Rezension

Workout – Management und Handel von Problemkrediten

Jobe, C. J.; Stachuletz, R. (Hg.), 475 S., Bankakademie Verlag, Frankfurt 2005.05.03.2006, 19:10

Hohe Insolvenzzahlen, gepaart mit hohen Forderungsausfällen, führen zu einer nicht unerheblichen Belastung von Unternehmen und Banken. Laut Schätzung der Creditreform betrugen die Forderungsausfälle allein im Jahr 2005 über 26 Mrd. Euro. Ein nicht unerheblicher Teil davon dürfte auf die Banken entfallen sein. Hinzu kommen wahrscheinliche Verluste aus notleidenden Kreditengagements, die die Ergebnisrechnung der Banken zusätzlich belasten. Der organisatorische und personelle Aufwand für die Problemkredite ist sehr hoch und drücken die Ergebnisse. Mit dem Ziel, die Bilanzkennziffern zu optimieren, werden Alternativen des Risikotransfers für notleidende Kredite gesucht.

Mit dem vorliegenden Buch stellen sich die Herausgeber und Autoren diesem Thema. Die Abwicklung notleidender Kredite ist sicherlich für die Banken nicht neu. Die Ausführungen zu den Mindestanforderungen an das Kreditwesengesetz (MaK) zeigen dies deutlich. Jedoch führen die neuen Vorschriften und Regelungen von Basel II und den MaK zu einer vertiefenden Auseinandersetzung, wie der Prozess optimal gestaltet werden kann. Alternativen wie  Outsourcing und Verkauf der Forderungen sind Bestandteile eines möglichen Risikotransfers.

Übersichtlich ist das Buch in vier Abschnitte gegliedert. Der erste Abschnitt umfasst Facetten der Risikosteuerung und der Problemkredite, wie sie in Kreditinstituten behandelt werden. Neben der allgemeinen Beschreibung der Kreditrisikosteuerung wird auch die Frage behandelt, ob durch das Etablieren von Mindeststandards, Schieflagen von Unternehmen und Banken eher vermieden werden können. Immerhin, Zielsetzung der neuen Regelungen soll sein, die in der Vergangenheit aufgetretenen Störungen der Finanzsysteme zu vermeiden. Es wird deutlich, dass mikroökonomische Strategien allein nicht ausreichend sind, um Störungen zu vermeiden. Als flankierende Maßnahme bedarf es aber auch eines makroökonomischen Ansatzes. Der zweite Abschnitt befasst sich mit der Handhabung von Problemkrediten. Im Vordergrund der Erörterungen stehen sowohl die bankinternen Prozesse als auch die rechtlichen Aspekte, die eine Bank zu beachten hat. Die Automatisierung der Prozesse und das Nachdenken darüber, was eigentlich Kernkompetenz einer Bank ist, führt zu der Frage im dritten Teil, ob Outsourcing eine Alternative ist, die Kosten einer Bank zu reduzieren. Hierbei werden sowohl Chancen als auch die Risiken von Outsourcing erörtert.

Wie sieht aber der Prozess der Risikosteuerung von Problemkrediten aus? Was ist bei der Gestaltung der Prozesse zu beachten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der letzte Abschnitt des Buches. Allein das geschätzte Volumen von ca. 300 - 400 Mrd. Euro an notleidenden Darlehen in den Büchern deutscher Banken verdeutlicht, dass hier ein hohes Potenzial vorhanden ist. Abhängig von der Art der Problemkredite, sind strategische, rechtliche, organisatorische und steuerliche Aspekte zu beachten. 

Wer sich ausführlicher mit dem Thema Workout widmen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. Die unterschiedlichen Facetten des Problemkredits werden ausführlich dargestellt. Die Voraussetzungen für den Verkauf von Forderungen zeigen, dass eine intensive Analyse zu Beginn des Prozesses Voraussetzung ist, um erfolgreich einen Risikotransfer von Problemkrediten durchführen zu können. Wünschenswert wäre gewesen, dieses Thema vor dem Hintergrund der neuen IAS/IRFS Bilanzrichtlinien näher zu beleuchten. Leider wurden diese Aspekte nur unzureichend behandelt. Insgesamt bleibt die Erkenntnis, dass dieses Thema erhebliche Auswirkungen für alle Beteiligten haben wird.

Rezension von Christoph Tigges (IBM Deutschland)


Details zur Publikation

Autor: Jobe, C. J.; Stachuletz, R. (Hg.)
Seitenanzahl: 475
Verlag: Bankakademie Verlag
Erscheinungsort: Frankfurt
Erscheinungsdatum: 2005

RiskNET Rating:


Jetzt bestellen