Rezension

Handbuch Hedge Funds

Dichtl, H., Kleeberg, J-M., Schlenger, C. (Hrsg.), 500 Seiten, Uhlenbruch Verlag05.08.2005, 17:37

Die aktuelle, zum Teil emotional geführte Diskussion zum Thema Hedge Fonds hat dazu geführt, dass das Thema nicht selten diffus und in Unkenntnis erörtert wird. Sind doch Hedge Fonds keine Neuerscheinung. So wurde in den USA vor rund 60 Jahren der erste Hedge Fonds in Form eines Long-/Short-Aktien-Fonds aufgelegt.

In Deutschland sind Hedge Fonds unter Beschuss geraten, nachdem Hedge Fonds Manager direkt ihren Einfluss bei der Deutschen Börse in Form von Managementwechsel und Strategieentscheidung ausgeübt haben. Erinnert sei auch an den LTCM Fonds, durch deren 'Crash' die internationale Finanzwelt regulierend einspringen musste, um negative Störungen der Finanzmärkte abzuwenden.

Was ist aber das Charakteristische eines Hedge Fonds und welche potenziellen Chancen und Risiken verbergen sich hinter diesem Begriff?

Mit dem vorliegenden Handbuch beschreiben die Autoren die Zielsetzung, Wirkungen und Risiken von Hedge Funds. Bereits im Vorwort weisen die Herausgeber auf die zwei Umstände hin, dass die Fonds weitgehend frei von Restriktionen und Kontrollen arbeiten, und die primäre Zielsetzung eines Fonds die Maximierung des Profits ist. Die Gefahr ist relativ hoch, dass ein einzelner Hedge Fonds in eine Notlage geraten kann; dies aber nicht für die Gesamtheit der Fonds gilt.

Das Handbuch wurde in folgende vier Teile gegliedert:

 

Vor allem seit dem Jahr 2000 hat sich die Anzahl der Hedge Funds auf über 6.000 mehr als verdoppelt. Die Einflüsse auf den Märkten sind dabei sehr unterschiedlich. Verschiedene, von den Autoren dargestellte Untersuchungen weisen darauf hin, dass sowohl Marktungleichgewichte verringert, aber auch verstärkt werden können. Ein Grund dafür liegt in der Auswahl der Strategie der Fonds Manager. So können Trends bewußt verstärkt werden, um in einem bestimmten Augenblick die eigene Position rechtzeitig zu drehen um so die eigenen Profite zu realisieren. Somit kann durch das Forcieren  von Trends ein Risiko verschärft, aber auch gemildert werden.

Erstmals wurde in Deutschland mit dem 'Investitionsmodernisierungsgesetz' in 2004 Regeln für Hedge Funds festgelegt. Ein Beitrag behandelt ausführlich die damit verbundenen rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen. 

Ein weiterer Teil des Bandes befasst sich mit Untersuchungen und Vergleiche von Hedge Funds Strategien gegenüber traditionellen Anlagen und dem Einfluss auf global diversifizierte Portfolios. Ausgangspunkt der Analysen ist die Fragestellung, worin eigentlich der Mehrwert und Nutzen dieser Fonds gegenüber anderen Anlageformen liegt.

Dass der Mehrwert von Hedge Funds nicht einfach bestimmt werden kann, ist eine Erkenntnis der Untersuchung. Ein Grund ist, dass sowohl finanzielle Risiken als auch operationale Risiken bestehen. Das Problem: operationale Risiken sind schwerer zu quantifizieren. Hinzu kommt, dass die Performance oder das Risiko nicht über eine einfache Standardabweichung zu bestimmen ist. Werden umfangreichere Risikomaße wie Value-at Risk-Werte angewendet, so zeigt sich, dass die Performance von Hedge Fonds nach unten zu korrigieren ist und so andere Anlageformen in ihrer Performance wieder interessanter werden.

Das vorliegende Buch, davon einige Artikel in englischer Sprache, ist eine intensive und kritische Auseinandersetzung mit der Funktionsweise und den Risiken von Hedge Fonds. Ein Grundverständnis von wissenschaftlich-mathematischen Methoden ist erforderlich. Das Buch bietet eine Fülle von Informationen zu einem aktuellen Thema.

Rezension von Christoph Tigges


Details zur Publikation

Autor: Dichtl, H., Kleeberg, J-M., Schlenger, C. (Hrsg.)
Seitenanzahl: 500
Verlag: Uhlenbruch Verlag
Erscheinungsdatum: 0

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