Study

Krisenmanagement

Krisenszenarien werden zu wenig geprobt

Redaktion RiskNET03.07.2018, 12:36

Dem Schweizer Schriftsteller Max Frisch wird das Zitat zugeschrieben, dass Krisen ein produktiver Zustand sind. Man müsse ihnen nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen. Soweit so gut – sinnvoller wäre es, Krisen rechtzeitig zu erkennen und sich auf Krisen entsprechend vorzubereiten. Eine aktuelle Studie von Deloitte, die unter der Überschrift "Stronger, fitter, better: Crisis Management for the resilient Enterprise" veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass für die Mehrzahl der Unternehmen potenzielle Krisenszenarien an Relevanz zugekommen haben. 60 Prozent der befragten Unternehmen sind hiervon überzeugt. Das Spektrum der potenziellen Bedrohungen und Risiken ist breit gefächert und kann für die Unternehmen sowohl finanzielle Folgen als auch negative Auswirkungen auf die Reputation, das Markenimage oder das Mitarbeiterengagement haben.

"Krisen lassen sich nicht immer vermeiden – kein Unternehmen und keine Branche ist per se davor geschützt. Dafür sorgt schon allein der rasante Wandel der Geschäftswelt, wobei Faktoren wie die Digitalisierung genauso eine Rolle spielen können wie die geopolitische Lage in der Welt oder das Handeln einzelner Mitarbeiter. Entscheidend ist die Schnelligkeit und Qualität der Reaktion – und diese hängt sehr stark von der Vorbereitung und Erprobung des erarbeiteten Krisenmanagements ab. Wichtig ist es, die eigenen theoretischen Widerstandskräfte für den Fall einer Krise nicht zu überschätzen. Auf die Praxiserfahrung kommt es an - den Ernstfall zu proben ist essentiell", erklärt Michael Müller, Partner im Bereich Risk Advisory bei Deloitte.

Für die Deloitte-Studie wurden weltweit 500 Entscheidungsträger aus den Bereichen Krisen- und Risikomanagement sowie Business Continuity befragt. Folgende Erkenntnisse lassen sich zusammenfassen.

Die Zuversicht ist größer als die Praxiserfahrung erlaubt

Ungeachtet der vielfältigen Bedrohungspotenziale sehen sich 90 Prozent der Studienteilnehmer gut aufgestellt und geben an, ein hohes Vertrauen in die eigenen Abwehrkräfte und das Krisenmanagement zu haben. Lediglich 17 Prozent haben ihre Fähigkeiten schon einmal im Rahmen einer entsprechenden Simulation praktisch überprüft.

Das Lernen beginnt meist erst im Ernstfall

Das Wissen und die Fertigkeiten im Umgang mit Krisensituationen resultieren bei der großen Mehrheit aus vergangenen Vorfällen. 80 Prozent der Befragten hatten in den letzten zwei Jahren mindestens eine konkrete Krise zu bewältigen, wobei sich virtuelle und reale Ereignisse in etwa die Waage hielten. Ein wirksames Krisenmanagement kann jedoch bereits lange vor einem Vorfall beginnen und sollte idealerweise das Durchspielen entsprechender Szenarien beinhalten, um so Krisen möglichst zu verhindern bzw. ihre Auswirkungen zu minimieren. Es hilft, über die akute Phase hinaus den gesamten "Lebenszyklus" einer Krise zu beachten, um erste Anzeichen bereits im Vorfeld identifizieren zu können.

Die Unternehmensführung muss einbezogen werden

In einer konkreten Krisensituation zählt vor allem auch die Führungskultur. Das heißt, die aktive Einbindung der Geschäftsleitung ist maßgeblich, auch wenn gerade diese Ebene oft nur wenig Zeit für Prävention und Praxisübungen hat. Schnelle und angemessene Entscheidungen sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Krisenmanagement, findet ein knappes Viertel der Studienteilnehmer. Die Aufgaben in einer Krise müssen entsprechend verteilt und Entscheidungsträger schnell verfügbar sein. 84 Prozent der befragten Unternehmen haben einen entsprechenden Krisenmanagementplan vorbereitet.

Drittparteien – Teil des Risikos und Teil der Lösung

Gerade in Zeiten der Digitalisierung und der damit zusammenhängenden Kollaboration rücken externe Parteien – Partner, Zulieferer oder auch Berater – zunehmend in den Fokus: Einerseits können sie das Sicherheitsrisiko erhöhen, andererseits aber auch wichtiger Bestandteil einer Abwehrstrategie sein. Mit 59 Prozent bezieht deutlich mehr als die Hälfte der Befragten die jeweiligen Drittparteien in das eigene Krisenmanagement ein, entweder durch gemeinsame Initiativen oder durch gegenseitige Audits. Nicht zuletzt können aus Sicht der Studienteilnehmer auch die Kompetenzen externer Krisenspezialisten im Bedarfsfall sehr hilfreich sein.












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