Rezension

Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien

Rating im Mittelstand

Christian J. Brinkkötter, Josef EUL Verlag, 258 Seiten, Lohmar 2008.01.08.2008, 15:30

Erst in den vergangenen Jahren nahm die Bedeutung des Themas Rating in Deutschland zu. Bis zu diesem Zeitpunkt war es vorwiegend eine Besonderheit der US-amerikanischen Kapitalmärkte. Um auf dem US Kapitalmarkt zu bestehen, ist es unvermeidlich, dass ein Unternehmen durch eine Ratingagentur mit einem kurz- und langfristigen Rating bewertet wird. Das Rating fungiert als Risikoindikator, um dem potenziellen Investor mitzuteilen, wie gut die Bonität des Unternehmens eingeschätzt wird und wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Kunde seinen gegenwärtigen und künftigen Zahlungsverpflichtungen nachkommen kann. Entsprechende Methodiken wurden entwickelt. Es verwundert nicht, dass um die Gütigkeit des potenziellen Zahlungsausfalls zu ermitteln, nicht ohne Grund es sich um Unternehmen handelte und auch gegenwärtig noch handelt, die an den Börsen fungieren. Schließlich sind für ein wirkliches Rating erheblich umfangreichere und statistisch nachvollziehbare Daten zu erheben, die unter herkömmlichen Bedingungen so nicht zur Verfügung stehen.

Intensiviert durch die Einführung von Basel II hat es in den letzten Jahren eine inflationäre Verwendung des Begriffs Rating gegeben, obwohl es sich bei näherer Betrachtung sich vielfach nicht um ein Rating sondern um ein Scoring handelt. Die Bemühungen, nicht börsenorientierte Unternehmen zu ‚raten’, wurden intensiviert. Mit dem vorliegenden Buch "Rating im Mittelstand" mit dem Untertitel "Eine empirische Analyse qualitativer Kriterien" will der Autor mit seiner Dissertation aufzeigen, welche Kriterien mit welcher Gewichtung die Kreditinstitute bei der Unternehmensbewertung anwenden.

Gemäß den Vorgaben einer Dissertation ist das Buch strukturiert und nachvollziehbar untergliedert. Nach einer Einleitung werden die Inhalte der Untersuchungsgegenstände beschrieben. Themenschwerpunkte der Arbeit sind die Beschreibung des Ratingprozesses, der Methodik zur Ratingerstellung, der qualitativen Kriterien einschließlich einer kritischen Betrachtung zur Objektivität bei der Beurteilung.

Die Gesamtheit der Untersuchungseinheiten in Form von ‚Ratingagenturen’ umfasst 17 angeschriebene Experten. Mit 14 Experten wurde eine empirische Erhebung auf Basis eines vordefinierten Fragebogens ein Interview durchgeführt. Die Gesprächspartner waren vornehmlich Mitarbeiter aus Kreditinstituten, die hier als Ratingagenturen (!) bezeichnet werden. Die Ergebnisse aus dieser Befragung sind im Kapitel "Rating für den Mittelstand in der Praxis" beschrieben.

Ziel der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit war es aufzuzeigen, welche qualitativen Faktoren mit welcher Gewichtung in die Beurteilung einfließen. Im Geleitwort ist bereits zu erfahren, dass er "wollte näher erklären", inwieweit qualitative Kriterien mit welcher Bedeutung und Gewichtung in die Bewertung einfließen. Der "Makel der fehlenden Repräsentativität wird durch die Gewichtung seiner Aussage mehr als ausgeglichen".

Leider ist auch dieser These nicht zuzustimmen. Gewiss, die potenziellen qualitativen Merkmale einschließlich kritischer Erörterung um die Objektivität werden dargestellt. Neue Erkenntnisse zu diesem Thema sind nicht zu erfahren. Die beschriebenen Merkmale und deren Grenzen bei der Aussage eines Ratings sind bereits bekannt. Es überrascht, dass das vorliegende Buch als Dissertation anerkannt wurde. Die finanziellen Mittel können erkenntnisreicher angelegt werden.

Rezension von Christoph Tigges


Details zur Publikation

Autor: Christian J. Brinkkötter
Seitenanzahl: 258
Verlag: Josef EUL Verlag
Erscheinungsort: Lohmar
Erscheinungsdatum: 2008

RiskNET Rating:

ausreichend Gesamtbewertung

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