich nicht allzu viel...

Interview

Artifizielle Intelligenz

Das größte Risiko ist die Reduzierung des Menschen auf Zahlen

Redaktion RiskNET29.01.2019, 10:40

Künstliche Intelligenz, kurz KI, ist ein Dauerthema in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Letztere beschäftigt sich in unterschiedlichen Disziplinen mit KI, dem zukünftigen Leben von Menschen im...