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Konjunkturprognose

Forscher sehen mehrere Risikofaktoren für Konjunktur

Redaktion RiskNET06.09.2018, 13:23

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet ungeachtet eines schwieriger werdenden internationalen Umfeldes mit einer Fortsetzung des Aufschwungs in Deutschland.

"Das deutsche Bruttoinlandsprodukt expandiert nach vorliegender Prognose im Jahr 2018 um 1,8 Prozent und damit etwas schwächer als im Vorjahr", sagte IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller. Für 2019 erwarten die Konjunkturforscher aus Halle ein Wachstum von 1,7 Prozent und für 2020 eine Steigerung des BIP um 1,8 Prozent. Sie erhöhten damit ihre Prognosen für dieses und nächstes Jahr um jeweils 0,1 Prozentpunkte.

"Die deutsche Wirtschaft ist seit fünf Jahren im Aufschwung", hob das Institut hervor. Wichtige Treiber seien außerordentlich günstige Finanzierungsbedingungen und eine starke Expansion der Beschäftigung. Das IWH sagte einen Rückgang der Zahl der Arbeitslosen auf 2,348 Millionen in diesem, 2,223 Millionen im nächsten und 2,117 Millionen im übernächsten Jahr und eine Ermäßigung der Arbeitslosenquote auf 5,2 Prozent, 4,9 Prozent und 4,6 Prozent in den jeweiligen Jahren voraus.

Forscher sehen mehrere Risikofaktoren

Zuletzt habe die Nachfrage aus dem Ausland allerdings an Schwung verloren - dabei spiele auch die Verteuerung deutscher Produkte aufgrund eines stärkeren Euro eine Rolle. Die in diesem Jahr und besonders im Jahr 2019 expansiv ausgerichtete Finanzpolitik verschaffe der Konjunktur Rückenwind, aber hohe Kapazitätsauslastungen und Engpässe beim Beschäftigungsaufbau dürften eine weitere kräftige Expansion behindern, sagte das IWH voraus.

Im Herbst 2018 sei die Weltkonjunktur weiterhin recht kräftig, betonte das Institut. Allerdings hätten die regionalen Differenzen seit Jahresbeginn zugenommen. Während der Aufschwung in den USA auch wegen des starken Impulses durch die dortige Steuerreform noch einmal an Kraft gewonnen habe, sei die Konjunktur im Euroraum etwas schwächer geworden. Der Welthandel habe seit Jahresbeginn auch wegen der Verschlechterung der handelspolitischen Rahmenbedingungen kaum noch zugelegt.

Die Handelskonflikte sind nach der Analyse des IWH aber "nur einer von mehreren Risikofaktoren" für die deutsche Konjunktur. "Hinzu kommen die Möglichkeit eines ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der EU im Frühjahr 2019 sowie das Risiko eines weiteren Verlusts an Vertrauen der Finanzmärkte in die Solvenz des italienischen Staates", erklärte Holtemöller.

Endphase des Aufschwungs zeichnet sich ab

Nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) tritt Deutschland "in die Endphase des seit fünf Jahren dauernden Aufschwungs ein". Mit Beginn des nächsten Jahrzehnts dürfte dann der Abschwung einsetzen, sagten die Konjunkturforscher des Instituts voraus. Die Ökonomen revidierten ihre Vorhersage für die Zuwachsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für das laufende und das kommende Jahr leicht nach unten und erwarten für 2018 nun einen Zuwachs von 1,9 Prozent und für 2019 von 2,0 Prozent. Im Sommer waren noch Raten von 2,0 Prozent für dieses und 2,3 Prozent für nächstes Jahr erwartet worden.

Vor allem die Exporte sowie die Unternehmensinvestitionen hätten sich rückblickend schlechter entwickelt als zunächst prognostiziert. Hinzu kämen Revisionen in der amtlichen Statistik, die insgesamt auf eine etwas schwächere Konjunkturdynamik schließen ließen. "Damit geht die Hochkonjunktur in Deutschland vorerst weiter, deutlich angespannte Kapazitäten läuten aber wohl mit dem Übergang in das neue Jahrzehnt den Abschwung ein", erklärte das IfW.

Für das Jahr 2020 rechnen die Ökonomen mit einer Zuwachsrate von 1,9 Prozent - ursächlich für die weiterhin recht hohe Rate sei aber auch die hohe Anzahl an Arbeitstagen. Der um Arbeitstage bereinigte Zuwachs belaufe sich nur auf 1,6 Prozent. Zu Beginn des nächsten Jahrzehnts würden "die zyklischen Gegenkräfte durch ein weiteres Ausreizen der Kapazitätsreserven" immer stärker, erklärte der Leiter des IfW-Prognosezentrums, Stefan Kooths. "Deutschland muss sich auf den Abschwung gefasst machen."

Aktuell sprechen allerdings nach Einschätzung des Instituts die zuletzt wieder deutlich aufgehellten Geschäftsklimawerte in den Dienstleistungsbereichen, der Bauwirtschaft, aber auch im verarbeitenden Gewerbe für eine zunächst wieder lebhaftere konjunkturelle Dynamik. Neben dem Auslandsgeschäft trügen binnenwirtschaftlich vor allem die konsumnahen Bereiche den Aufschwung in sein sechstes und siebtes Jahr.

[ Bildquelle: Adobe Stock ]


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