Studie

Höchster Finanzierungsgrad seit 10 Jahren

Entlastung bei Pensionsverpflichtungen

Redaktion RiskNET20.03.2018, 18:34

Die Pensionsverpflichtungen der DAX-Unternehmen sind 2017 um 4,1 Prozent auf 381 Milliarden Euro (2016: 397 Milliarden Euro) gesunken, während die Pensionsvermögen um 3,2 Prozent auf 258 Milliarden Euro (2016: 250 Milliarden Euro) gestiegen sind. Der Zuwachs ist auf gute Erträge beim Planvermögen sowie hohen Dotierungen zurückzuführen. Der leichte Anstieg des IAS-Rechnungszinses auf 1,9 Prozent erklärt zum Teil den Rückgang der Verpflichtungen. Damit stieg der spezifische Ausfinanzierungsgrad 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozentpunkte auf 68 Prozent, den höchsten Stand seit zehn Jahren. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie "DAX-Pensionswerke 2017" von Willis Towers Watson.

"Der leicht gestiegene Rechnungszins stellt eine Entlastung für Unternehmen dar, wenngleich auch auf niedrigem Niveau", sagt Thomas Jasper, Leiter Retirement Westeuropa bei Willis Towers Watson. Gleichzeitig gute Erträge des Planvermögens und weitere Dotierungen führen zum Rekordniveau bei der spezifischen Ausfinanzierung. "Seit knapp zwanzig Jahren hat es mit 71 Prozent nur 2007 einen höheren Stand gegeben. Das zeigt, dass die DAX-Unternehmen auch in einem volatilen Marktumfeld ihre bAV-Finanzierungsentscheidungen fundiert getroffen haben und konsequent fortführen", erklärt Jasper.

Finanzierungsstrategien langfristig konstant

Grundsätzlich sind Pensionsverpflichtungen ökonomisch mit einem Gesamtfinanzierungsgrad von 100 Prozent voll ausfinanziert, aber der Anteil der bilanziellen Finanzierung ihrer Pensionsverpflichtungen ist nun gesunken. Unternehmen nutzen den Gestaltungsspielraum, den ihnen das deutsche Betriebsrentenrecht bietet: Teilweise entscheiden sie sich für speziell reservierte, aus dem Unternehmensvermögen ausgegliederte Pensionsvermögen. Zum Teil setzen sie auch auf eine unternehmensinterne Finanzierung – das wirkt sich insgesamt positiv auf die bAV aus.

Dotierungen weiterhin auf hohem Niveau

Dass die bAV weiterhin einen sehr hohen Stellenwert bei Unternehmen hat, ist auch deutlich an den steigenden Dotierungen abzulesen: Insgesamt sind die Dotierungen der Pensionswerke von 10,6 Milliarden auf 13,1 Milliarden Euro gestiegen. "Die bAV entwickelt sich zu einem immer wichtigeren Instrument der Mitarbeitergewinnung und -bindung. Auch sind mehr und mehr Arbeitnehmer dazu bereit, einen Teil ihrer Vergütung in die bAV zu investieren", sagt Heinke Conrads, Leiterin Retirement Deutschland und Österreich bei Willis Towers Watson. "Auch deshalb setzen sich Unternehmen stark für die betriebliche Versorgung ein und bemühen sich um attraktive Modelle."

Steuerlicher Rechnungszins für Pensionsverpflichtungen konterkariert Ansätze des BRSG

Auch das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) setzt Impulse für die weitere Verbreitung und die Erhöhung der bAV. Beispielsweise fördert das Gesetz die Entgeltumwandlung, bietet einen bAV-Förderbetrag für Geringverdiener oder bietet im Tarifvertrag die sogenannten Opting-out-Modelle: Arbeitnehmer nehmen automatisch an einem Programm zur Entgeltumwandlung teil, wenn sie sich nicht explizit dagegen entscheiden. "Die Ansätze des BRSG sind begrüßenswert und zeigen grundsätzlich eine gute Tendenz. Leider wird das Engagement der Arbeitgeber, die ihre bAV im Rahmen einer Direktzusage durchführen, durch den mit 6 Prozent unverändert hohen steuerlichen Rechnungszins für Pensionsverpflichtungen konterkariert", sagt Conrads. Dieser hohe Satz im Kontext des Niedrigzinsumfelds führt dazu, dass Unternehmen Gewinne versteuern müssen, die sie handelsrechtlich nicht erzielt haben. Das entzieht den Unternehmen in erheblichem Umfang Liquidität und stellt ein Investitionshemmnis dar. "Hier wäre der Gesetzgeber am Zug, die Besteuerung anzupassen", meint Conrads.

Hintergrundinformationen zur Studie

Die Studie "DAX-Pensionswerke 2017" basiert auf den Geschäftsberichten der DAX-Unternehmen, einschließlich der Anhangsangaben zu den Pensionsverpflichtungen sowie weiterer öffentlich zugänglicher Daten. Per 20. März 2018 hatten 25 Indexmitglieder ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2017 vorgelegt. Bei BMW, Continental, der Commerzbank, HeidelbergCement und Fresenius Medical Care, deren aktuelle Daten noch nicht veröffentlicht sind, hat Willis Towers Watson die Vorjahreswerte berücksichtigt und damit Hochrechnungen durchgeführt. Die der Auswertung zugrunde liegende Willis-Towers-Watson-Datenbank ermöglicht Vergleiche bis ins Jahr 1999.

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