Study

Welt steht 2018 vor kritischer Phase

Schneller Wandel verschärft Risiken

Redaktion RiskNET22.01.2018, 15:14

Im Jahr 2018 besteht Aussicht auf ein starkes Wirtschaftswachstum. Das bietet Staats- und Regierungschefs die Chance, gegen schwerwiegende Schwächen in vielen der komplexen Systeme, wie Gesellschaften, Volkswirtschaften, internationale Beziehungen und Umwelt, anzugehen. Das ist die Botschaft des jüngst veröffentlichten Global Risks Report 2018 des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Der Bericht, der jedes Jahr im Januar die Ansichten globaler Experten und Entscheidungsträger zu den bedeutendsten Risiken der Welt präsentiert, warnt, dass wir Schwierigkeiten haben werden, mit dem immer schnelleren Wandel Schritt zu halten. Er zeigt zahlreiche Bereiche auf, in denen wir die Grenzen der Belastbarkeit erreicht haben – von einem mit Massensterben vergleichbaren Verlust der biologischen Vielfalt bis zur wachsenden Besorgnis über den möglichen Ausbruch neuer Kriege.

Der jährliche "Global Risks Perception Survey" (GRPS) des Weltwirtschaftsforums lässt darauf schließen, dass sich Experten erneut auf ein Jahr mit erhöhtem Risiko vorbereiten. Die Basis bildet eine Befragung von fast 1.000 Personen nach ihrer Meinung zum Risikoverlauf im Jahr 2018: 59 Prozent ihrer Antworten deuteten auf eine Intensivierung der Risiken hin. Nur 7 Prozent der Antworten ließen auf abnehmende Risiken schließen.

Neue und alte geopolitische Risiken

Die geopolitische Landschaft verschlechtert sich – dieser Umstand ist mitverantwortlich für die pessimistischen Prognosen für das Jahr 2018. 93 Prozent der Experten gaben an, dass sich die politischen oder wirtschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen den Großmächten verschärfen werden und fast 80 Prozent erwarten eine Zunahme der Risiken, die mit einem Krieg unter Beteiligung von Großmächten verbunden sind.

Doch wie schon im Jahr 2017 gab die Umwelt den Experten bei Weitem am meisten Anlass zur Sorge. Von den 30 globalen Risiken, die die Experten in Bezug auf Wahrscheinlichkeit und Auswirkungen gewichten sollten, wurden alle fünf Umweltrisiken – extreme Wetterereignisse, Verlust der biologischen Vielfalt und Zusammenbruch des Ökosystems, große Naturkatastrophen, vom Menschen verursachte Umweltkatastrophen und das Scheitern von Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel – in beiden Bereichen hoch eingestuft. Extreme Wetterereignisse stellen laut Umfrage das größte Einzelrisiko dar.

"Die umfassende wirtschaftliche Erholung bietet uns eine Chance, die wir nicht vergeuden dürfen: Wir haben zugelassen, dass Brüche entstehen, die Institutionen, Gesellschaften und die Umwelt schwächen – diese Brüche gilt es jetzt zu heilen. Wir müssen das Risiko eines globalen Systemzusammenbruchs ernst nehmen. Gemeinsam verfügen wir über die Ressourcen und die neuen wissenschaftlichen und technologischen Erkenntnisse, um einen solchen Kollaps zu verhindern. Die Herausforderung besteht vor allem darin, zusammen den Willen und die Dynamik aufzubringen, uns für eine gemeinsame Zukunft stark zu machen", so Klaus Schwab, Gründer und Executive Chairman des Weltwirtschaftsforums.

Geopolitische Konflikte führen zu komplexeren und häufigeren Cyberrisiken

Laut "Global Risks Perception Survey" gewinnen außerdem Cyberrisiken stark an Bedeutung, wobei groß angelegte Cyberangriffe in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit jetzt an dritter Stelle stehen, während die zunehmende Cyberabhängigkeit als zweitwichtigster Faktor für die globale Risikolandschaft in den nächsten zehn Jahren gilt.

John Drzik, President of Global Risk and Digital bei Marsh, erklärt: "Geopolitische Reibungen tragen dazu bei, dass Cyberangriffe sowohl häufiger als auch komplexer werden. Gleichzeitig nimmt die sogenannte Cyber Exposure, also die digitale Angriffsfläche, zu, da Unternehmen immer stärker von Technologie abhängig sind. Zwar wird das Cyber-Risikomanagement immer besser, aber Unternehmen und Regierungen müssen noch wesentlich mehr in Widerstandsfähigkeit investieren, wenn wir verhindern wollen, dass die 'Schutz'-Lücke zwischen wirtschaftlichen und versicherten Schäden genauso groß wird wie bei Naturkatastrophen."

Die wirtschaftlichen Risiken hingegen sind in diesem Jahr weniger stark ausgeprägt und einige Experten befürchten, dass die Verbesserung der globalen BIP-Wachstumsraten zu Selbstzufriedenheit und Gleichgültigkeit hinsichtlich anhaltender struktureller Risiken in den globalen Wirtschafts- und Finanzsystemen führen könnte. Gleichwohl rangiert die wirtschaftliche Ungleichheit an dritter Stelle der zugrunde liegenden Risikofaktoren und die am häufigsten zitierte Risikoverbindung ist die zwischen den negativen Folgen des technologischen Fortschritts und der hohen strukturellen Arbeitslosigkeit oder Unterbeschäftigung.

Rückkopplungsschleifen und Schwelleneffekte

Unsere globalen Systeme werden immer komplexer und sind immer stärker miteinander vernetzt, was zu Rückkopplungsschleifen, Schwelleneffekten und sich ausbreitenden Störungen führen kann. Plötzliche und dramatische Zusammenbrüche (zukünftige Erschütterungen) werden wahrscheinlicher. Im diesjährigen Global Risks Report werden zehn kurze "Was wäre, wenn"-Szenarien vorgestellt – nicht als Vorhersagen, sondern als Denkanstoß für Staats- und Regierungschefs, die möglichen zukünftigen Erschütterungen einzuschätzen, die zu rasanten und erheblichen Störungen ihrer jeweiligen Welt führen könnten:

  • Düstere Ernte: Gleichzeitige Ausfälle von Kornkammern gefährden die weltweite Nahrungsmittelversorgung
  • Verworrenes Netz: "Wucherungen" der künstlichen Intelligenz nehmen zu und ersticken die Leistungsfähigkeit des Internets
  • Tod des Handels: Handelskriege breiten sich aus und multilaterale Institutionen sind zu schwach, um darauf zu reagieren
  • Demokratie unter Druck: Neue Populismuswellen bedrohen die soziale Ordnung in einer oder mehreren Demokratien
  • Präzise Ausrottung: KI-gesteuerte Drohnenschiffe bringen die illegale Fischerei auf ein neues – und noch weniger nachhaltiges – Niveau
  • In den Abgrund: Eine weitere Finanzkrise überfordert die politische Reaktionsfähigkeit und löst Chaos aus
  • Ungleichheit zum Einnehmen: Bioengineering und kognitionsfördernde Medikamente verschärfen die Kluft zwischen Arm und Reich
  • Krieg ohne Regeln: Ohne verbindliche Regeln für die Cyberkriegsführung eskaliert Staat-gegen-Staat-Konflikt in unvorhersehbarer Weise
  • Geopolitik und Identität: Inmitten des geopolitischen Wandels wird die nationale Identität zu einer nie versiegenden Quelle von Spannungen rund um die umkämpften Grenzen
  • Abgeschottet: Cyberangriffe, Protektionismus und Regulierungsdivergenz führen zu einer Balkanisierung des Internets

Alison Martin, Group Chief Risk Officer bei der Zurich Insurance Group, kommentiert: "Extreme Wetterereignisse wurden hinsichtlich Wahrscheinlichkeit und Auswirkung erneut als eines der größten globalen Risiken eingestuft. Umweltrisiken und die zunehmende Anfälligkeit für weitere Risiken stellen nun eine ernsthafte Bedrohung für die Grundlagen der meisten unserer Gemeingüter dar. Leider reagieren Regierungen und Organisationen zu wenig und zu spät auf entscheidende Trends wie den Klimawandel. Es ist noch nicht zu spät, um ein belastbareres Morgen zu gestalten, aber wir müssen mit einem stärkeren Gefühl der Dringlichkeit handeln, um einen möglichen Systemzusammenbruch zu vermeiden."

Der Global Risks Report 2018 wurde im vergangenen Jahr mit Unterstützung des Global Risks Advisory Board des Weltwirtschaftsforums erarbeitet. Er profitiert zudem von der laufenden Zusammenarbeit mit den strategischen Partnern Marsh & McLennan Companies und Zurich Insurance Group sowie den akademischen Beratern an der Oxford Martin School (University of Oxford), der National University of Singapore und dem Wharton Risk Management and Decision Processes Center (University of Pennsylvania).

WEF Global Risk Report 2018 Risks Interconnections Map

WEF Global Risk Report 2018 Risk Landscape

[ Source of images: © Sean K - Fotolia.com ]


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