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Konjunkturausblick 2018

Drei Risiken in der Hochkonjunktur

Redaktion RiskNET14.12.2017, 17:11

Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung hat der deutschen Wirtschaft einen "merklich beschleunigten" Aufschwung bescheinigt und seine Konjunkturprognose für das kommende Jahr kräftig nach oben gesetzt. Die Münchener Ökonomen rechnen nun für 2018 mit einem Wachstum von 2,6 Prozent und damit dem höchsten Wert seit 2011 anstatt der bisher erwarteten 2,0 Prozent.

"Die deutsche Wirtschaft brummt", konstatierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. "Der Schwung vom Jahre 2017 verlängert sich bis weit ins Jahr 2018 hinein." Im laufenden Jahr wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach den Berechnungen der Forscher um 2,3 Prozent zunehmen und 2019 dann um immer noch 2,1 Prozent.

Die Überauslastung der gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten dürfte im Prognosezeitraum spürbar zunehmen, und der Lohn- und Preisanstieg verstärke sich, erklärte das Institut. "Damit befindet sich die deutsche Wirtschaft auf dem Weg in die Hochkonjunktur." Maßgeblich dazu beitragen werde die Industrie, die von verbesserten Konjunkturaussichten im Euroraum und dem Rest der Welt profitiere und ihre Export- und Investitionstätigkeit spürbar ausweiten werde. Aber auch der private Konsum und die Bauwirtschaft expandierten weiter kräftig, wenngleich sich ihr Beitrag etwas abschwäche.

Arbeitslosenzahl sinkt auf 2,2 Millionen

In ihrer neuen Prognose sagen die Ifo-Ökonomen eine Zunahme der Bruttoanlageinvestitionen um 3,8 Prozent in diesem, 3,9 Prozent im kommenden und 3,1 Prozent im nachfolgenden Jahr 2019 voraus. Die Exporte steigen nach ihrer Prognose 2017 um 4,3 Prozent, 2018 um 5,6 Prozent und 2019 um 4,5 Prozent, während die Importe in den drei Jahren um 4,9 Prozent, 5,5 Prozent und 5,0 Prozent zulegen sollen. Der private Konsum steigt demnach 2018 mit 1,7 Prozent und 2019 mit 1,8 Prozent langsamer als im laufenden Jahr mit 2,1 Prozent.

Die Zahl der Erwerbstätigen erklimmt nach den Münchener Berechnungen "neue Rekorde", von 44,3 Millionen Menschen in diesem Jahr auf über 44,8 Millionen im kommenden und auf 45,2 Millionen im Jahr 2019. Parallel dazu soll die Zahl der Arbeitslosen von 2,5 Millionen über 2,4 Millionen auf 2,2 Millionen im Jahr 2019 sinken, die Quote von 5,7 Prozent über 5,3 auf 4,9 Prozent. Die Verbraucherpreise werden nach der Prognose in diesem Jahr um 1,8 Prozent stiegen, im nächsten um 1,9 Prozent und 2019 um 2,2 Prozent.

Der Staat erwirtschaftet dabei laut den neuen Ergebnissen einen immer größeren Überschuss. Vergangenes Jahr waren es 25,7 Milliarden Euro, in diesem Jahr sollen es 42,1 Milliarden sein, im kommenden Jahr 50,6 Milliarden und 2019 sogar 62,1 Milliarden Euro. Der strukturelle Finanzierungssaldo soll durchgehend bei gut 1 Prozent des BIP liegen. Wegen der noch ausstehenden Regierungsbildung seien diese Schätzungen aber "mit Unsicherheit behaftet", denn eventuelle Änderungen bei Ausgaben oder Einnahmen würden den Überschuss entsprechend steigern oder senken.

Aufschwung ist breit aufgestellt

Auch das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rechnet in diesem und im kommenden Jahr mit einem stärkeren Wachstum als bisher erwartet. "Zur Jahreswende ist die deutsche Konjunktur nach wie vor kräftig", hoben die Hallenser Ökonomen hervor. Sie hoben ihre Prognose für die Zunahme des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Jahr 2017 auf 2,2 Prozent von 1,9 Prozent und für das Wachstum im Jahr 2018 auf ebenfalls 2,2 Prozent von 2,0 Prozent an. Im Jahr 2019 soll der Zuwachs des BIP dann nach ihrer Erwartung bei 1,6 Prozent liegen.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet nun für 2017 einen Zuwachs des BIP um 2,3 Prozent und für 2018 um 2,5 Prozent - und damit jeweils 0,3 Prozentpunkte mehr Wachstum als bisher veranschlagt.

"Der Aufschwung ist breit aufgestellt", betonte IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller, der bei dem Hallenser Institut die Abteilung Makroökonomik leitet. "Schon länger treibt die deutliche Zunahme der Beschäftigung die privaten Einkommen, den Konsum und den Wohnungsbau, der außerdem weiterhin von den sehr niedrigen Zinsen Rückenwind erhält", sagte er zur Begründung. Zudem profitierten die deutschen Exporte zurzeit von der schwungvollen internationalen Konjunktur.

Drei Risiken für die Prognose

Während die Antriebskräfte im vergangenen Jahr vor allem vom Konsum gekommen sein, habe die deutsche Wirtschaft im Jahr 2017 starke außenwirtschaftliche Impulse erhalten, insbesondere von der Nachfrage nach deutschen Gütern aus dem übrigen Euroraum und aus Asien. Auf nochmals verbesserte Exportaussichten sei wohl auch zurückzuführen, dass die Ausrüstungsinvestitionen deutlich angezogen hätten.

Auch, weil die Geldpolitik im Euroraum vorerst expansiv bleibe, sei damit zu rechnen, "dass sich der Aufschwung im Jahr 2018 fortsetzt". Die Finanzpolitik verfüge aufgrund der nicht nur konjunkturbedingt günstigen Haushaltslage über "erhebliche Gestaltungsspielräume", und die Verbraucherpreisinflation dürfte nach den Berechnungen aus Halle mit 1,7 Prozent auch im Jahr 2018 moderat bleiben.

Die sehr günstige Prognose der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sei aber vor allem mit drei Risiken verbunden, warnten die Ökonomen. Zunächst einmal sei nicht bekannt, welche Richtung die Wirtschaftspolitik in den nächsten Jahren nehmen werde, solange es keine neue Regierung gebe. Eine deutlich expansivere Finanzpolitik als unterstellt sei gut denkbar. An den internationalen Finanzmärkten könnte es zudem zu einer Revision der gegenwärtig sehr optimistischen Bewertung vieler Vermögenstitel kommen, warnte das Institut.

Außerdem birgt die günstige Konjunktur in Deutschland für die Ökonomen ein eigenes Risiko: Steigt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage auch 2018 so kräftig wie zuletzt, so ist es nach ihrer Ansicht denkbar, dass die Produktionskapazitäten in einigen Zweigen der Wirtschaft nicht mehr ausreichen und dass Preissteigerungen mehr und mehr an die Stelle der realen Produktionsausweitung treten. Eine solche Entwicklung scheine sich im Bausektor schon abzuzeichnen. 

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