News

Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte

Das steigende Risiko eines Handelskriegs

Redaktion RiskNET02.03.2018, 07:36

US-Präsident Donald Trump hat am 1. März 2018 die Einführung protektionistischer Maßnahmen gegen Stahlimporte angekündigt, unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit. Vorgesehen ist ein pauschaler Wertzoll in Höhe von 25 Prozent auf alle Stahlimporte.

"Die USA bauen eine Zollschranke auf, mit der sie sich gegen Stahlimporte aus aller Welt abschotten. Diese Maßnahme verstößt eindeutig gegen Regeln der Welthandelsorganisation WTO. Jetzt muss die EU konsequent mit den Instrumenten dagegen vorgehen, die die WTO hierfür bereitstellt", war de Antwort von Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

Das Hauptaugenmerk müsse dabei auf die Bekämpfung von Handelsumlenkungen gerichtet sein. Denn der gefährlichste Effekt der US-Maßnahmen sei eine erneute Eskalation der Importkrise in Europa. Angesichts der geplanten Zölle in den USA würden Exporteure ihre Augen auf den offenen EU-Markt richten, der durch keinerlei Importzölle oder andere Handelshemmnisse beschränkt sei. Die seitens der USA angestrebte Importreduzierung von 13 Millionen Tonnen droht zu einem erheblichen Teil in den EU-Markt zu fließen. "Wenn die EU nicht handelt, wird unsere Stahlindustrie die Rechnung für den Protektionismus in den USA bezahlen. Europa wird durch Handelsumlenkungen von einer neuen Stahlschwemme bedroht, in einer Situation, in der die Importkrise auf dem EU-Markt bei weitem noch nicht überwunden ist", macht Kerkhoff klar. Im vergangenen Jahr sind die Walzstahlimporte in die EU um 1 Prozent auf einen neuen Höchststand von 32 Millionen Tonnen gestiegen.

Hinzu komme eine direkte Belastung der deutschen Stahlexporte in Richtung USA. Die Vereinigten Staaten nahmen 2017 knapp 1 Million Tonnen Walzstahl ab und sind für die Stahlindustrie in Deutschland damit der wichtigste Drittlandmarkt außerhalb der EU. Darüber hinaus wären auch die deutschen Lieferungen in andere Länder betroffen, da die US-Maßnahmen Nachahmungseffekte und damit einem Anstieg des weltweiten Protektionismus nach sich ziehen würden.

Der US-Präsident folgt mit den angekündigten Maßnahmen einem Vorschlag seines Handelsministers Wilbur Ross, der in einem Bericht drei verschiedene Optionen zur Auswahl gestellt hatte. Von der Möglichkeit, befreundete Staaten auszuschließen, hat der amerikanische Präsident keinen Gebrauch gemacht. Grundlage für die Maßnahmen ist die US-Section 232, die dem Präsidenten dazu ermächtigt, Maßnahmen zum Schutz der "nationalen Sicherheit" zu beschließen.

[ Bildquelle: Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Risikoanalyse

Italiens Banken und Target-2

Markus Krall [goetzpartners]15.02.2019, 17:40

Das systemische Risiko heißt so, weil seine Auswirkungen die Stabilität des gesamten Finanz- und Wirtschaftssystems betreffen können. In der Vergangenheit war es in aller Regel so, dass systemische...

Kolumne

Chancen & Risiken

Gold und Populismus

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.13.02.2019, 13:20

Der Populismus greift immer mehr um sich. Rechts- und linkslastige Parteien und Strömungen werden stärker. Es gibt immer mehr Länder mit populistischen Regierungen.

Da müsste es doch mit dem Teufel...

Kolumne

Staatsschulden

Verlieren die USA ihr "Triple A"?

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.06.02.2019, 15:08

Es gibt viel Ärger und Irrationalitäten in der Finanzpolitik der USA unter Präsident Trump. Manches ist nicht schön und schwer verständlich. Andererseits wurde, wenn ich es recht sehe, auf diesem...

Kolumne

Methoden zur Simulation von Komplexität

Neugier und das Denken in Szenarien

Andreas Fornefett [EPOTECH AG]05.02.2019, 08:34

Seit der Veröffentlichung einer Studie der Technischen Universität Hamburg in Kooperation mit dem Kompetenzportal RiskNET [vgl. Meyer/Romeike/Spitzner 2012] im Jahr 2012 hat sich nicht allzu viel...

Interview

Artifizielle Intelligenz

Das größte Risiko ist die Reduzierung des Menschen auf Zahlen

Redaktion RiskNET29.01.2019, 10:40

Künstliche Intelligenz, kurz KI, ist ein Dauerthema in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Letztere beschäftigt sich in unterschiedlichen Disziplinen mit KI, dem zukünftigen Leben von Menschen im...