Studie

Länderrisken im Überblick

Risikoweltkarte 2018

Redaktion RiskNET03.05.2018, 11:06

Das Feilschen um die von den USA angedrohten Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der Europäischen Union sind nur eine Ursache für die zunehmende Volatilität von Länderrisiken. Für Günther Schmid, Referent auf dem diesjährigen RiskNET Summit 2018 und vormals Mitarbeiter beim Bundesnachrichtendienst und Professor für Internationale Politik und Sicherheit an der Beamtenhochschule, schreite der Zerfall von Strukturen und Ordnung international voran. Wenn man die internationale Politik heute betrachtet, so fällt auf, dass sich die Welt von heute zur Ära der Nachkriegsordnung fundamental unterscheidet. Beispielsweise haben wir seiner Meinung nach heute keine klassische Lagerbildung mehr. Damit meint Schmid den fehlenden Ost-/West-Konflikt, mit der Teilung Deutschlands und Europas. In Folge dessen hat sich der Aggregatzustand der Lagerbildung verflüssigt. Hinzu kommt, dass Ordnung in vielen Staaten rund um den Globus zerfällt. Angefangen bei der Finanzmarkt- bis zur Flüchtlingskrise sehen wir weltweit zerfallenden Strukturen. Ganze Staaten brechen auseinander. Hierzu genügt ein Blick auf die jüngsten Beispiele und Konfliktherde – angefangen bei Syrien und dem Irak über Libyen bis zum Jemen. Über sechzig Staaten gehören zu den sogenannten "gescheiterten Staaten" (failed states).

Die Hauptursachen gescheiterter Staaten sind Terror, Krieg und Vertreibung. Und die Konfliktherde nehmen zu – und damit auch die Länderrisiken: "Wir hatten noch nie eine solche Stresstestsituation", warnt Schmid. Im Grunde ist die ordnungspolitische Welt alter Tage passe. Wir können nicht mehr sagen wir haben die ordnungspolitische Dreiteilung in Supermacht, Großmacht und den normalen Staaten. Heute gehören rund 30 Staaten, die wir als entscheidende Mächte qualifizieren können – von China über den Iran und Saudi-Arabien bis zu Russland und den USA.

Aufgrund des Mehr an Staaten mit Machteinfluss und einer gleichzeitigen Zunahme der Weltbevölkerung um 2,5 Milliarden Menschen seit den 1990er Jahren, werden die weltweiten Interessen heterogener. Dies führte uns zusammen und mit der Auflösung der Blockbildung von einer bipolaren Welt über eine multipolare Welt in eine neue Weltunordnung und zu einer neuen – höchst volatilen – globalen Risikolandkarte.

Vor allem politische und wirtschaftliche Instabilitäten erhöhen das strategische Risikopotenzial und in der Konsequenz das Länderrisiko für international tätige Unternehmen. Die Einschätzung des Länderrisikos gestaltet sich in der Praxis als äußerst schwierig, da zahlreiche quantitative und qualitative Einflussfaktoren mit zum Teil hoher Unsicherheit über die zukünftigen Szenarien bestimmen. Das Länderrisiko (englisch "country risk") bezeichnet allgemein spezielle Verlustrisiken, denen ein Gläubiger oder Unternehmer ausgesetzt ist, etwa aus dem Export/Import, Investitionen oder aus Finanzprodukten von Kreditinstituten.

Coface Handbook Country Risk 2018Im Risikomanagement unterscheidet man weiter in das so genannte originäre Länderrisiko, bei dem der jeweilige Staat direkter Schuldner ist und dem derivativen Länderrisiko, bei dem ein Kreditnehmer innerhalb eines Staates der Schuldner ist. Aus Sicht der Risikobewertung ist diese Trennung von hoher Relevanz, da das originäre Länderrisiko mit den individuellen Kreditnehmerrisiken im selben Staat negativ korreliert ist.

Im jüngst veröffentlichten "Handbook Country Risk 2018" veröffentlicht der französische Kreditversicherer Coface die Bewertung von 160 Ländern und 13 Branchen weltweit. Das Buch fasst die Informationen über diese Märkte, deren Stärken und Schwächen, das Geschäftsumfeld sowie weitere Hinweise für den Praktiker im Risikomanagement zusammen.

Download "Handbook Country Risk 2018" [PDF]

Download Risikoweltkarte 2018" [PDF]

 

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