News

Governance

"Blinder Fleck" im Kampf gegen Terrorismus?

Redaktion RiskNET12.03.2018, 18:18

Die Antikorruptionsorganisation Transparency Deutschland fordert Antikorruptionsmaßnahmen als Grundlage zur Bekämpfung von Terrorismus und Organisierter Kriminalität. Politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger müssen Korruption als wesentlichen unterstützenden Faktor für Terrorismus und Organisierte Kriminalität begreifen.

Dazu Peter Conze, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland: "Korruptionsbekämpfung ist eine Querschnittsaufgabe. Die deutsche Außen-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik muss Korruption als Kerndes Problems und nicht als Randerscheinung von Terrorismus und Organisierter Kriminalität behandeln."

Bei der Beschaffung von illegalen Pässen, Flugtickets oder der Schmuggel von Waren: Solche Aktivitäten zur Unterstützung terroristischer und krimineller Aktivitäten wären ohne Korruption unmöglich. Um dies zu unterbinden, müssen Grenz- und Zollbehörden gestärkt und die internationale polizeiliche Zusammenarbeit verbessert werden. Um die Finanzierungsquellen offenzulegen, bedarf es mehr Transparenz der weltweiten Finanzströme.

Der gegenwärtige Koalitionsvertrag betont zwar die Bedeutung des Kampfes gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Die Maßnahmen müssen allerdings über eine Stärkung des Zolls hinausgehen. Um den Aktivitäten von Kriminellen und Terroristen einen Riegel vorzuschieben, muss das Aufspüren von Geldern aus illegalen Geschäften erleichtert werden. Noch immer ist es zu leicht, die wirtschaftlich Berechtigten von Bankkonten und Unternehmen zu verschleiern.

Korruption schwächt die staatliche Handlungsfähigkeit und untergräbt die Legitimation der staatlichen Organe. Die Folge sind geschwächte Sicherheitsbehörden und eine Bevölkerung, die das Vertrauen in den Staat verloren hat – ein Nährboden für Terrororganisationen und kriminelle Gruppen. Die deutsche Außen- Entwicklungs- und Sicherheitspolitik muss hier ihrer Verantwortung gerecht werden.

Im Vorfeld der Münchener Sicherheitskonferenz hat Transparency Deutschland mit Louise Shelley, Leiterin des Terrorism, Transnational Crime and Corruption Center (TraCCC) der George Mason University in Washington ein Diskussionspapier erarbeitet.

Download Positionspapier

[ Bildquelle: Adobe Stock ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Wechselkursrisiko

"Friedhofsruhe" an den Devisenmärkten?

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.10.04.2019, 12:11

In letzter Zeit habe ich mich häufiger gefragt, ob der Devisenmarkt noch richtig tickt. In der Vergangenheit waren die Wechselkurse stets eine Art Seismograf für die Stimmung und die Erwartungen der...

News

Ausstellung über Emil J. Gumbel

Statistiker der Extreme

Redaktion RiskNET02.04.2019, 07:54

Geboren in München 1891 in ein wohlhabendes liberal-jüdisches Elternhaus, verlebte Gumbel eine für das aufgeschlossene Münchner Lehel typische Kindheit. Nach seiner Schulzeit in St. Anna und am...

Interview

Kybernetik des Menschen lesen

Profiling und die sichtbaren Verhaltensweisen

Redaktion RiskNET27.03.2019, 11:22

Sabrina Rizzo ist ausgewiesene Expertin für "Business und Private Profiling". Das heißt, sie kann Menschen lesen. Eine verkrampfte Hand, ein kleines Zucken im Gesicht oder das Hochziehen...

Interview

Interview Munich Re

Cybercrime, Cyberwar bis Cyber-Terrorismus

Redaktion RiskNET25.02.2019, 13:11

Cyber-Attacken nehmen zu, werden raffinierter und kosten Unternehmen inzwischen Milliarden. Die Bandbreite an Risiken ist groß und erstreckt sich von Cybercrime über Cyberwar bis zum...

Kolumne

Risikoanalyse

Italiens Banken und Target-2

Markus Krall [goetzpartners]15.02.2019, 17:40

Das systemische Risiko heißt so, weil seine Auswirkungen die Stabilität des gesamten Finanz- und Wirtschaftssystems betreffen können. In der Vergangenheit war es in aller Regel so, dass systemische...