Rezension

Warum Staat, Markt und Gesellschaft auf einen Systemkollaps zusteuern

Sind wir noch zu retten?

Klaus Schweinsberg, 240 Seiten, FinanzBuch Verlag, 2. akt. Auflage, München 201125.06.2012, 12:20

Die Weltwirtschaft hat sich scheinbar gefangen, die Auftragsbücher der deutschen Unternehmen füllen sich, die Gewinne sprudeln, die Börsen haben sich erholt. Auch die Zocker sind erneut an den Finanzmärkten unterwegs, mit Rohstoffen wird wie verrückt spekuliert, so Klaus Schweinsberg in seinem Buch "Sind wir noch zu retten?".

Deutschland steht vermeintlich vergleichsweise gut da. Dabei hatte es wie kaum ein anderes Land eine Schrumpfung seiner Wirtschaft zu verkraften. Und doch hat fast jeder ein mulmiges Gefühl. Die Symptome der Krise sind sicher behoben, aber sind die Ursachen wirklich therapiert? Man kennt die Diagnose aus der Medizin. Der Patient leidet seit Längerem an diversen Krankheiten. Jede der Schwächen ist zwar belastend, aber für sich genommen nicht besorgniserregend. Doch plötzlich kippt die Entwicklung. Aus beherrschbaren Krankheiten entsteht über Nacht eine letale Kettenreaktion. Die Ärzte müssen kapitulieren. Sie können nur noch multiples Organversagen konstatieren.

In aller Kürze könnte das ärztliche Bulletin für die Republik ungefähr wie folgt lauten: Nach dem schweren Zusammenbruch zur Jahreswende 2008/2009 kommt der ökonomische Kreislauf des Patienten nicht mehr richtig in Schwung. Zwar schreitet seine Genesung zunächst zu aller Überraschung zügig voran, er blüht geradezu auf, die starke Exportnachfrage wirkt wie ein Dopingmittel. Doch diese Phase erweist sich nur als kurze Episode. Den Patienten holt alsbald sein wahrer innerer Zustand ein. Um Körper und Kopf ist es nicht gut bestellt, der harmonische Gleichlauf zwischen den Teilen geht verloren. Die Balance zwischen Jung und Alt kippt. Die Bevölkerung schrumpft und altert – und so verliert der deutsche Patient fast zwangsläufig an Substanz und Spannkraft. Jugendliche Unbeschwertheit und Unbefangenheit, Erfindergeist und Veränderungsbereitschaft schwinden. Vor diesem Hintergrund fällt die längerfristige Prognose ungünstig aus. Das Leistungsvermögen kann sich nur schleppend verbessern. Nennenswertes wirtschaftliches Wachstum bleibt nach dem Zwischenhoch 2010 auf Jahre hin aus.

Auch die politische Konstitution ist ein Jammer. Der Staat steht auf zunehmend wackligen Beinen. An keiner Stelle gelingt es ihm, Stärke zu zeigen. Die dringend überfällige Sanierung der Staatsfinanzen wird im parteipolitischen Klein-Klein totgeredet. Die Regierungen im Bund und in den Ländern scheitern darin, den Kreditbedarf des Staates auf Dauer zu drosseln. Für echte Reformen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Demografie fehlen Mut und Willenskraft. Der Staat wirkt zunehmend gebrechlich und anfällig (für falsche Ratgeber aus den Reihen der Lobbyisten), so Schweinsberg.

Klaus Schweinsberg ist sich sicher, dass es kein Zufall ist, dass das Organversagen gerade jetzt droht. Blickt man in die letzten 500 Jahre der europäischen Geschichte, so lässt sich feststellen, dass es mit schöner Regelmäßigkeit in der zweiten Dekade eines Jahrhunderts zum Systembruch kommt. Nie in der jüngeren Geschichte endete indes eine Epoche zeitgleich mit dem Auslaufen des jeweiligen Jahrhunderts. Dort fand gewissermaßen nur der erste Fieberschub statt. Die bedrohliche Krankheit brach stets erst zwei Dekaden später aus. Es war immer die Phase zwischen den Jahren 10 und 20, in der ein Systembruch stattfand.

Nicht wenige Indizien deuten darauf hin, dass der Zusammenbruch in diesem Jahrzehnt bereits in den Jahren 2012 bis 2014 erfolgen könnte. In diesem Zeitraum ballen sich mehrere Ereignisse, die das Zeug für einen gefährlichen Cocktailmix liefern.

Dem Autor geht es jedoch nicht um eine universelle Anklage oder gar um Panikmache, sondern um die Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit. Seine Kernfrage lautet: Wo und wie können wir Bürger gegensteuern, um das totale Systemversagen zu verhindern?

Autor der Rezension: Frank Romeike


Details zur Publikation

Autor: Klaus Schweinsberg
Auflage: 2. akt. Auflage
Seitenanzahl: 240
Verlag: FinanzBuch Verlag
Erscheinungsort: München
Erscheinungsdatum: 2011

RiskNET Rating:

sehr gut Gesamtbewertung

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