Studie

Cybercrime: Globale Kosten betragen 445 Milliarden US-Dollar

Deutschland verliert 1,6 Prozent des BIP durch Cyberkriminalität

Redaktion RiskNET11.06.2014, 08:56

Die globalen jährlichen Kosten durch Cyberkriminalität werden – basierend auf einer aktuellen Studie – auf über 400 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Studie  "Net Losses – Estimating the Global Cost of Cybercrime" des Center for Strategic and International Studies (CSIS) wurde von McAfee, einem US-amerikanischen Hersteller von Antivirus- und Computersicherheitssoftware,  in Auftrag gegeben.

Eine Konsequenz aus den finanziellen Schäden: in der Europäischen Union könnten 150.000, in den USA sogar 200.000 Arbeitsplätze mehr existieren. Die G20-Länder erleiden die größten Verluste: die vier stärksten Marktwirtschaften – USA, China, Japan und Deutschland – verzeichnen alleine Schäden im Wert von 200 Milliarden USD. Deutschland verliert laut Report 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Cyberkriminalität wirkt sich negativ auf Unternehmen und generell auf den Handel, auf Innovation, Wettbewerb und Wachstum in Volkswirtschaften aus. Die globale Internetwirtschaft zum Beispiel generiert geschätzt Umsätze zwischen zwei und drei Billionen US-Dollar. Diese wachsende Wirtschaftssparte ist besonders betroffen: Laut CSIS werden 15 bis 20 Prozent der Wertschöpfung im Netz durch Cyberkriminalität vernichtet. Ein weiteres zentrales Thema des Reports ist der Diebstahl von geistigem Eigentum, der besonders in führenden Industrienationen ein Problem darstellt. Dementsprechend attraktiver sind diese Länder auch für Kriminelle: Hochlohnländer verlieren im Durchschnitt etwa 0,9 Prozent mehr vom BIP als Niedriglohnländer.

Cyberkriminalität wirkt wie eine Abgabe auf Innovation, bremst Innovatoren und Investoren durch Umsatzverluste aus, so die Studienautoren.

Wirtschaftliche Schäden für Unternehmen und die Gesellschaft

In der Studie werden vielfältige Schadensarten in die Berechnung der finanziellen Auswirkungen von Cybercrime einbezogen: Von Wirtschaftsspionage, Finanzstraftaten und Marktmanipulation über die Opportunitäts- und "Aufräumkosten" für Unternehmen bis hin zu den vielfältigen Vorfällen in Bezug auf persönliche Nutzerdaten. Die Aufräumkosten – im Report "Recovery Costs", also Kosten, um die digitale Infrastruktur nach einem Angriff zu säubern und beispielsweise Image-Schäden einzudämmen – machen oft ein Vielfaches dessen aus, was Hacker eigentlich an Profit aus ihren Aktivitäten ziehen. In Italien beispielsweise schätzt der Report die Schäden durch Hacker auf 875 Millionen USD, die Recovery Costs aber auf 8,5 Milliarden US-Dollar.

Mit Schäden in Höhe von etwa 1,6 Prozent des BIP trägt Deutschland im internationalen Vergleich anteilig die höchsten Kosten. Die Niederlande folgen hier mit 1,5 Prozent, gefolgt von den USA und Norwegen mit je 0,64 Prozent und China mit 0,63 Prozent. Je besser die jeweiligen Länder Daten erfassen, desto selbstbewusster sind die Länder auch, was die gemeldete Schadenshöhe betrifft. In Deutschland wird beispielsweise im Vergleich viel erfasst – in Großbritannien weniger. Auch daraus können sich Unterschiede bei den BIP-Anteilen ergeben.

Von Verlusten zu wirtschaftlichen Gewinnen

Regierungen unternehmen inzwischen beträchtliche Anstrengungen, um Daten über Cyberkriminalität systematisch zu sammeln und zu veröffentlichen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beispielsweise arbeitet an Lageberichten. Mehr Transparenz soll Unternehmen und Organisationen dabei helfen, bessere Entscheidungen in Bezug auf den Umgang mit Risiken und ihre Policies treffen zu können. Eine bessere internationale Zusammenarbeit sowie Public-Private-Partnerships verbessern die Informationslage ebenfalls. Erst vergangene Woche gaben elf Staaten in Kooperation die Aushebung eines Rings von Kriminellen bekannt, die hinter dem GameOver Zeus-Botnet standen.

Aus dem Bericht geht besonders deutlich hervor, welche wirtschaftlichen Vorteile ein erfolgreicher Kampf gegen Cyberkriminalität mit sich bringt, so die Studienautoren. Über die Jahre hat sich Cyberkriminalität zu einer professionellen Wachstumsindustrie entwickelt. Die Cybercrime-Experten sind sich einig: Diese Entwicklung lässt sich umkehren, durch eine noch bessere Zusammenarbeit zwischen Staaten und intensivere Public-Private-Partnerships.

 

[Bildquelle: © weerapat1003 - Fotolia.com]



Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Ein fiktiver Dialog

Wie wäre es, wenn ein Ingenieur arbeiten würde wie (viele) Risikomanager?

Werner Gleißner [Redaktion RiskNET]22.01.2019, 08:57

Der ökonomische Mehrwert des Risikomanagements ergibt sich insbesondere, wenn das (aggregierte) Risiko bei der Vorbereitung wesentlicher unternehmerischer Entscheidungen einfließt, das heißt wenn...

News

Zukunftsorientierte Steuerung

Resiliente Unternehmen dank eines strategischen Chancen- und Risikomanagements

Jan Spitzner22.01.2019, 07:59

Der Begriff "Resilienz" taucht heute immer wieder auf. Das Wort stammt vom lateinischen resilire ab, was mit zurückspringen oder abprallen ins Deutsche übersetzt wird. Als Bedeutung findet...

Kolumne

Artificial Intelligence

Vom Traum zur Realität

Andreas Eicher | Frank Romeike [Redaktion RiskNET]09.01.2019, 14:45

"Künstliche Intelligenz oder Künstliche Dummheit?" fragte Anfang des Monats Deutschlandfunk in einem Beitrag. Und damit wären wir mittendrin in der Diskussion um das Für und Wider der...

Interview

Corporate-Governance

Aufsichtsrat: Höllenjob oder Sonnengott?

Redaktion RiskNET27.12.2018, 08:00

Neben dem rechtlichen Rahmen mit all ihren Gesetzen, Normen und Standards steht bei Corporate Governance das Ziel einer guten, verantwortungsbewussten und auf langfristige Wertschöpfung basierende...

Interview

Smarte Maschinen: Diener oder Dämonen?

Wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändert ...

Redaktion RiskNET10.12.2018, 20:23

Ulrich Eberl, Zukunftsforscher und Buchautor, reiste in seiner Keynote "Smarte Maschinen – neue Sicherheitsanforderungen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz" auf dem RiskNET Summit...