Gute Zahlungsmoral auch bei hohem Risiko


Redaktion RiskNET
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Das Ausfall- und Insolvenzrisiko eines Unternehmens ist gerade bei mittel- und langfristigen Geschäftsverbindungen von höchster Relevanz. So sind Leasinggeschäfte oder Kredite ohne eine vorherige Bonitätsprüfung kaum vorstellbar. Häufig sind Geschäftskontakte aber auch kurzfristiger Natur. Denkt man beispielsweise an Handwerksbetriebe, ist vor allem die Frage entscheidend, ob der Kunde die gelieferte Ware oder die erbrachte Leistung pünktlich bezahlen wird. Und: Mit welcher Zahlungsmentalität muss bei dieser Geschäftsverbindung gerechnet werden? Ist ein Inkasso- oder Mahnverfahren wahrscheinlich? Wie sollen Zahlungsziele und andere Anreize gesetzt werden, um pünktlich an sein Geld zu kommen? In anderen Worten: Bei Kundenkontakten mit einem eher kurzfristigen Zeithorizont ist entscheidend, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Kunde die übermittelte Rechnung innerhalb der vereinbarten Zahlungsfrist begleichen wird. Mit Fragen dieser Art wird Creditreform beinahe jeden Tag konfrontiert. Mittlerweile liegen im ZaC-Pool, dem Zahlungserfahrungspool von Creditreform, mehr als 70 Millionen auswertbare Zahlungsbelege zu rund 1,5 Millionen Debitoren vor. Mit diesen Zahlungserfahrungen konnte eine erste Auswertung des Zahlungsverhaltens von Unternehmen unterschiedlicher Risikoklassen vorgenommen werden – mit verblüffenden Resultaten.


Unternehmen der schlechtesten Risikoklasse zahlen Rechnungen pünktlich

Gute Bonität ist nicht stets gleichbedeutend mit einer hervorragenden Zahlungsmoral. So kamen 2007 nur 61 Prozent der Unternehmen in der besten Risikoklasse (Bonitätsindex von 100 bis 149) ihren Zahlungsverpflichtungen pünktlich nach. In der zweitbesten Risikoklasse waren es bereits sieben von zehn (70,9 Prozent). Eine Erklärung für den Unterschied zwischen Risikoklasse 1 und 2: Viele der Unternehmen in der allerbesten Risikoklasse sind international agierende Großunternehmen und Konzerne. Ihre Einkaufsmacht erlaubt es ihnen anscheinend, die Einhaltung der Zahlungsfristen nicht so genau zu nehmen. Allerdings sind in dieser Gruppe lediglich 0,7 Prozent der Zahlungsbelege mehr als 90 Tage überfällig. Also: Die Rechnungen werden in der Regel bezahlt. Es dauert bei einigen Schuldnern nur ein Weilchen. Ein zweites interessantes Ergebnis der ZaC-Auswertung: Ein relativ hoher Prozentsatz von Unternehmen aus der schlechtesten Risikoklasse (Bonitätsindex 600) zahlt die Rechnungen durchaus pünktlich. Über die Hälfte der Betriebe (50,5 Prozent) kommt ihren Zahlungsverpflichtungen wie vereinbart nach. In der Risikoklasse 7 (Bonitätsindex 500) sind es nur unwesentlich weniger. Allerdings schnellen die Zahlungsausfallquoten steil nach oben. Knapp jede fünfte Rechnung (19,2 Prozent) liegt in dieser Klasse 30 Tage und länger über der eigentlich eingeräumten Zahlungsfrist. Fast sieben Prozent der Schuldner lassen sich sogar mehr als drei Monate Zeit. Ein endgültiger Ausfall ist in diesem Fall höchst wahrscheinlich.

Zahlungsverhalten verbessert sich in nur wenigen Risikoklassen

Im Jahresvergleich 2006 und 2007 zeigt sich, dass sich das Zahlungsverhalten in nur wenigen Risikoklassen wirklich verbessert hat. Ein deutliches Plus beim Anteil der pünktlichen Zahler ist lediglich für Unternehmen mit einem Bonitätsindex zwischen 150 und 200 zu vermelden (+ 5,16 Prozentpunkte). Keine Veränderungen gab es in dieser Hinsicht indes in der besten Risikoklasse. Weniger pünktlich als im Vorjahr kommen dagegen Betriebe in der Risikoklasse 7 (Bonitätsindex 500) ihren Zahlungsverpflichtungen nach. Zudem nahm hier der Anteil der Spätzahler (30 Tage nach dem eigentlichen Zahlungsziel) sogar um 2,33 Prozentpunkte weiter zu. Mittlerweile findet sich in dieser Risikoklasse der höchste Anteil säumiger Schuldner.


Abbildung: Zahlungsverhalten nach Risikoklassen (Anteile in %)



[Bildquelle: pixelio.de/geralt]


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