Rezension

Sovabilitätsmessung bei Schaden-Unfall-Versicherungsunternehmen - Anforderungen an stochastische interne Modelle und an deren Prüfung

Peter Ott, 263 Seiten, Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden 2005.01.11.2006, 08:00

Genauso wie Basel II die Risikoorientierung der Banken verbessern soll, verfolgen die neuen Solvency-II-Regelungen das Ziel, im Aufsichtsmodell die Risiko-Orientierung der Versicherungsunternehmen angemessen zu berücksichtigen und für Aufsichtsbehörden und Öffentlichkeit transparenter zu gestalten. Ähnlich wie bei Basel II wurden drei Säulen definiert: Säule I besteht aus den quantitativen Modellen und Methoden zur Berechnung der Solvenzanforderung von Versicherungsunternehmen, Säule II umfasst die Verfahren zur Prüfung dieser Modelle durch die Aufsichtsbehörden und Säule III beinhaltet die Darstellung und Kommunikation der Ergebnisse.

Im Rahmen der ersten Säule sollen Regelungen zur Berechnung des Minimumsolvenzkapitals und des zu stellenden Zielsolvenzkapitals aufgestellt werden.  Diskutiert werden die Anforderungen an (stochastische) unternehmensindividuelle interne und standardisierte Risikomodelle sowie die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Anwendung. In der Arbeit von Peter Ott stehen drei zentrale Fragen im Zentrum: 1. Durch welche Modelle kann das gesamte Versicherungsgeschäft abgebildet werden, um daraus die Höhe der notwendigen Eigenmittel (ökonomisches Kapital) zu bestimmen? 2. Mit welchem Verfahren können die Aufsichtsbehörden oder die von ihnen beauftragten Prüfer die Adäquanz der Modelle und die daraus resultierende Eigenkapitalausstattung prüfen? 3. Auf welcher Ermittlungs- und Bewertungsbasis werden die in die Modelle eingesetzten variablen Werte und Parameter bestimmt?

Die Zielsetzung der Arbeit lag im wesentlichen darin, konkrete (Mindest-)Anforderungen an die Gestaltung stochastischer interner Modelle zur Messung der Solvabilität von Versicherungsunternehmen und an deren Prüfung zu entwickeln. Die Publikation von Ott gliedert sich in vier Teile: In einem einleitenden ersten Teil befasst sich der Autor mit begrifflichen Grundlagen sowie einer vergleichenden Darstellung von Modellen zur Messung der Solvabilität. So skizziert der Autor kennzahlengestützte Modelle, Risk-Based-Capital-Modelle, auf deterministische Szenarien gestützte Modelle sowie stochastische interne Modelle. Im zweiten Teil wird ein Überblick über die Anforderungen, die an interene Modelle zu stellen sind, gegeben, um anschließend eine Reihe von grundlegenden Fragestellungen zu diskutieren wie Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden im Rahmen der Messung des notwendigen Eigenkapitals, Wahl des Risikomaßes, Prognosedauer, stochastische Modellierung, Anforderungen an die Planung, Konsistenz und allgemeine Anforderungen an Daten. Außerdem werden die unterschiedlichen Ansätze für eine vollständige, angemessene  und stochastische Quantifizierung der einzelnen Risiken vorgestellt. Im dritten Teil der Arbeit werden die allgemeinen Grundsätze und der Gegenstand der Prüfung – aus der Perspektive der Aufsichtsbehörden – diskutiert. Außerdem werden Anforderungen an die Planung, die konkrete Durchführung der Prüfung und deren Berichterstattung und Dokumentation entwickelt. Der abschließende vierte Teil fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick, der den Zusatznutzen der Verfahren herausstellt.

Die vom Autor skizzierten grundlegenden Anforderungen an interne Modelle sind vielfältig. Basierend auf den Analysen des Autors sollte die Bewertung durch Fait-Value-Werte erfolgen, da sich auf diese Weise keine systematischen stillen Reserven und Lasten ergeben. Um auf ein geschlossenes Bilanzierungskonzept zurückgreifen zu können, sind die Normen der IFRS als Basis zu verwenden, allerdings modifiziert in den Bereichen, in denen die IFRS keine Fair-Value-Bewertung vorsehen bzw. Alternativen zulassen. Der Autor legt dar, dass hohe Anforderungen an die Qualität und Quantität der vorzuhaltenden Daten zu stellen sind, was eine der großen Herausforderungen für die Verwendung von internen Modellen stellt (zu einem analogen Ergebnis kommt auch die Ergebnisse der ersten Benchmarkstudie „Solvency II: Status Quo und Erwartungen“ [vgl. Romeike, Frank (gemeinsam mit Erben, Roland F.; Müller-Reichart, Matthias): Die Assekuranz steht an einer chancenreichen Weggabelung, in: Versicherungswirtschaft, Heft 16, 15. August 2006, S. 1301-1305.]. Der Autor weist ausserdem darauf hin, dass ein Prozess zur Erfassung der Risiken zu implementieren ist, der den gesamten unternehmensinternen und –externen Bereich umfasst. Dies geht – so der Autor weiter – über die im Rahmen des Risikofrüherkennungssystems gemäß § 91 Abs. 2 AktG einzurichtenden Maßnahmen hinaus. Außerdem sind in einem Teilmodell die Entwicklungen von externen Variablen (wie etwa Zins, Aktienkurse und Inflation) zu modellieren. Um die Verteilung des Eigenkapitals zu ermitteln, sind alle Bilanzpositionen zu berücksichtigen. Aus der Anforderung der Vollständigkeit der Bilanz abgeleitet, resultiert daher die Notwendigkeit, auch die Steuern, die immateriellen Vermögensgegenstände sowie sonstige Forderungen und Verbindlichkeiten zu modellieren.

Insgesamt rät der Autor den Versicherungsunternehmen, ein internes Modell zur Steuerung und zum Nachweis der Solvabilität zu entwickeln. Ein gewichtiger Vorteil eines internen Modells liegt darin, dass die Eigenmittelanforderungen – im Gegensatz zu einem standardisierten Modell – niedriger ausfallen werden. Die Aufsichtsbehörden schaffen darüber Anreize, dass ein Unter-nehmen, welches ein internes Risikomodell verwendet, durch im Vergleich zum Standardverfahren niedrigere Eigenmittelanforderungen belohnt wird. Dies ist – so der Autor – gerecht fertigt, da ein Unternehmen mit einem weiter entwickelten Risikomodell die eigenen Risiken tendenziell besser erkennen und steuern kann als ein Unternehmen, das über ein solches Modell nicht ver-fügt. So ist beispielsweise bei der Berechnung des Value at Risk  für das Marktrisiko bei Banken der mit internen Modellen berechnete VaR oft bis zu 50 Prozent niedriger als der mit Standardmodellen berechnete, da Korrelations- und Kompensationseffekte viel besser berücksichtigt werden können.

Das Buch kann allen Praktikern und Wissenschaftlern, die sich intensiv mit der Entwicklung von internen Risikomodellen in Versicherungsunternehmen beschäftigen nur wärmstens empfohlen werden.
 

Rezension von Frank Romeike


Details zur Publikation

Autor: Peter Ott
Seitenanzahl: 263
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Erscheinungsort: Wiesbaden
Erscheinungsdatum: 2005

RiskNET Rating:

gut Gesamtbewertung

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