Rezension

Handbuch zu EMIR, MiFID II / MiFIR, PRIIPs, MAD / MAR, OTC-Derivaten und Hochfrequenzhandel

Europäische Finanzmarktregulierung

Christoph Tigges [Redaktion RiskNET]11.05.2016, 08:47

Die im Hochsommer 2007 ausgebrochene Bankenkrise weitete sich zu einer Krise der öffentlichen Haushalte aus. Erst durch ein, auch von den Banken gefordertes massives Eingreifen des Staates, konnte die Krise abgewendet werden.

Genauer betrachtet, handelte es sich um vier Brandherde:

  • Deregulierung des Finanzsektors;
  • Hypothekenkrise in den Vereinigten Staaten von Amerika;
  • Immobilienkrise in Spanien;
  • Politik des billigen Geldes mit Konsum auf Pump und einer exzessiven Staatsverschuldung, die die globalen Ungleichgewichte verstärkten,

die sich zu einem gefährlichen Flächenbrand ausdehnten.

Seitdem verabschiedete die EU zahlreiche Gesetze und Maßnahmen, um eine Wiederholung der Finanzkrise zu vermeiden. Ziel ist es, das Gebaren der Hedgefonds und der Schattenbanken transparenter zu gestalten und dem Finanzsektor präzisere Regeln aufzulegen.

Mit dem vorliegenden Handbuch gibt der Herausgeber eine "Übersicht über den regulatorischen Rahmen mit Schwerpunkt Kapitalmarktgeschäft und Verbraucherschutz". Die Sammlung von achtzehn verschiedenen Aufsätzen vermittelt einen Überblick über die Änderungen der Regeln (Stand: März 2015), Prozesse, Strukturen und Systeme in Finanzinstitute und Unternehmen.

Die einzelnen Themen behandeln die Gesetzesneuerungen und Vorschriften aus dem Blickwinkel verschiedener Perspektiven. Sowohl die Regelungen aus EMIR, MiFID II/MiFIR, PRIIPs, MAD/MAR als auch die Regelungen und Vorschriften für Over-the-Counter (OTC) Derivate werden erörtert. Ein weiterer Eckpfeiler der Neuerungen umfasst den Anlegerschutz mit den Themen unabhängige Anlagenberatung und Aufzeichnungspflichten. Auch die Analyse praktischer Auswirkungen auf Finanzinstitute und nicht regulierte Unternehmen fehlt nicht.

Die hohe Anzahl neuer Vorgaben führt unweigerlich zu einer komplexeren Administration innerhalb des Finanzsektors. Hinzu kommt, dass die globale Verflechtung der Finanzindustrie länderübergreifende Fragestellungen aufwerfen und das Controlling und Risikomanagement einer Bank vor hohen Herausforderungen stellt. Auch wenn die Banken mit Hochdruck an die Einführung der EU Regulierungen arbeiten, so bleiben Fragen offen, wie sich die angloamerikanischen Vorschriften mit denen der EU-Vorgaben in Einklang bringen lassen. Nach Auffassung der Autoren sind die Finanzinstitute angehalten, ihr bisheriges Geschäftsmodell auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls durch ergänzende oder neue Geschäftsfelder anzureichern.

Positiv hervorzuheben ist, dass ein jedes Kapitel mit einer prägnanten Einführung über den Inhalt des Themas beginnt und mit den potenziellen Konsequenzen und dem Fazit endet. Ein selektives Lesen wird so erleichtert.

Leider stellt das Lesen durch zum Teil komplizierte Satzstellungen hohe Anforderungen an die Kompetenz des Lesers. Hier ein Beispiel von Seite 7: "Die ESMA kann auch OTC-Derivate der Handelspflicht unterwerfen, die nicht der zentralen Clearing-Pflicht unterliegen, wenn sie hinreichend standardisiert und liquide sind."

Sehr viele fachliche Abkürzungen innerhalb der einzelnen Aufsätze erschweren das Lesen. Ein Abkürzungsverzeichnis zu Beginn des Buches und eine sorgfältigere Bearbeitung durch den Lektor wären von Vorteil gewesen.

Wer jedoch von diesen Mängeln absieht und fachliche Vorkenntnisse hat, erfährt einen guten Überblick über die Europäische Finanzmarktregulierung.


Details zur Publikation

Autor: Ralf Temporale (Hrsg.)
Seitenanzahl: 304
Verlag: Schäffer- Poeschel Verlag
Erscheinungsort: Stuttgart
Erscheinungsdatum: 2015

RiskNET Rating:

befriedigend Praxisbezug
ausreichend Inhalt
ausreichend Verständlichkeit
ausreichend Gesamtbewertung

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