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Länderrisiken

Stabiler Ausblick trotz steigender politischer Risiken

Redaktion RiskNET13.01.2017, 12:29

Die Bonitätsaussichten für die Länder des Euroraums sind alles in allem stabil, wie aus einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der internationalen Ratingagentur Moody's Investors Service für das Jahr 2017 hervorgeht. In dem stabilen Ausblick äußern sich das aller Voraussicht nach stabile, wenn auch verhaltene reale BIP-Wachstum, die zumeist neutral gehaltene Finanzpolitik sowie eine leicht rückläufige Schuldenlast, so Moody's. Die Research-Publikation ist eine Aktualisierung für die Märkte und stellt keine Ratingaktion dar.

"Unser Ausblick für die Bonität der Länder des Euroraums im Jahr 2017 ist insgesamt stabil", sagt Sarah Carlson, Senior Vice President bei Moody's und Koautorin des Berichts. "Die wirtschaftliche Wachstumsdynamik im Euroraum 2017/18 wird sich weitgehend bonitätsneutral auswirken. Zudem haben sich die Schuldenkennzahlen in den meisten, wenn auch nicht allen Euroländern, nicht mehr weiter verschlechtert. Die steigenden politischen Risiken in manchen Ländern könnten die laufenden Reformanstrengungen jedoch untergraben."

Im Schnitt rechnet Moody's mit einem Wirtschaftswachstum im Euroraum von 1,3 Prozent in den Jahren 2017 und 2018. Die Wachstumsraten werden jedoch von Land zu Land unterschiedlich ausfallen. Der Handel mit Ländern außerhalb des Euroraums dürfte auch weiterhin ein nur schwaches Wachstum verzeichnen. Zunehmende protektionistische Strömungen in vielen entwickelten Volkswirtschaften, einschließlich der USA, dürften für zusätzlichen Abwärtsdruck auf die Handelsvolumina sorgen.

Einige kleinere Länder, wie Irland, Luxemburg, Malta oder die Slowakei, dürften ein kräftigeres Wachstum von mehr als 3 Prozent verzeichnen. Andere Länder, wie Griechenland, Spanien oder Slowenien, werden zwar langsamer als 2016 wachsen, den Eurodurchschnitt aber trotzdem übertreffen. Die größten Volkswirtschaften des Euroraums, Deutschland, Frankreich und Italien, werden weiterhin eine jährliche Wachstumsrate von deutlich unter 2 Prozent aufweisen.

In vielen Euroländern sind die Staatsbilanzen nach wie vor wesentlich schwächer als vor der Krise. Entsprechend unwahrscheinlich ist eine deutliche Erholung der dortigen Staatsbilanzen vor dem nächsten Konjunkturabschwung.

Die Schuldenkennzahlen haben sich in den meisten, wenn auch nicht allen Euroländern nicht mehr weiter verschlechtert. Dies ist ein weiterer Faktor, der unseren stabilen Ausblick für den Euroraum im Jahr 2017 stützt. Dennoch sind viele Länder in ihrer Fähigkeit eingeschränkt, sich in beträchtlichem Umfang neu zu verschulden, ohne ihre Finanzkraft wesentlich zu schwächen.

In zahlreichen Ländern des Euroraums hat sich sowohl am rechten wie auch am linken Flügel ein Spektrum an politischen Parteien herausgebildet, die den etablierten Parteienkonsens herausfordern. In seinem zentralen Szenario geht Moody's davon aus, dass nur wenige dieser Antikonsensparteien an einer Regierungsbildung beteiligt sein werden. Gleichwohl verfügen die meisten von ihnen über das Potenzial, die politische Debatte wesentlich zu beeinflussen, indem sie dafür sorgen, dass es für die Parteien der Mitte schwieriger wird, unpopuläre Wirtschafts- und Finanzreformen zu befürworten.

Die in diesem Jahr bevorstehenden Wahlen in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien werden zeigen, wie groß die Unterstützung für diese aufkeimenden Parteien und Bewegungen tatsächlich ist.

Zwar hatten Regierungswechsel in der Vergangenheit in Europa nur begrenzte Auswirkungen auf die Staatsbonitäten, doch die Tragweite des sich gegenwärtig vollziehenden politischen Wandels bedeutet, dass die bevorstehenden Wahlen eine größere Bedeutung haben, als dies normalerweise der Fall wäre.

Bislang hatte die in einigen Ländern steigende politische Unsicherheit keine nachteiligen Auswirkungen auf den Ratingausblick für die Region. Sie könnte allerdings potenziell zu weit reichenden politischen Veränderungen führen, die die Führungsfähigkeit und potenziell sogar den Fortbestand des Euroraums in seiner jetzigen Form gefährden könnte.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt erachtet Moody's die Wahrscheinlichkeit weiterer Austritte aus der EU oder dem Euroraum als sehr gering. Unerwartete Wahlerfolge einzelner Parteien mit EU- oder Euro-kritischen Programmen oder auch andere unvorhergesehene Ereignisse, die nach Einschätzung von Moody's die Wahrscheinlichkeit weiterer Austritte erhöhen könnten, würden eine Neubewertung dieses Risikos erforderlich machen.

[ Bildquelle: © bluedesign - Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Björn Rohde-Liebenau/13.01.2017 15:04
Bonitätsaussichten "stabil" bedeutet wahrscheinlich: schon seit einiger Zeit können unbekannte, aber nicht unerwartete Ereignisse uns morgen den Tisch umhauen, so dass wir heute keine andere Aussage als gestern treffen können. Allein die Aussage "steigende politische Risiken" müsste sonst zu einer andern Aussage zwingen - es sei denn es wird gleichzeitig von gewiss effektiven Maßnahmen zur Eingrenzung dieser Risiken berichtet. Das Gegenteil ist der Fall - es wird munter ignoriert...

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