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Rezension

Why? What? Whither?

Global Governance

Thomas G. Weiss, 180 Seiten, John Wiley & Sons, Cambridge/UK 2013.11.12.2013, 12:07

Thomas G. Weiss ist Professor für Politikwissenschaft an der City University in New York und hat in verschiedenen Funktionen für die Vereinten Nationen gearbeitet. In seinem neuen Buch "Global Governance" setzt er sich mit der Frage auseinander, wie die Welt trotz des Fehlens einer zentralen Autorität wie einer Weltregierung funktionieren kann. Er stellt sich diese Frage ausgehend von den Beobachtungen, dass ein Transport über Ländergrenzen hinweg einfach möglich ist, sei es bei der täglichen Post oder dem normalen Flugverkehr. Des Weiteren macht Weiss eine aus seiner Sicht bemerkenswerte Stabilität zwischen Ländern aus, da zum Beispiel die letzte Atombombe vor mittlerweile fast siebzig Jahren geworfen wurde. Es müssen demnach offensichtlich Koordinationsmechanismen existieren.

Dennoch ist es angesichts der bevorstehenden globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel, dem internationalen Terrorismus, den Gefahren von Pandemien und instabilen Finanzmärkten eine interessante Frage, wie diesen Bedrohungen mithilfe der recht schwach ausgeprägten politischen Strukturen auf globaler Ebene begegnet werden kann und welche Anpassungen des bestehenden Systems vor diesem Hintergrund notwendig sind. Um die Frage zu beantworten, identifiziert Weiss fünf Bereiche oder "Lücken", für die er jeweils aufzeichnet, welche Erfolge hierbei bereits erreicht wurden, aber auch welche Schritte noch zu gehen sind, um eine bessere Koordination zu ermöglichen. Diese fünf Bereiche umfassen die Aspekte Wissen, Normen, Politik, Institutionen und Compliance.

Unterschiede oder Lücken im Bereich Wissen sind deshalb ein wichtiges Thema für die globale Koordination, da die von den jeweils entscheidenden Personen als richtig angesehenen Lösungen von deren aktuellem Wissensstand abhängig sind. So wäre es für eine effiziente und wirksame Bekämpfung der Folgen des Klimawandels vorteilhaft, wenn zum einen die Ursachen für diesen Wandel im Detail bekannt sind und zum anderen alle betroffenen Länder auch über dieses Wissen verfügen.

Der zweite Bereich nach Weiss sind Normen. Gibt es dort Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern, kann dies die Koordination zwischen diesen beeinträchtigen. In Bezug auf Menschenrechte ist der Zwischenstand beispielsweise unterschiedlich. Während es mittlerweile weitgehend überall akzeptiert wird, dass Sklaverei verboten ist, sind die Rechte homosexueller Paare in verschiedenen Ländern noch stark unterschiedlich verteilt.

Auch im Bereich der Politik bestehen "Lücken" zwischen Staaten, sodass die internationale Koordination erschwert wird. Aktuelle Beispiele hierfür sind die Schwierigkeiten bei der Anti-Terror-Bekämpfung. Aber auch die unterschiedlichen Interessenlagen im Hinblick auf den Syrien-Konflikt und die daraus resultierenden Schwierigkeiten bei der Ermittlung einer gemeinsamen, zielführenden Vorgehensweise können hier genannt werden.  

Der vierte Bereich sind die Institutionen. Weiss illustriert die internationale Koordination anhand des "Department of Peacekeeping Operations". Dieses war nicht in der Charta der Vereinten Nationen vorgesehen, die Notwendigkeit eines solchen hat sich aber nach und nach abgezeichnet, auch wenn die ursprünglich zu knapp und günstig bemessene Institution den Genozid in Ruanda nicht verhindern konnte. Die (finanziellen) Aufrüstungen durch den Brahimi-Report im Jahr 2000 zeigen aber zumindest, dass auch hier Lücken geschlossen wurden, wenngleich auf vielen Ebenen noch weitere bestehen.

Der fünfte und letzte Bereich ist der Aspekt des Compliance. Es ist recht offensichtlich, dass eine gemeinsame Koordination weltweit schwierig wird, wenn zwar alle vier oben genannten Bereiche im Einklang sind, es aber nicht im Interesse einer jeweiligen Regierung ist, sich an gemeinsame Beschlüsse zu halten. Diese Problematik kann auch anhand der bereits genannten Beispiele illustriert werden.

Autor: Jochen Wicher, Institut für Genossenschaftswesen, Westfälische Wilhelms-Universität Münster


Details zur Publikation

Autor: Thomas G. Weiss
Seitenanzahl: 180
Verlag: John Wiley & Sons
Erscheinungsort: Cambridge/UK
Erscheinungsdatum: 2013

RiskNET Rating:

sehr gut Gesamtbewertung

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