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Werkzeuge und Methoden

Praxisnahes und wirksames Risikomanagement

Redaktion RiskNET05.03.2018, 18:41

Einblick, Weitblick, Ausblick. Aber auch Umsicht, Aussicht und Voraussicht. Der Blick und die Sichtweise des Risikomanagers sind entscheidend für den Erfolg in seiner täglichen Arbeit. Viel wird darüber gesprochen, geschrieben und zwischen den Zeilen gelesen. Es zeigt sich, dass moderne Risikomanager (die auch immer Chancenmanager sein sollten) gut damit fahren, diese Schlagworte mit Leben zu füllen und nach vorne zu blicken und auf "Sicht" zu fahren. Doch manchmal lohnt auch ein Blick zurück. Dorthin, wo alles mit den Risiken und Chancen begann. Denn bereits im Altertum mussten Menschen die zwei Seiten der Medaille berücksichtigen – eben Risiken und Chancen miteinander abwägen und in klare Handlungen ummünzen.

Nur so konnten sie ferne Länder erkunden, neue Technologien erfinden, Politik betreiben und Handel führen. Doch der Blick zurück sollte uns nicht den Blick nach vorne versperren. Ansonsten würden wir der Logik folgen, dass es alles, was es in der Vergangenheit nicht gab, auch in der Zukunft nicht geben wird. Doch das ist ein Trugschluss. Die Aussage des US-amerikanischen Strategen, Kybernetiker und Futurologen Herman Kahn (* 1922; † 1983), der wesentlich die deterministische Szenarioanalyse strukturiert und weiterentwickelt hat, gilt auch heute noch: "Aus der Vergangenheit kann jeder lernen. Heute kommt es darauf an, aus der Zukunft zu lernen."

Ein Beispiel: Odysseus als Risikomanager. Dank seiner Überlegungen und seiner Chancen- und Risikoplanung konnte der Held der griechischen Mythologie zusammen mit seiner Mannschaft die Gefahren der vor ihnen liegenden Abenteuer proaktiv bewältigen. Neben der Befragung aller möglichen Orakel und Götter, zeichneten die Risikomanager der Antike – wie Odysseus – auch das Gespür für Gefahren sowie Chancen sowie das präventive und proaktive Managen aus. Ein reiner Blick in die Vergangenheit (etwas frech von mir als reine "rückspiegelorientierte Risikobuchhaltung" bezeichnet) hätte ihn wohl blind gemacht für die tatsächlichen Risiken (und Chancen), mit denen er auf seiner Reise zu tun hatte. Voraussichtlich wäre er nie losgereist und hätte es sich vor dem Lagerfeier auf den Ionischen Inseln gemütlich gemacht. Da er aber väterlicherseits von Laërtes (und damit von Zeus) und mütterlicherseits von Antikleia (und damit von Hermes, einer der zehn göttlichen Kinder des Zeus) abstammte, unternahm er schon recht früh abenteuerliche und chancen- sowie risikoreiche Reisen.

Zurück zum hier und heute. Viele Unternehmen tun sich immer noch schwer, ein fundiertes Risikomanagement in den eigenen Organisationen umzusetzen. Ein wesentlicher Grund liegt vielfach im fehlenden Wissen um fundierte Methoden im Risikomanagement. Denn ohne Struktur und Planung sind die heutigen Risiken im globalen Maßstab nicht mehr zu bewältigen. Im Umkehrschluss heißt das, die enge Verzahnung, unter anderem durch die Digitalisierung sowie die Disruption von Geschäftsmodellen, den globalen Welthandel sowie geopolitischer Abhängigkeiten, rufen ungleich mehr Risikofaktoren hervor als dies in vergangenen Epochen der Fall war. Dementsprechend müssen Risikomanager in heutigen Zeiten die gesamte Risikolandkarte auf der Agenda haben. Und sie sollten Methoden kennen und anwenden können, mit denen sie diese – mitunter recht komplexen und teilweise heute noch unbekannten oder nebulösen Risiken ("unknown unknowns") – identifizieren, bewerten und (pro)aktiv steuern können.

Wie das praxisnah umgesetzt werden kann, vermittelt das vorliegende Buch. Neben den Anfängen des Risikomanagements, setzen wir Leitplanken in Form von Begriffsbestimmungen und blicken auf benachbarte und zugleich mit dem Risikomanagement eng verzahnten Disziplinen. Ein Schwerpunkt bilden die Methoden und Werkzeuge im Risikomanagement als Grundlage für eine zielgerichtete Arbeit im Sinne des Chancen- und Risikomanagements.

In Kapitel 1 begeben wir uns auf eine kurze Reise ins Altertum und ergründen die Wurzeln des Risikobegriffs und des Risikomanagements. Außerdem beschäftigen wir uns im einführenden Kapitel mit den wesentlichen Begrifflichkeiten sowie der Einbettung des Risikomanagements in eine übergreifende Corporate Governance, das heißt die Integration in eine gute Unternehmensführung. In kompakter Form werden außerdem die wesentlichen gesetzlichen Grundlagen sowie Risikomanagement-Standards vorgestellt.

Im anschließenden Kapitel 2 stellen wir den klassischen Regelkreis des Risikomanagements mit den einzelnen Prozessphasen vor (Ablauforganisation) und skizzieren relevante Aspekte bei der Organisation eines Risikomanagements (Aufbauorganisation).

Kapitel 3 liefert den Kern des Buches und bietet einen kompakten und übersichtlichen Überblick über die Werkzeugkiste im Risikomanagement. Je nach Fragestellungen werden Risikomanager unterschiedliche Fächer in der Werkzeugkiste öffnen und Werkzeuge für die Identifikation und Analyse der Risiken (und Chancen) entnehmen. Neben der konkreten Fragestellung definiert auch der Reifegrad des Risikomanagements die Anwendung der Kollektionsmethoden, analytischen Methoden und Kreativitätsmethoden. Im abschließenden Kapitel 4 wagen wir einen Ausblick in die Zukunft des Risikomanagements bzw. einen Blick auf das Risikomanagement der Zukunft. Im Anhang ist dann noch ein Glossar zu finden. Dort wurden wesentliche Begriffe kurz und verständlich definiert.

Frank Romeike (2018): Risikomanagement, Springer Verlag, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-658-13951-3.

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