News

Non-performing Loans

Mehr Kapital für faule Kredite

Redaktion RiskNET14.03.2018, 21:20

Die Europäische Kommission will die Banken dazu bringen, mehr Kapital für faule Kredite (NPL - non-performing loans) zur Seite zu legen. Während der Finanzkrise hat sich die Zahl der Forderungsausfälle in Europa stark erhöht, weil Haushalte und Unternehmen ihre Darlehen nicht zurückzahlen konnten, die sie in den Boomjahren aufgenommen hatten.

Zwar gehen die ausstehenden Forderungsausfälle dank der konjunkturellen Erholung in Europa zurück, doch Banken, die weiter darum kämpfen, Gewinne zu schreiben, können die Abschreibungen aus den notleidenden Krediten nur schwer verdauen. Am Mittwoch teilte die Europäische Kommission mit, in der EU gebe es notleidende Kredite im Volumen von 910 Milliarden Euro. Dies drücke auf das Wachstum, weil die Geldhäuser wegen des toxischen Erbes weniger neue Kredite ausreichen können.

Berg an Altlasten wird nicht angefasst

Nach dem Plan der Kommission müssen die Institute künftig neue unbesicherte Problemdarlehen binnen zwei Jahren abschreiben. Neue Kredite, für die Sicherheiten gestellt wurden und die notleidend geworden sind, sollen innerhalb von acht Jahren abgeschrieben werden. Die Brüsseler Behörde definiert einen Kredit als notleidend, wenn der Darlehensnehmer seit mehr als 90 Tagen keine Zahlung geleistet hat oder die Rückzahlung in naher Zukunft unwahrscheinlich ist. Die drückenden Altlasten packt Brüssel hingegen nicht an.

Die Europäische Bankaufsichtsbehörde erklärte auf der Grundlage von Schätzungen, die die jüngsten hohen Forderungsausfälle auf einen Zeithorizont von 20 Jahren hochrechnet, dass bei der durchschnittlichen europäischen Bank die Eigenkapitalquote (Tier 1 Ratio) deswegen um 205 Basispunkte (2,05 Prozentpunkte) geschmälert wird. "Wenn Europa und seine Wirtschaft wieder an Stärke gewinnt, dann muss Europa die Dynamik nutzen und den Abbau notleidender Kredite beschleunigen", sagte Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der Europäischen Kommission.

Die Association for Financial Markets in Europe, die weltweit Banken vertritt, kritisierte diesen Schritt mit den Worten: "Die angemessene Höhe der Risikovorsorge für NPLs sollte von Bank zu Bank in Absprache mit den Aufsichtsbehörden festgelegt werden."

Griechenland, Italien und Portugal als Sorgenkinder

Die Pläne der EU müssen noch von den Staaten und den Gesetzgebern gebilligt werden. Insbesondere in den Ländern, wo es einen großen Bestand an notleidenden Krediten gibt, könnten die Vorschläge auf Widerstand stoßen. In Griechenland machen die faulen Kredite fast 47 Prozent der gesamten Darlehen aus. In Italien und Portugal sind es 12,1 Prozent bzw. 14,6 Prozent. Die Europäische Zentralbank, die die größten Kreditgeber des Euroraums beaufsichtigt, wird voraussichtlich in Kürze auch neue Regeln für neue und alte notleidende Kredite festlegen.

Im Gegensatz zur Kommission, die allen Banken Regeln auferlegen kann, darf die EZB dies nur von Fall zu Fall. Die Vorschläge von Dombrovskis umfassen auch eine Stärkung der Sekundärmarkte, wo Finanzinstitute ihre Problemdarlehen verkaufen können. Zudem ist vorgesehen, dass es eine Regelung gibt, dass Banken die Sicherheiten, die einem Darlehen zugrunde liegen, ohne Gerichtsverfahren einziehen können. In manchen Ländern kann dies nämlich einige Jahre dauern, bis die Bank auf die Sicherheiten zugreifen kann. Ein Beispiel dafür sind Immobilien in Italien. 

[ Bildquelle: Adobe Stock ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Vom weißen Elefanten in digitalen Zeiten

Oh Wunder: Datenlecks und Intransparenz

Frank Romeike | Andreas Eicher [RiskNET]29.03.2018, 17:37

Der "elephant in the room." Diese Metapher aus dem angelsächsischen Sprachraum umschreibt ein Problem, um das (so gut wie) jeder weiß,  aber es wird von keinem angesprochen. Mit einem...

Interview

Spieltheoretische Ansätze in der Praxis

Mit Wargaming Risiken minimieren

Redaktion RiskNET15.03.2018, 08:00

Unsere Welt ist im Umbruch – sei es durch Kriege und Terror, die steigende Zahl an Umweltkatastrophen oder aufgrund von Cybergefahren und wirtschaftlichen Verwerfungen. Damit wird die Risikolandkarte...

Interview

Risiko Nr. 1 für Unternehmen

Das stille Sterben der Marken

Redaktion RiskNET22.02.2018, 12:59

Mit Schrecken liest man heute über das zunehmende "Markensterben" in vielen Branchen. Einst glanzvolle Marken verschwinden in der Bedeutungslosigkeit oder noch schlimmer ganz vom Markt....

News

Im Interview: Thorsten Kodalle

Vom Wargaming und der Resilienz

Redaktion RiskNET12.02.2018, 08:00

Oberstleutnant i. G. Thorsten Kodalle, Dozent für Sicherheitspolitik an der Führungsakademie der Bundeswehr, stellt die Frage, ob die Welt heute noch kontrollierbar sei? Seiner Meinung nach nein....

News

Im Interview: Herbert Saurugg

Energieversorgung und die Risiken

Redaktion RiskNET10.02.2018, 08:00

Der Experte für die Vorbereitung auf den Ausfall lebenswichtiger Infrastrukturen, Herbert Saurugg, erwartet in den kommenden Jahren einen europaweiten Strom- und Infrastrukturausfall. Das Risiko...