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FM Global Resilience Index 2018

Bewertung der Widerstandsfähigkeit von Unternehmen

Redaktion RiskNET16.05.2018, 10:24

Aufgrund ihrer Marktgröße und steigenden Kaufkraft bleiben die BRIC-Staaten auch weiterhin für deutsche Unternehmen interessant. Doch neben den Chancen bieten die vier Länder gerade in Bezug auf Unternehmensresilienz auch Herausforderungen. Nach dem kürzlich veröffentlichten FM Global Resilience Index 2018, der 130 Länder und Territorien nach der Resilienz ihres wirtschaftlichen Umfelds auflistet, schneidet Russland im Gesamtranking unter den BRIC-Staaten mit Platz 54 in puncto Resilienz am besten ab – gefolgt von Indien (Platz 60), Brasilien (Platz 64) und China (Region III: Platz 65 / Region I: Platz 69 / Region II: Platz 71. Um der Größe des Landes und den spezifischen Risiken wie Naturkatastrophen gerecht zu werden, wurde China in drei Regionen aufgeteilt). Im Vergleich: Deutschland belegt im Gesamtranking 2018 den 5. Platz.

Der Resilience Index ist eine erste Orientierungshilfe für Unternehmen, die in andere Märkte investieren oder dort anderweitig tätig werden wollen. Dieses Ranking ist das erste datenbasierte und interaktive Tool, das insgesamt 130 Länder und Territorien nach der Resilienz ihres wirtschaftlichen Umfelds auflistet. Mit dem Resilience Index bietet der Versicherer ein regelmäßig aktualisiertes Tool, mit dem Kunden ihr Risiko und das ihrer Geschäftspartner einschätzen können. Das trägt maßgeblich dazu bei, dass sie ihr eigenes Risikomanagement verbessern.

12 Treiber beeinflussen den Resilienz-Index

Die Gesamtplatzierung eines jeden Landes basiert auf insgesamt zwölf Treibern, die sich auf die Widerstandsfähigkeit des Landes – die Resilienz – gegenüber betriebsunterbrechenden Vorfällen auswirken. Diese zwölf Treiber berücksichtigen Aspekte aus den Bereichen Wirtschaft, Naturkatastrophen und der Lieferkette wie beispielsweise Cyberrisiken, politische Risiken und die Gefährdung durch Umweltrisiken. Resilienz bedeutet in diesem Zusammenhang, wie gut sich ein Land oder ein Territorium gegen Ereignisse schützen kann und im Schadensfall wieder zurück zur Normalität findet. Entscheidern bietet der Resilience Index so eine erste Orientierung in Bezug auf Geschäftsrisiken in den untersuchten Ländern und Regionen.

Wie steht es nun um die Resilienz in den BRIC-Staaten? Beim Treiber der wahrgenommenen "Qualität der Infrastruktur" belegt Brasilien einen der hinteren Plätze (Platz 107). Um die Situation zu verbessern, beteiligt die brasilianische Regierung private Investoren stärker am Ausbau der Infrastruktur. Bei den beiden bevölkerungsreichsten Staaten innerhalb der BRIC-Gruppe, Indien und China, sticht der Treiber "Veränderungsrate der Urbanisierung" heraus. Hier erhält Indien Platz 106, China sogar nur Platz 118 von 130. Im Vergleich dazu schneiden beide Staaten besser bei den Treibern "Qualität des Risikomanagements bei Elementarrisiken" (Indien: Platz 91 / China Region I – III: Platz 67) und bei der "Qualität des Risikomanagements bei Feuerrisiken" (Indien: Platz 65 / China Region I-III: Platz 44) ab. Jedoch zeigen auch diese Platzierungen, dass noch ein Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Auffällig bezüglich Russland ist weiterhin der Treiber der wahrgenommenen "Korruptionskontrolle", bei dem das Land aktuell nur auf Platz 112 ist. Obwohl die russische Regierung jedes Jahr erneut die Korruption im eigenen Land anprangert, hat sich laut Resilience Index hier im vergangenen Jahr wenig verändert. 

Hohes inhärentes Cyberrisiko für Unternehmen in Deutschland

Aufgrund sehr guter Bewertungen für die Wahrnehmung der "Qualität der Infrastruktur" sowie der "Qualität der lokalen Zulieferer" und der politischen Stabilität erhält die Schweiz wie im Vorjahr den ersten Platz.

Deutschland landet erneut auf Platz 5. Dies liegt unter anderem daran, wie die "Transparenz der Lieferkette" (Platz 3) und die "Qualität der lokalen Zulieferer" (Platz 5) wahrgenommen werden. Bei der "Qualität des Risikomanagements bei Feuerrisiken" kann Deutschland von den USA lernen. Denn während die USA bei diesem Treiber den ersten Platz belegen, liegt Deutschland auf Platz 14. Weitaus schlechter schneidet Deutschland 2018 beim Treiber "inhärentes Cyberrisiko" mit Platz 80 ab. Haiti belegt von allen 130 Ländern und Territorien erneut den letzten Platz. Die Bedrohung durch Naturkatastrophen, die wahrgenommene Korruption und das "politische Risiko" gehören zu den wichtigsten Auslösern für diese Platzierung.

Was ist der Resilience Index?

Der FM Global Resilience Index listet 130 Länder und Territorien datenbasiert nach der Resilienz ihres wirtschaftlichen Umfelds auf. Dazu werden zwölf Treiber, die sich auf die Widerstandsfähigkeit auswirken, zu drei Faktoren zusammengefasst: Wirtschaft, Risikoqualität und die Lieferkette. Die vier Treiber zur Bewertung des Wirtschaftsfaktors umfassen das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, das politische Risiko, die Veränderungsrate der Urbanisierungsowie die Ölintensität, die die Anfälligkeit eines Landes bei Veränderungen des Ölpreises und der Ölversorgung beschreibt. Der Faktor Risikoqualität setzt sich zusammen aus den vorherrschenden Elementarrisiken, der Qualität des Risikomanagements bei Elementar- und Brandrisiken in den einzelnen Ländern sowie dem inhärenten Cyberrisiko. Der Faktor Lieferkette bestimmt sich durch den Umfang der Korruptionskontrolle in einem Land, die Transparenz der Lieferkette und die Qualität der Infrastruktur sowie der lokalen Zulieferer.

Abb: Treiber des FM Global Resilience Index [Quelle: FM Global]

Benutzer können Platzierungen und Bewertungen von Ländern nach Jahren oder anhand beliebiger Treiber der Resilienz online gegenüberstellen. Der Index beruht auf geprüften Daten von Quellen wie dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank, dem Weltwirtschaftsforum, der U.S. Energy Information Administration (EIA), den United Nations, dem Freedom House und der FM Global-Datenbank RiskMark mit mehr als 100.000 versicherten Standorten.

Der Resilience Index fasst Daten von autorisierten Quellen in einem dynamischen Tool zusammen. Der Index liefert Erkenntnisse über Risiken und Verbesserungsmöglichkeiten des Risikomanagements von Unternehmen in 130 Ländern und Territorien. Damit unterstützt das Tool Unternehmen bei Fragen und Entscheidungen rund um die Beurteilung der Resilienz von Standorten gegenüber unvorhersehbaren Ereignissen, die Auswahl von Standorten und Zulieferern und die Evaluierung der bestehenden globalen Lieferketten.

[ Bildquelle: Adobe Stock ]


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