Munich Re verzichtet auf unrentable Verträge

Risikoorientierte Unternehmenssteuerung


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Der Rückversicherer Munich Re will lieber auf Geschäft verzichten, als zu niedrigen Preisen am Markt für Rückversicherungspolicen nachzugeben. Risikomanager werden daher zukünftig die Ampel auf "rot" stellen, wenn ein Abwägen der erwarteten Rendite und der Risiken zum Ergebnis führt, dass das Grundprinzip einer wert- und risikoorientierten (oder auch nutzenorientierten) Unternehmensführung verletzt wird. Beim Management von Risiken geht es vor allem um eine gesunde Balance der drei Größen Risiko, Kapital und Wertschöpfung.

Stattdessen will der Konzern neue Produkte für neu entstehende Risiken entwickeln, etwa gegen Cyber-Attacken. Das gaben die Münchener anlässlich des jährlichen Rückversicherungstreffens in Monte Carlo bekannt.

Zum Start der Verhandlungen über die Erneuerung bestehender Rückversicherungsverträge zum 1. Januar 2015 ist das Umfeld weiter geprägt von starkem Wettbewerb und niedrigen Zinsen für Kapitalanlagen. Dass die vergangenen Jahre vergleichsweise schadenarm waren, weiterhin aber alternatives Kapital in den Markt für Rückversicherungen fließt, verstärkt den Druck auf die Preise. Die Ratingagentur Standard & Poor's schätzt, dass die Preise im laufenden Jahr um fünf bis zehn Prozent, in besonders betroffenen Segmenten wie dem US-Naturkatastrophengeschäft gar um bis zu 15 Prozent, sinken werden.

Der Münchener Rückversicherer zeigt sich in Monte Carlo dennoch zuversichtlich, aufgrund der "breiten Aufstellung sowohl regional als auch über alle Sparten, aber auch durch die kombinierte Nutzung von Erst- und Rückversicherungsexpertise" auch in diesem schwierigen Umfeld flexibel agieren zu können. Auch wenn das bedeute, beim Standardgeschäft "wenn nötig" Geschäft aufzugeben. "Wir können unser Knowhow und unsere Kapazität besser einsetzen, indem wir Kunden neue intelligente Deckungskonzepte für die unterschiedlichsten Bedarfe anbieten", sagte Torsten Jeworrek, der für das weltweite Rückversicherungsgeschäft zuständige Vorstand.

Der Konzern sieht in Europa und den USA in den kommenden drei Jahren ein Wachstum von einem Prozent, in Asien-Pazifik und Lateinamerika bei drei und vier Prozent. Um dem Preisdruck vor allem in satten Märkten wie den USA und Europa auszuweichen, raten die drei großen Rating-Agenturen S&P, Moody´s und Fitch dazu, das Geschäft auf andere Regionen - und vor allem auf andere, neue Schadenbereiche - auszuweiten.

Das versucht Munich Re künftig insbesondere in drei Bereichen. Rückversicherer könnten Erstversicherer zum Beispiel helfen, die Kapitalanforderungen unter Solvency II oder vergleichbaren Aufsichtsregeln zu erfüllen, so der Konzern. Darüber hinaus erforderten neue Risiken, die durch technologische oder gesellschaftliche Veränderungen entstünden neue Versicherungslösungen. Ebenso gebe es steigende Umwelt- und Wetterrisiken.

Allerdings können solche Lösungen nur dann entstehen, wenn Erst- und Rückversicherer bei ihrer Modellierung zusammenarbeiten - vorausgesetzt, es besteht Nachfrage nach neuen Lösungen. Etwa bei so genannte Cyber-Risiken, die bei Unternehmen etwa durch Angriffe auf ihre IT-Systeme bestehen. Dazu muss aber zunächst das Bewusstsein im Unternehmen entstehen, dass Angriffe auf ihre Systeme ein Geschäftsrisiko darstellen. Sie fragen dann entsprechende Lösungen bei ihren Erstversicherungen nach, die das Risiko dann rückversichern müssen. Allerdings werden solche Cyber-Policen noch nicht so stark nachgefragt, dass sie Einbußen in anderen Bereichen wettmachen könnten, heißt es aus der Branche.

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Kommentare zu diesem Beitrag

RiskNET Redaktion /19.10.2014 22:49
+++ Finanzvorstand der Munich Re sieht schwere Zeiten für Rückversicherer +++

Jörg Schneider, Finanzchef der Munich Re, erwartet schwierige Zeiten für den weltweit größten Rückversicherungskonzern. "Bei den Vertragsverhandlungen mit unseren Kunden 2014 sind die Preise gesunken -- die Einbußen daraus wirken sich 2015 aus", sagte er dem Handelsblatt. "Es wird schon deshalb schwer werden, das Gewinnniveau zu halten." 2013 hatte der Münchener Konzern Bruttoprämien in Höhe von 51,1 Milliarden Euro und ein Konzernergebnis von 3,34 Milliarden erzielt.

Auch die Konkurrenz durch Pensions- und Hedgefonds macht dem Rückversicherer zu schaffen. "Wir leben in schwierigen Zeiten für Rückversicherer", sagte Schneider. Doch dem Konkurrenzdruck will man in München nicht nachgeben. "Wir gehen nicht jedes Risiko ein und wir verzichten bewusst auf Geschäft."
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