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Digitalisierung, Bitcoins und Regulierung

Digitale Trends verschlafen

Redaktion RiskNET28.12.2017, 19:04

Der neue starke Mann des Bankenverbandes, Andreas Krautscheid, hat vor Nachteile für die Branche in Deutschland gewarnt, wenn die hiesigen Institute nicht schnell auf neue digitale Trends reagieren. In einem Interview mit Dow Jones Newswires warnte Krautscheid auch vor einem leichtfertigen Umgang mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin und beklagte einen nach wie vor fehlenden einheitlichen Finanzbinnenmarkt in der Europäischen Union mit Nachteilen für deutsche Banken gegenüber Wettbewerbern in den USA.

"Der Finanzsektor ist in einer Umbruchsituation", konstatierte der neue Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken. "Dieser Umbruch findet unter schwierigen Rahmenbedingungen statt." So bedeute die Digitalisierung nicht nur hohe Kosten, sondern auch veränderte Geschäftsmodelle. "Wer spielt im Bankenbereich welche Rolle in den nächsten Jahren - da werden die Rollen neu verteilt." Abzusehen sei, "dass der Druck zunimmt".

Krautscheid, der mit dem Jahreswechsel gemeinsam mit Christian Ossig den Verband führt, sah vor allem multinationale Technologieunternehmen wie Apple oder Amazon in den Startlöchern, um den traditionellen Banken ihr Geschäft streitig zu machen. "Der Wettbewerb um Teile der Wertschöpfungskette wird härter, und es werden andere Player mitwirken", erwartete er.

Zwar werde es in zehn Jahren "mindestens so wie heute Bedarf an Dienstleistungen geben, die heute noch fast ausschließlich von Banken erbracht werden". Die entscheidende Frage sei jedoch, wer dann welchen Bedarf abdecke, denn keine Bank werde künftig jeden Teil der Wertschöpfungskette alleine machen. "Die Bank muss für sich klären, welchen Teil sie in den nächsten Jahren selbst kontrollieren will - sonst werden es andere für die Bank tun."

Nur noch wenige Jahre Zeit

Der neue Banken-Chef warnte die Branche davor, zu spät auf digitale Trends zu reagieren. "Es kommt darauf an, wie gut die hiesigen Banken in den modernen, sich fast jeden Monat weiter entwickelnden Anwendungen sind", sagte er mit Blick auf Entwicklungen wie kontaktloses Bezahlen oder Sofortüberweisungen. Die Möglichkeiten für die Geldhäuser reichten von Kooperationen mit anderen Banken über solche mit neuen Finanztechnologieunternehmen bis hin zur Inanspruchnahme oder dem eigenen Angebot entsprechender Plattformen.

"Noch sind wir in einer Phase, in der die Bank selbst darüber entscheiden kann", betonte Krautscheid. Aber nur noch "die nächsten vier, fünf Jahre" könnten sich die Institute entsprechend aufstellen. "Entscheidend wird sein, dass wir gut in diesen Dingen sind", mahnte er. "Umso besser können wir uns gegenüber den neuen Wettbewerbern positionieren." Die "Facebooks, Googles und Amazons dieser Welt" lebten davon, Daten gewinnbringend zu nutzen. Für die Banken sei dies aber "ein schmaler Grat", wollten sie das Vertrauen ihrer Kunden nicht aufs Spiel setzen.

Vor einem leichtfertigen Umgang mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin warnte der Chef des Bankenverbandes aber. Um den Bitcoin sah er "im Moment einen Riesenhype", vor dem es aber zu warnen gelte. "Wir sagen: Vorsicht, Leute, das ist weder Geld noch eine Währung, sondern es ist eine reine Spekulationsgeschichte." Kämen solche Angebote "verbrauchernah" auf den normalen Retailkunden zu, müsse die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht eingreifen.

Auch die Finanztechnologieunternehmen, die seit kurzem Mitglied in dem Bankenverband sind, seien sehr daran interessiert, wie man die neuen digitalen Währungen regulatorisch behandle. Für diese "Fintechs" selber müsse gelten: "Same business, same risk, same rules - wer Bankgeschäfte anbietet, egal wie er heißt, muss genauso reguliert werden wie eine Bank." Es komme aber darauf an, welches Geschäft die neuen Unternehmen genau betrieben.

Erleichterungen für Banken in den USA

Kritisch äußerte sich der neue Hauptgeschäftsführer des BdB zu den Rahmenbedingungen in Europa. "Wir haben nach wie vor in Europa keinen einheitlichen Finanzbinnenmarkt, während die Banken in Amerika einen einheitlichen Markt mit über 300 Millionen Kunden haben." Nicht zuletzt deshalb verdienten Banken in den USA derzeit deutlich mehr Geld als in Europa - "auch als in Deutschland".

Krautscheid beklagte, dass unter der Trump-Regierung im Moment beträchtliche Erleichterungen für amerikanische Banken geplant seien. Diese würden den Finanzplatz USA genau wie die US-Steuerreform für Investoren deutlich interessanter machen.

Zufrieden zeigte er sich hingegen mit den in der EU als "Small Banking Box" geplanten Aufsichtserleichterungen für kleinere Banken. "Das ist auf einem guten Weg in Brüssel und kann im Laufe des Frühjahrs etwas werden." Krautscheid unterstrich, dies sei beileibe "kein reines Sparkassenthema" - auch der Bankenverband unterstütze es. "Denn wir haben gut 200 Banken im Verband - davon sind lediglich vier Großbanken." Bei Eigenkapital, Liquidität oder Wertpapiergeschäften dürfe es keine Abstriche geben - wohl aber bei Melde-, Veröffentlichungs- und Dokumentationspflichten.

Krautscheid mahnte zudem auch eine Vereinfachung für die Banken bei Datenabfragen an, die die verschiedenen europäischen Aufsichtsbehörden derzeit völlig unkoordiniert starteten. "Es ist für die Bank ein enormer Aufwand, wenn alle paar Wochen ein ähnlicher Sachverhalt auf einem ganz anderen Template abgefragt wird", beklagte er. Die Behörden könnten sich deshalb auf bestimmte Fragestellungen einigen, die dann nur einmal abgefragt würden. Derartige Überlegungen seien "aber noch in einem frühen Stadium", sagte Krautscheid.

 

[ Bildquelle: © peshkova - Fotolia.com ]


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