News

Global Association of Risk Professionals

Andrew Lo ist Risikomanager des Jahres

Redaktion RiskNET23.02.2018, 18:49

Die Global Association of Risk Professionals (GARP), ein weltweiter Verband der Risikomanager, hat Andrew Lo vom Massachusetts Institute of Technology als Risikomanager des Jahres 2017 benannt.

Die Auszeichnung, die vom Board of Trustees der GARP vergeben wird, ist eine Anerkennung herausragender Errungenschaften und Beiträge zum Berufsstand des Risikomanagements. Dr. Lo wird die Auszeichnung auf der 19. Risikotagung der GARP entgegennehmen, die am 6. und 7. März 2018 in New York stattfindet.

Dr. Lo ist Charles E. and Susan T. Harris Professor, Professor für Finanzen und Direktor des Laboratory for Financial Engineering an der Sloan School of Management des MIT. Er genießt Anerkennung für seine Beiträge zur akademischen Literatur und seine engagierten, anregenden Beiträge zu Themen wie Finanzmärkte, Verhaltensfinanz, Regulierung, Liquidität und systematische Risiken sowie biomedizinische Innovation. In seinem Buch Adaptive Markets: Evolution at the Speed of Thought, das sich an ein großes Publikum richtet und 2017 im Verlag Princeton University Press erschien, widmet er sich den Höhepunkten seiner Laufbahn und seinen Beiträgen zu Richtlinien.

"Wir gratulieren Professor Andrew Lo, der mit dieser neuesten Auszeichnung Mitglied einer langen Reihe herausragender Risikopraktiker, Akademiker und Behördenvertreter wird, welche in beispielhafter Weise zum Risikomanagement und dem Berufsstand des Risikomanagements beigetragen haben", sagte Richard Apostolik, Präsident und CEO von GARP. "Andrew Lo ist für alle eine Inspiration, die der Überzeugung sind, dass das Risikomanagement in der Verantwortung von jedermann liegt und in Kultur und Entscheidungsverfahren von Organisationen fest verankert sein sollte."

"Es ist eine große Ehre, von der GARP zum Risikomanager des Jahres ernannt zu werden. Ich habe seit langem große Hochachtung für diese Organisation, die den alleinigen Schwerpunkt auf Theorie und Praxis des Risikomanagements richtet", sagte Andrew Lo. "Speziell angesichts der Personen, die Mitglied des Board of Trustees der GARP sind, und der herausragenden Gruppe von Praktikern und Akademikern, welche diese Auszeichnung in der Vergangenheit erhielten, fühle ich große Demut."

Wie stark beeinflussen Kursausschläge das Nervensystem von Tradern?

Gemeinsam mit dem Neurologen Dmitry Repin analysierte Andrew W. Lo, wie stark Kursausschläge das Nervensystem von Händlern im täglichen Börsengeschäft beeinflussen. Muskelspannungen, Puls, Körpertemperatur oder Atmung und weitere physiologische Reaktionen, die vor allem vom Unterbewusstsein gesteuert werden, wurden von den Wissenschaftlern in ihren Testreihen erfasst. Das Ergebnis war eindeutig: Selbst bei den professionellsten Händlern ergab sich eine hohe Korrelation zwischen außergewöhnlichen Marktbewegungen und erhöhter Pulsfrequenz oder Körpertemperatur.

In weiteren Versuchen wurden Daytrader in einen Kernspintomografen gelegt, von dem aus sie eine Handelssoftware bedienen konnten. Über die Analyse der Aktivitäten der unterschiedlichen Gehirnregionen erhalten die Forscher ein besseres Verständnis darüber, wie finanzielle Entscheidungen getroffen werden. Lo und sein Team kamen zu dem Ergebnis, dass es wohl keinen Gehirnbereich gibt, der nur für komplexe Finanzthemen und -entscheidungen reserviert ist. Daraus schließen die Forscher, dass die Menschen für wirtschaftliche Entscheidungen nicht ideal ausgestattet sind. "Unsere Denkroutinen sind für die physische Welt gedacht. Dementsprechend sollte man bei finanziellen Entscheidungen auch lieber langsamer vorgehen", so Lo.

Kein Widerspruch zwischen Emotion und Rationalität

Lo ist davon überzeugt, dass Emotion und Rationalität sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern sich vielmehr beide ergänzen können. Gefühle ließen sich durch Training positiv nutzen, "wie etwa bei erfolgreichen Sportlern, die fähig sind, Stress zum eigenen Ansporn zu nutzen, statt sich dadurch hemmen zu lassen." So kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass bestimmte Emotionen bei weniger erfahrenen Händlern deutlich stärker ausfallen als bei den Profis, die offenbar ihre Gefühle besser steuern können. Kurzum: Es kommt nicht darauf an, dass Emotionen per se zu Gunsten größter Rationalität unterdrückt werden. "Am besten wäre es natürlich, wenn wir schon unsere Kinder in Wahrscheinlichkeitstheorie und Risikomanagement unterrichten würden", ergänzt Lo.

Psychohistory

Während seines Studiums an der Bronx School of Science ("the single most important educational experience of my life") las Andrew W. Lo das Buch "Psychohistory" des wohl bekanntesten Science-Fiction-Schriftstellers und Biochemikers Isaac Asimov. "Psychohistory" basiert auf dem Gedanken, dass man zwar nicht vorhersagen könne, was ein einzelner Mensch tue. Je größer allerdings die Bevölkerung sei, desto eher sei eine Vorhersage möglich, da nun die Vorhersagen auf statistischen Methoden basierten ("Gesetz der großen Zahlen").

Lo war von Asimovs Ausführungen so fasziniert, dass er nachweisen wollte, dass sie auch in der realen (Finanz-)welt Gültigkeit besitzen. Während seiner Zeit in Harvard traf er eine Ex-Kommilitonin der Bronx School of Science, die ihn motivierte eine Vorlesung von Robert C. Merton am MIT zu besuchen. "This single course changed my life. I found that more of my intellectual thirst was slaked by Merton’s lectures. This was finally what I had been searching for. Exactly 25 years later, I can still tell you exactly which lecture contained the notion of arbitrage, the idea of replicating options by dynamic trading, and the formula for Markowitz’s concept of optimizing mean/variance portfolios." Lo war davon überzeugt, dass "Finance" der einzige Bereich der Ökonomie sei, der wirklich funktioniere.

Lo betrachtete den Finanzsektor durch einen Prisma, in dem die Finanztheorie nur eine Perspektive war. Die weiteren Perspektiven waren Mathematik, Physik, Geschichte, Biologie, Soziologie, Psychologie und Evolutionstheorie.

Adaptive Market Hypothesis

Eine der Kernfragen für Andrew W. Lo war die Suche nach den Treibern von Veränderung und Dynamik. Lo fand die Antwort in Darwins Evolutionstheorie. Der von Darwin skizzierte Evolutionsprozess folgt einer gewissen "Trial and Error"-Logik. Bei bestimmten Einheiten bilden sich im Laufe der Zeit – und klarer Zielrichtung insgesamt – komplexe Eigenschaften heraus, die ihre Reproduktion begünstigen, während in jeder Generation auch ein Teil verdrängt wird (d. h. ausstirbt). Teilweise können Eigenschaften auch an Komplexität verlieren, wenn der entsprechende Selektionsdruck nachlässt oder sich eine weniger komplexe Eigenschaft als vorteilhafter durchsetzt.

Einen parallelen Prozess von Evolution fand Lo auf den Kapitalmärkten und nannte seine Theorie "Adaptive Market Hypothesis". In diesem Kontext verglich er auch Hedge Funds mit den "Galapagos Islands of Finance", da dort ein hoher Grad an Innovation, Evolution, Wettbewerb, Anpassungen, Geburten und Todesfällen beobachtet werden könne.

[ Bildquelle: Adobe Stock ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

BCM Kompass 2018

Herausforderungen im Business Continuity Management

Christof Born | Marc Daferner06.09.2018, 14:03

Der BCM Kompass 2018 stieß auch mit seiner 9. Auflage auf gewohnt breites Interesse bei den BCM Verantwortlichen aus 29 teilnehmenden Instituten. Das Teilnehmerfeld umfasst unter anderem sechs der...

Kolumne

Chancen- und Risikoanalyse

Das "neue Deutschland"

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.06.09.2018, 13:14

Normalerweise schätze ich die britische Wochenzeitung "Economist" für ihre klaren Analysen und für ihr gutes Gespür für Trends in Wirtschaft und Gesellschaft. Aber selbst gute Journalisten...

Kolumne

Künstliche Intelligenz

Deep Learning in der Cashflow-Modellierung

Daniel Klinge | Lars Holzgraefe [Sopra Steria Consulting]14.08.2018, 07:19

Für die Bewertung optionaler Komponenten in der Cashflow-Modellierung von Kreditgeschäften greifen Banken in der Praxis in der Regel auf zwei Methoden zurück: Entweder baut ein Institut Zahlungen,...

Kolumne

Frühwarnsysteme

"Vorwarnungen" für die Früherkennung von Risikotrends

Robert Brunnhuber MSc02.08.2018, 09:00

Im modernen Risikomanagement begegnet man in der Praxis gerne dem Argument, wonach Krisen ohne Vorwarnungen auftreten würden. Dies ist definitorisch fragwürdig, da Krisen sowohl geeignete Bedingungen...

Kolumne

Kreditrisikomanagement, Digitalisierung und Kostentransforma...

Ein Weg aus der strategischen Nullzins-Falle?

Markus Krall31.07.2018, 10:00

Der Versuch der Europäischen Zentralbank mit allen verfügbaren geldpolitischen Mitteln eine Reflationierung zu erzwingen hat erhebliche Auswirkungen auf die Kreditwirtschaft. Die bei null verflachte...