Studie

Abgastest, China und Türkei

Risikoanalyse Automobilindustrie

Redaktion RiskNET02.05.2019, 20:55

Die Autoindustrie, normalerweise das Glanzlicht der deutschen Industrie, könnte nach Einschätzung von Oddo BHF auf Jahre als Wachstumstreiber ausfallen. Grund sind nach Aussage von Chefvolkswirt Bruno Cavalier Regeln, die die Hersteller dazu zwingen sollen, den Co2-Ausstoß ihrer Autos weiter deutlich zu verringern und das außerdem unter realen Bedingungen nachzuweisen.

Cavalier weist darauf hin, dass am 1. September 2019 der neue Abgastest RDE obligatorisch wird, bei dem der Abgasausstoß der Fahrzeuge unter realen Bedingungen getestet wird. "Das könnte ähnliche Probleme hervorrufen wie der WLTP-Shock", schreibt Cavalier in einer Studie. Zudem hat die EU sich verpflichtet, die CO2-Emissionen von Pkw bis 2025 gegenüber dem für 2021 angepeilten Niveau um 15 Prozent zu senken und bis 2030 um 37,5 Prozent.

"Für die Autoindustrie bedeutet das, ihre Produktionsstruktur umfassend zu überprüfen, und für Deutschland mit seinem hohen Anteil an der Produktion großer Fahrzeuge mit hohem Abgasausstoß ist das eine besondere Herausforderung", urteilt Cavalier.

Der Volkswirt geht davon aus, dass die im vergangenen Jahr akut aufgetretenen Probleme mehr oder weniger schnell schwinden werden.

1. China

Der Chefvolkswirt von Oddo BHF geht davon aus, dass der Rückgang der Ausfuhren in dieses Land die Autoproduktion um 1 Prozent gemindert hat und das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,1 Punkt. Cavalier geht davon aus, dass die Autoindustrie in den nächsten Monaten von den jüngsten Lebenszeichen der chinesischen Wirtschaft profitieren wird.

2. Türkei

Die Autoausfuhren in die Türkei, die für 2 Prozent gesamten Autoexporte stehen, sind im zweiten Halbjahr 2018 um 90 Prozent gefallen. Dieser Schock war damit bedeutender als der häufig zitierte China-Schock. Cavalier geht davon aus, dass die finanzielle und ökonomische Situation der Türkei fragil bleiben wird. "Immerhin kann sich die türkische Nachfrage nach deutschen Autos nicht mehr weiter verringern", meint er.

3. Abgasprüfstandard WLTP

Die Normalisierung nach den Produktionsunterbrechungen in Folge der Einführung des Abgasprüfstandards WLTP hat sich deutlich länger als erwartet hingezogen. "Vor dem zweiten Halbjahr 2019 wird sich die Lage wahrscheinlich nicht komplett normalisieren", prognostiziert der Oddo-BHF-Chefvolkswirt.

Sein Fazit: "Alles in allem ist die wirtschaftliche Situation im zweiten Halbjahr 2018 größtenteils mit der mangelnden Vorbereitung des Autosektors auf neue Umweltstandards zu erklären. Eines der größten Risiken für die Zukunft besteht darin, dass sich der regulatorische Druck noch erhöhen wird."

[ Bildquelle: Adobe Stock ]


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