Studie

Finanzstabilitätsbericht des IWF

Globale Risikolandkarte

Redaktion RiskNET14.04.2016, 08:07

Der Internationale Währungsfonds hält die Banken der Industrieländer für ein Stabilitätsrisiko. Der Grund: Sie verdienen nicht genug Geld. Den Europäern legt der IWF in seinem aktuellen Finanzstabilitätsbericht sogar ans Herz, das Problem der Überkapazitäten im Bankensektor anzugehen.

Dem IWF bereiten die unter niedriger Profitabilität leidenden Banken Sorge, deren Aktienkurse zu Jahresbeginn stark unter Druck gerieten. Rund 15 Prozent von ihnen haben laut IWF ohne Reformen keine Chance auf auskömmliche Gewinne. Vor allem im Euroraum müsse das Problem der notleidenden Kredite dringend angegangen werden. "Nach und nach muss im Euroraum auch das Problem der Überkapazitäten im Bankensektor angegangen werden", fordert die in Washington ansässige Organisation.

"Der dramatische Rückgang der Finanzmarktpreise im Januar und Februar hat die Bewertungen so weit gedrückt, dass sie nicht mehr mit den fundamentalen Gegebenheiten im Einklang standen. Zwar haben sich die Märkte seitdem wieder erholt, aber es bleibt doch ein Vertrauensschock zurück, der sich nachteilig auf die Finanzstabilität auswirkt", lautet seine Diagnose.

Auch Chinas Banken haben laut IWF große Probleme. Der IWF beziffert das Volumen der dortigen Kredite, die ihre eigenen Zinskosten nicht verdienen, auf 1,3 Billionen US-Dollar, entsprechend 7 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. "Das klingt bedeutend, ist aber angesichts der vorhandenen Sicherheitspuffer und des anhaltend starken Wachstums zu meistern", urteilt er. Zudem seien sich die chinesischen Behörden dieser Herausforderungen voll bewusst.

Insgesamt haben sich die Risiken für die weltweite Finanzstabilität laut IWF in den vergangenen sechs Monaten erhöht. In den Industrieländern liege das an der erhöhten Unsicherheit und an Rückschlägen bei Wachstum und Vertrauen. Verstärkt worden sei dieser Druck von "Störungen" an den Märkten für Vermögenswerte.

In den Schwellenländern hat laut IWF der Rückgang von Öl- und Rohstoffpreisen für erhöhte Risiken gesorgt. Weltweit seien die Märkte zudem von der erhöhten Unsicherheit über Chinas Transformationsprozess beeinflusst worden. Diese Entwicklungen hätten zu strafferen Finanzierungsbedingungen, geringerer Risikoneigung, erhöhten Kreditrisiken und zu langsamerer Bilanzreparatur geführt, was die Finanzstabilität beeinträchtigte, konstatiert der IWF.

Die Hauptbotschaft des IWF-Berichts ist: Für einen besseren Wachstums- und Inflationsausblick braucht es einen potenteren und ausgewogeneren Politikmix. Bleiben solche Maßnahmen aus, könnte es erneut Marktturbulenzen geben.

"Dann könnten steigende Risikoprämien die Finanzierungsbedingungen weiter verschlechtern, einen sich selbst verstärkenden Kreislauf aus schwachem Vertrauen, schwachem Wachstum, schwacher Inflation und steigender Schuldenlast schaffen", warnt der IWF. Das würde die Bankbilanzen beschädigen und das weltweite Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Basisszenario um 3,9 Prozent verringern.

[ Bildquelle: © peshkov - Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Ein fiktiver Dialog

Wie wäre es, wenn ein Ingenieur arbeiten würde wie (viele) Risikomanager?

Werner Gleißner [Redaktion RiskNET]22.01.2019, 08:57

Der ökonomische Mehrwert des Risikomanagements ergibt sich insbesondere, wenn das (aggregierte) Risiko bei der Vorbereitung wesentlicher unternehmerischer Entscheidungen einfließt, das heißt wenn...

News

Zukunftsorientierte Steuerung

Resiliente Unternehmen dank eines strategischen Chancen- und Risikomanagements

Jan Spitzner22.01.2019, 07:59

Der Begriff "Resilienz" taucht heute immer wieder auf. Das Wort stammt vom lateinischen resilire ab, was mit zurückspringen oder abprallen ins Deutsche übersetzt wird. Als Bedeutung findet...

Kolumne

Artificial Intelligence

Vom Traum zur Realität

Andreas Eicher | Frank Romeike [Redaktion RiskNET]09.01.2019, 14:45

"Künstliche Intelligenz oder Künstliche Dummheit?" fragte Anfang des Monats Deutschlandfunk in einem Beitrag. Und damit wären wir mittendrin in der Diskussion um das Für und Wider der...

Interview

Corporate-Governance

Aufsichtsrat: Höllenjob oder Sonnengott?

Redaktion RiskNET27.12.2018, 08:00

Neben dem rechtlichen Rahmen mit all ihren Gesetzen, Normen und Standards steht bei Corporate Governance das Ziel einer guten, verantwortungsbewussten und auf langfristige Wertschöpfung basierende...

Kolumne

Ausblick

Zehn Überraschungen des Jahres 2019

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.19.12.2018, 10:25

An Überraschungen hat es im letzten Jahr weiß Gott nicht gefehlt. Das hängt nicht zuletzt mit dem amerikanischen Präsidenten zusammen und seiner Neigung, vorzugsweise das zu tun, was Märkte und...