Konjunkturell auf Autopilot

Konjunktur "zwischen Hoffen und Bangen"


Konjunkturell auf Autopilot: Konjunktur "zwischen Hoffen und Bangen" News

Die Chefvolkswirte der privaten deutschen Banken haben ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr heraufgesetzt, sehen die deutsche Konjunktur aber insgesamt derzeit "zwischen Hoffen und Bangen". In ihrer jüngsten Prognose sagen die Ökonomen einen Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,4 Prozent voraus, nach einer Prognose von 1,2 Prozent vor einem halben Jahr.

Kalenderbereinigt laute die Vorhersage auf 1,7 Prozent, teilte der Bundesverband deutscher Banken (BdB) mit. Im Herbst 2016 waren es 1,5 Prozent gewesen. Erstmals gaben die Bankökonomen mit 1,6 Prozent Wachstum eine Schätzung für 2018 ab.

"Von den Konjunkturindikatoren weltweit kommen derzeit positive Signale", sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. "Doch wir dürfen uns nichts vormachen: Die ohnehin schon hohen Risiken für die Weltwirtschaft sind in den letzten Monaten weiter gestiegen." Vor allem ein weltweit wachsender Nationalismus und zunehmende protektionistische Tendenzen könnten eskalieren und dann die Weltwirtschaft empfindlich beeinträchtigen, warnte er.

Für Deutschland prognostizierten die Chefvolkswirte der privaten Banken in diesem wie im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum, dessen jährliche Grunddynamik mit etwa 1,7 Prozent mehr oder weniger auf dem Niveau der vergangenen beiden Jahre liegen werde.

Konjunkturell auf Autopilot

"Deutschland bleibt damit konjunkturell auf Autopilot", meinte Kemmer. Der Bankenverband betonte, durch eine unterdurchschnittliche Zahl von Arbeitstagen falle die nicht kalenderbereinigte Wachstumsrate in diesem Jahr allerdings deutlich niedriger aus.

Für den deutschen Konsum sah der Bankenverband in diesem und im nächsten Jahr geringere Steigerungen als 2016. Dafür sollen die Ausrüstungsinvestitionen und die Exporte aber stärker zulegen. Die Volkswirte prognostizierten in beiden Jahren ein Plus der privaten Konsumausgaben von 1,5 Prozent.

Die Konsumausgaben des Staates sollen 2017 um 2,6 Prozent und 2018 um 1,6 Prozent steigen. Die Ausrüstungsinvestitionen legen demnach um 1,2 Prozent in diesem und 2,6 Prozent im nächsten Jahr zu, die Exporte um 3,1 bzw 3,7 Prozent.

Nachteile bei Protektionismus

Wirtschaftspolitisch sei es nun wichtig, entschieden auf die Nachteile einer protektionistischen Politik hinzuweisen. "Internationaler Handel ist kein Nullsummenspiel", hob Kemmer mit offenbarem Blick auf die US-Politik hervor. Wer glaube, mit politischem Druck Vorteile für das eigene Land auf Kosten der Handelspartner erzielen zu können, werde damit früher oder später scheitern. "Die aktuellen wirtschaftlichen Probleme lassen sich nicht rückwärtsgewandt lösen", warnte Kemmer.

Die privaten Banken zeigten sich zudem skeptisch zu Vorschlägen, die Reformen der Agenda 2010 zurückdrehen zu wollen, wie sie der designierte SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gemacht hat. So könne eine längere Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes die Debatte um vermeintliche Globalisierungsverlierer und unerwünschte Verteilungsergebnisse nicht entschärfen.

Den größten wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf in Deutschland sah Kemmer bei einer Stärkung der Investitionstätigkeit und der Behebung einer "Unwucht" bei der Chancengleichheit.

EZB soll Ausstiegsdebatte führen

Die Europäische Zentralbank (EZB) forderte der BdB-Hauptgeschäftsführer zu einer "gut vorbereiteten und überzeugenden Kommunikationsstrategie" auf, damit eine weniger expansive Geldpolitik zu keiner Überreaktion bei den Kapitalmarktzinsen führe.

Die außerordentlich starken geldpolitischen Impulse seien angesichts des Wirtschaftswachstums und der Preisperspektiven nicht mehr nötig, hob Kemmer hervor. Werde die Ausstiegsdebatte von der EZB aber "weiterhin zum Tabu erklärt, wächst das Risiko, dass die Kapitalmarktzinsen in einigen Monaten erst recht kräftig steigen".

[ Bildquelle Titelbild: © Thomas Reimer - Fotolia.com ]
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