News

Nullzins-Drama und Risiken

Kunden enteignen sich selbst

Redaktion RiskNET

Nullzins-Drama und Risiken

Die kleinen und mittelgroßen Banken und Sparkassen Deutschlands erwägen einer Umfrage von Bundesbank und Bafin zufolge, die Belastung durch Negativzinsen an ihre Kunden weiterzugeben. Wie Bundesbank und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) im Ergebnis ihres aktuellen Stresstests für diese Less Significant Institutions (LSI) schreiben, betrifft das bisher aber vor allem Geschäftskunden und vermögende Privatkunden. Laut Bundesbank und Bafin dürfte die ohnehin schwache Rentabilität der Banken wegen der niedrigen Zinsen weiter sinken.

Banken und Sparkassen sind demnach außerdem bereit, mehr Risiken einzugehen, um ihre Ergebnisse zu verbessern. "Höhere Risiken dürfen jedoch nur in dem Maße eingegangen werden, wie diese auch getragen und risikoadäquat bepreist werden können", sagte der im Bundesbankvorstand für Bankenaufsicht zuständige Joachim Wuermeling bei der Vorstellung des Berichts in Frankfurt.

An der Umfrage der Deutschen Bundesbank und der Bafin nahmen etwa 1.400 kleine und mittelgroße deutsche Kreditinstitute teil. Sie stehen unmittelbar unter nationaler Aufsicht, umfassen rund 89 Prozent aller Kreditinstitute in Deutschland und machen rund 38 Prozent der aggregierten Bilanzsummen aus.

Niedrige Zinsen erhebliche Belastung für Kreditinstitute

Laut dem Bericht macht die Aussicht auf ein anhaltendes historisch niedriges Zinsniveau einen weiteren Rückgang der Rentabilität der Kreditinstitute sehr wahrscheinlich. "Der LSI-Stresstest 2019 hat unsere Einschätzung bestätigt, dass die Niedrigzinsphase eine erhebliche Herausforderung für die Banken darstellt", sagte Raimund Röseler, Bafin-Exekutivdirektor für Bankenaufsicht.

So führte das Stressszenario zu einer Verschlechterung der harten Kernkapitalquote um 3,5 Prozentpunkte. "Gleichwohl sind die deutschen Institute im Durchschnitt auch im Stressfall solide kapitalisiert", betonte Röseler.

Auf Grundlage ihrer eigenen Plan- und Prognosedaten gaben die befragten Kreditinstitute im zweiten Quartal 2019 an, dass sie in fünf Jahren mit einem um 23 Prozent gestiegenen Jahresüberschuss vor Steuern rechnen. Dies entspricht einem Zuwachs ihrer Gesamtkapitalrentabilität von 10 Prozent (2017: minus 16 Prozent).

Die Hälfte der Institute kalkulierte mit steigenden Zinsen

Diese sehr positive Prognose kommt zustande, weil rund die Hälfte der Institute mit steigenden Zinsen kalkuliert hat. Die Banken und Sparkassen, die mit einer konstanten Zinsentwicklung geplant haben, rechnen hingegen mit einem Rückgang der Gesamtkapitalrentabilität um 2 Prozent. "Diese negative Entwicklung dürfte sich vor dem Hintergrund des seit der Umfrage weiter gefallenen Zinsniveaus verstärken", urteilen Bundesbank und Bafin.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Zins für Bankeinlagen kürzlich um 10 Basispunkte auf minus 0,50 Prozent gesenkt und neue Nettoanleihekäufe angekündigt. Allerdings wird das Sechsfache des Reservesolls vom Einlagenzins freigestellt, was gerade für deutsche Banken eine erhebliche Erleichterung bringen dürfte.

Die Simulationen der fünf vorgegebenen Zinsszenarien zeigt, dass sich die Ertragskraft der Banken und Sparkassen in Deutschland deutlich verschlechtern würde, wenn das Niedrigzinsumfeld andauert oder sich verschärft. Grund für die sinkende Gesamtkapitalrentabilität wäre vor allem, dass die Institute die rückläufigen Marktzinsen nur in geringerem Umfang auf die Einlagenzinsen umlegen würden.

Bei Zinsanstiegen wäre zunächst mit Gewinnrückgängen insbesondere aufgrund von Kursverlusten von Wertpapieren zu rechnen. Mittel- bis langfristig würden sich die Gewinne aber wegen steigender Margen erholen.

Ein Drittel der Institute erwartet wegen höherer Kreditvergabe sinkende Kernkapitalquoten

Im Durchschnitt rechnen die Institute mit einem Anstieg der harten Kernkapitalquote von 16,5 Prozent auf 16,8 Prozent bis 2023. Dabei geht jedoch ein Drittel der Institute von einem Rückgang der harten Kernkapitalquote aus. Dieser beruht vor allem auf der stärkeren Zunahme der risikogewichteten Aktiva, was auf ein wachsendes Geschäftsvolumen und eine höhere Risikonahme zurückzuführen ist.

"Je länger das Niedrigzinsumfeld anhält, desto schwerer fällt den Instituten der Kapitalaufbau", konstatieren Bundesbank und Bafin. Trotz allem könnten die Institute weiterhin Überschusskapital aufbauen, wenn auch in geringerem Maße.

[ Source of images: Adobe Stock ]


Themenverwandte Artikel

News

Unternehmen "wetterfest" machen

Warnung vor dem "perfekten Sturm"

Redaktion RiskNET

Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), hat Finanzunternehmen angesichts wachsender Risiken und dauerhaft…

Book Review

Warum wir unsere Gesellschaft neu organisieren müssen

Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen

Frank Romeike [Redaktion RiskNET]

Ein Blick in die Realität der Politik und der Unternehmen präsentiert uns eine gesellschaftliche Haltung, die komplett auf Risikovermeidung angelegt…

Comment

Negative Zeitpräferenz

Konjunktur versus Klima

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.

Die FAZ reihte ihn in die Kategorie der "Weltverbesserer" ein. Das war sicher etwas übertrieben. Der Wiener Ökonom Eugen von Böhm-Bawerk hat die Welt…

News

Risikoanalyse Weltwirtschaft

Epoche der steigenden Unsicherheit

Redaktion RiskNET

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft im laufenden und kommenden Jahr gesenkt und das vor…

News

Maschinen- und Anlagenbau

Produktions- und Auftragsrückgänge durch Handelskonflikt

Redaktion RiskNET

Angesichts des Handelskonflikts zwischen den USA und China rechnen die deutschen Maschinenbauer mit einer anhaltenden Flaute. Die Aufträge in den…