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Frühwarnindikatoren

Keine akuten Anzeichen für Stabilitätsrisiken aus Immobilien

Redaktion RiskNET14.12.2018, 19:09

Die deutschen Aufsichtsbehörden sehen Anfälligkeiten im deutschen Finanzsystem, aber keine akuten Finanzstabilitätsrisiken vom Immobilienmarkt. "Wir sehen keine akuten Anzeichen für Stabilitätsrisiken, das ist eine wichtige Botschaft, die vom Wohnimmobilienmarkt ausgehen", sagte Finanz-Staatssekretär Jörg Kukies bei einem Pressegespräch nach einer Sitzung des Ausschusses für Finanzstabilität in Berlin.

Kriterien seien ein starkes Preiswachstum und eine möglicherweise laxe Kreditvergabe. Jedoch sehe man "keine Besorgnis erregende Erleichterung von Kreditvergabestandards in Deutschland", hob Kukies hervor. "Die Banken sind immer noch sehr sorgfältig bei der Auswahl der Kreditnehmer." Man sehe "nach wie vor ein sehr verantwortungsvolles Verhalten" der Kreditinstitute.

Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch betonte bei derselben Veranstaltung, im Kontext der guten wirtschaftlichen Lage hätten "sich Verwundbarkeiten im deutschen Finanzsystem aufgebaut". Risikofaktoren seien eine mögliche Unterschätzung von Kreditrisiken aufgrund guten Wachstums und niedriger Zinsen sowie Zinsrisiken.

"Die konjunkturelle Hochphase hält weiter an, aber anders als in den vergangenen Jahren überwiegen mittlerweile die Abwärtsrisiken für die deutsche Konjunktur", konstatierte sie und verwies auf die Gefahr einer Eskalation der Handelskonflikte und eines ungeordneten Brexits.

"Eine unerwartet starke Eintrübung der deutschen Konjunktur würde diese Verwundbarkeiten offenlegen", sagte Buch. Sie warnte vor der Gefahr, dass das Eigenkapital unter Druck gerate und Ansteckungseffekte den Abschwung verstärken könnten.

Der Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, beschrieb die Lage als "angespannt" und nannte das Niedrigzinsumfeld und eine daraus resultierende schwache Profitabilität von Banken und Sparkassen "eine Herausforderung". In Kombination mit einer vergleichsweise flachen Zinsstrukturkurve bedeute dies einen Druck auf die Margen der Banken. Eine sehr hohe Bedeutung messe man dem Zinsänderungsrisiko bei.

In seinem Jahresbericht hatte das Gremium im Juni festgestellt, dass das deutsche Finanzsystem stabil sei, aber Unsicherheitsfaktoren fortbestünden. Die Banken seien widerstandsfähiger geworden, könnten Risiken aber unterschätzen. Die Finanzstabilitätsrisiken aus der Wohnimmobilienfinanzierung hatte das Gremium jedoch schon damals als "weiter begrenzt" bezeichnet.

Der Ausschuss für Finanzstabilität ist das zentrale Gremium der makroprudenziellen Überwachung in Deutschland, das Risiken frühzeitig identifizieren soll. Er besteht aus jeweils drei Vertretern des Bundesfinanzministeriums, der Bundesbank und der Bafin und tagt einmal pro Quartal.

[ Bildquelle: Adobe Stock ]


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