News

Konjunkturprognose

Schwer zu kalkulierende Risiken

Redaktion RiskNET19.12.2018, 13:27

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung hat seine Erwartung für das deutsche Wirtschaftswachstum wie zuvor schon andere Ökonomen gesenkt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte im Jahresdurchschnitt 2018 um 1,6 Prozent und 2019 um 1,7 Prozent zunehmen, prognostizierte das gewerkschaftsnahe Institut und nahm damit seine Vorhersagen um jeweils 0,3 Punkte zurück.

"Die abflauende weltweite Konjunktur setzt dem deutschen Außenhandel zu", erklärten die Forscher aus Düsseldorf. Der erratische Ablauf des Brexit, der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie das schwache Wachstum bei gleichzeitig hoher Verschuldung in Italien seien schwer zu kalkulierende Risiken. Angetrieben durch die kräftige Konsumnachfrage, eine weiterhin gute Arbeitsmarktentwicklung, steigende Löhne und solide Investitionen gehe der moderate Aufschwung der deutschen Wirtschaft aber weiter.

"Die Wachstumsdelle im dritten Quartal diesen Jahres bleibt ein Ausrutscher, der auf Sondereffekten beruht", erklärte das IMK. "2019 gewinnt die Konjunktur sogar wieder etwas an Fahrt." Damit gehe der Aufschwung in sein siebtes Jahr und stelle die längste Wachstumsphase seit der deutschen Vereinigung dar.

Exporte wachsen 2018 deutlich geringer

"Ganz klar: Der Aufschwung muss Federn lassen", konstatierte der wissenschaftliche IMK-Direktor Gustav Horn aber. Das signalisiere auch der IMK-Konjunkturindikator, der aktuell ein Rezessionsrisiko von 23 Prozent ausweise - nach 15 Prozent im November. Gemessen an den heftigen wirtschaftspolitischen Turbulenzen seien die Verluste aber noch moderat. Die Ökonomen rechnen mit einer Zunahme der privaten Konsumausgaben um 1,3 Prozent in diesem und 1,9 Prozent im kommenden Jahr und der Ausrüstungsinvestitionen um 4,5 Prozent 2018 und 5,1 Prozent 2019.

Die Exporte dürften 2018 um 1,9 Prozent und 2019 um 4,0 Prozent zunehmen und die Importe dieses Jahr um 3,2 Prozent und nächstes um 4,7 Prozent. Allein schon die gestiegene Verunsicherung angesichts der aggressiven US-Politik bremse dieses Jahr die Nachfrage nach deutschen Gütern, hieß es zu der schwachen Exportprognose für 2018. Ein weiterer Risikofaktor sei der Brexit, hinzu kämen in diesem Jahr die Verzögerungen bei deutschen Autobauern, die neuen WLTP-Abgasmessregeln umzusetzen.

Die Zahl der Arbeitslosen wird nach der Prognose weiter sinken. Für 2018 prognostizieren die Forscher einen Rückgang um etwa 190.000 Personen auf rund 2,34 Millionen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent. Für 2019 erwartet das IMK, dass die Arbeitslosenzahl um jahresdurchschnittlich etwa 130.000 auf etwa 2,21 Millionen zurückgeht und die Quote auf 4,9 Prozent fällt.

Zuvor hatten schon andere Konjunkturinstitute ihre Vorhersagen gesenkt. Zuletzt hatte das RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung seine Prognose für dieses Jahr von 1,8 auf 1,4 Prozent zurückgenommen. Für 2019 wurde die Vorhersage von 1,7 auf 1,4 Prozent und für 2020 von 1,9 auf 1,6 Prozent gesenkt.

[ Bildquelle: Adobe Stock ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Interview

Interview Munich Re

Cybercrime, Cyberwar bis Cyber-Terrorismus

Redaktion RiskNET25.02.2019, 13:11

Cyber-Attacken nehmen zu, werden raffinierter und kosten Unternehmen inzwischen Milliarden. Die Bandbreite an Risiken ist groß und erstreckt sich von Cybercrime über Cyberwar bis zum...

Kolumne

Risikoanalyse

Italiens Banken und Target-2

Markus Krall [goetzpartners]15.02.2019, 17:40

Das systemische Risiko heißt so, weil seine Auswirkungen die Stabilität des gesamten Finanz- und Wirtschaftssystems betreffen können. In der Vergangenheit war es in aller Regel so, dass systemische...

Kolumne

Chancen & Risiken

Gold und Populismus

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.13.02.2019, 13:20

Der Populismus greift immer mehr um sich. Rechts- und linkslastige Parteien und Strömungen werden stärker. Es gibt immer mehr Länder mit populistischen Regierungen.

Da müsste es doch mit dem Teufel...

Kolumne

Staatsschulden

Verlieren die USA ihr "Triple A"?

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.06.02.2019, 15:08

Es gibt viel Ärger und Irrationalitäten in der Finanzpolitik der USA unter Präsident Trump. Manches ist nicht schön und schwer verständlich. Andererseits wurde, wenn ich es recht sehe, auf diesem...

Kolumne

Methoden zur Simulation von Komplexität

Neugier und das Denken in Szenarien

Andreas Fornefett [EPOTECH AG]05.02.2019, 08:34

Seit der Veröffentlichung einer Studie der Technischen Universität Hamburg in Kooperation mit dem Kompetenzportal RiskNET [vgl. Meyer/Romeike/Spitzner 2012] im Jahr 2012 hat sich nicht allzu viel...