Rezension

Wie Volkswirte Verbrecher jagen, den Klimawandel bekämpfen und Leben retten

Ökonomen retten die Welt

Malte Buhse, 220 Seiten, Finanzbuch Verlag, München 2013.03.12.2013, 15:27

Ökonomen haben einen sehr wichtigen Job, da sind sich alle einig. Sie sollen die Wirtschaft verstehen und vor allem beherrschbar machen. Politiker wollen von ihnen zum Beispiel wissen, was sie tun müssen, damit die Wirtschaft wächst und alle Menschen einen Arbeitsplatz haben. Oder wie die Menschen reagieren würden, wenn die Steuern steigen würden. Vor allem aber sollen Ökonomen herausfinden, wie man Wirtschaftskrisen verhindern kann. 

Der tschechische Ökonom Tomáš Sedláček bezeichnet Ökonomen als moderne Propheten. Sie seien für uns so etwas wie das Orakel von Delphi, das den Menschen im antiken Griechenland die Zukunft vorhersagte. Doch während die Priester in Delphi nahezu vergöttert wurden und ein sehr hohes Ansehen genossen, haben unsere modernen Propheten, die Ökonomen, inzwischen eine eher schlechte Reputation. Ein Grund dafür: Mit ihren Zukunftsprognosen liegen sie nichts selten  gehörig daneben. Ergänzend kam hinzu, dass durch den Kollaps von Lehman Brothers und die folgende schwere Wirtschafts- und Finanzkrise auch die Modelle der Ökonomen in sich zusammenfielen. Dass Ökonomen eine der größten Wirtschaftskrisen der Geschichte nicht kommen sahen, haben ihnen viele Menschen sehr übel genommen. Denn genau das war doch ihre Aufgabe gewesen: Das Unheil vorauszusehen und etwas dagegen zu unternehmen.

Was aber noch viel schlimmer ist: Ökonomen haben aktiv dazu beigetragen, dass die Wirtschaft überhaupt so krisenanfällig geworden ist. In den Jahren vor der Krise waren es vor allem Ökonomen, die Politiker auf der ganzen Welt dazu gedrängt haben, die Regeln auf den Finanzmärkten immer weiter zu lockern. Dahinter steckte ein blinder Glaube an die Kräfte des freien Marktes. Viele Ökonomen waren damals überzeugt, dass sich Finanzmärkte sehr gut selbst organisieren können und daher keine allzu strengen Regeln brauchen. Im Gegenteil: Je weniger reguliert würde, desto besser würde diese Selbstorganisation des Marktes funktionieren. 

Das war ein fataler Irrtum, wahrscheinlich der größte, den Ökonomen je begangen haben. Banken, Versicherungen und Hedgefonds nutzten die plötzliche Freiheit unter anderem, um neue Finanzprodukte zu entwerfen, bei denen niemand mehr so richtig wusste, wie groß das Risiko war.

Doch diese Kritik wird den Wirtschaftswissenschaften und vielen ihrer Vertreter nicht gerecht. Ökonomen haben vor und während der Krise Fehler gemacht. Aber viele Ökonomen haben mit diesen fatalen Fehltritten nichts zu tun. Ganz im Gegenteil: Sie benutzen ihren scharfen Verstand und ihr Wissen über die Wirtschaft, um Menschen zu helfen. Diese Ökonomen retten Menschenleben, bekämpfen den Klimawandel und decken Verbrechen auf. Diese Ökonomen kehren eigentlich nur zu den Ursprüngen ihrer Wissenschaft zurück. Denn die Ökonomik war in ihren Anfängen die Wissenschaft vom guten Leben. Die ersten Ökonomen hatten es sich zur Aufgabe gemacht, den Menschen zu zeigen, wie sie ein möglichst glückliches Leben führen können.

Malte Buhse stellt in seinem Buch viele Ökonomen vor, die beispielsweise in Mexiko mit mathematischen Modellen Drogenkartelle bekämpfen und wissen, warum in Indonesien Regionalwahlen den Regenwald zerstören. Der Leser wird mit Wirtschaftsforschern an der Börse Jagd auf korrupte Politiker machen und in Südafrika und Kenia beobachten, wie Ökonomen versuchen, Nashörner und andere seltene Tiere vor Wilderern zu retten. Auf der virtuellen Reise werden in Indien und auf den Philippinen Ökonomen vorgestellt, die den Armen helfen, mehr Geld zu verdienen und weniger Kinder zu bekommen. Malte Buhse stellt in den USA einen Wissenschaftler vor, der Märkte erschafft, wo es eigentlich keine geben darf. Und damit rettet er todkranken Patienten das Leben.

"Ökonomen retten die Welt" ist in einer klaren Sprache geschrieben und verdeutlicht, dass die Welt der Ökonomie nicht nur aus Paul Krugman und Hans-Werner Sinn besteht. Im Schatten dieser medial omnipräsenten Ökonomen arbeiten zahlreiche herausragende Wissenschaftler daran, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Fazit des Autors: Die Ökonomie ist eine der wichtigsten Wissenschaften überhaupt. Die Kritik, die momentan an ihr geübt wird, übersieht viele Felder dieser bunten Disziplin.


Details zur Publikation

Autor: Malte Buhse
Seitenanzahl: 220
Verlag: Finanzbuch Verlag
Erscheinungsort: München
Erscheinungsdatum: 2013

RiskNET Rating:

sehr gut Gesamtbewertung

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