Rezension

Fundierte Analyse der "Lessons learned" und Chancen der Bankenkrise

Die Bankenkrise – Ursachen und Folgen im Risikomanagement

Frank Romeike (Hrsg.), Bank-Verlag Medien, 293 Seiten, Köln 2010.30.06.2010, 11:10

"Die Bankenkrise" beschäftigt sich mit der aktuellen Banken- und Wirtschaftskrise, wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte, welche Fehler begangen wurden und was aus dieser Krise gelernt werden kann. Sowohl die Chronologie der Krise als auch die involvierten Kreditinstitute werden dargestellt. Somit wird ein guter Überblick über das Geschehen gegeben. Kreditrisiken und deren Controlling bzw. Management rücken immer stärker in den Fokus von Kreditinstituten. Eine Notwendigkeit, da mangelndes bzw. fehlerhaftes Risikomanagement einen nicht unerheblichen Beitrag zur nun bestehenden Krise geleistet hat. Dieses Buch beschäftigt sich mit dem Risikomanagement sowie der zukünftigen Entwicklung der Werkzeuge des Risikomanagements um eine Wiederholung der Krise zu vermeiden.

Wie kam es eigentlich zu dieser Krise? War sie plötzlich da oder gab es einen längeren Entwicklungsprozess, welchen wir sehr lange nicht sehen konnten bzw. wollten?
Frank Romeike erläutert die Frage der Chronologie der Subprime-Krise ausführlich und mit vielen Details im ersten Kapitel dieses Buches. Somit schafft er einen Überblick über die Entwicklung der Krise – welche sich rückblickend seit über 15 Jahren entwickelte. Auch das Zusammenspiel der sorglosen Kreditvergabe in den USA, den Verkauf des Risikos aus den Büchern, die Verbriefung der Risiken sowie die weiteren Folgen für den europäischen Markt durch den Kauf dieser leeren Forderungen werden anschaulich dargestellt.

Bedeutsame Punkte für die Entstehung der Finanzkrise waren das Ziel der "Renditemaximierung" sowie die Vernachlässigung von Risikodimensionen. Fehler im Zielsystem, in den Anreizsystemen und besonders in den Methoden des Risikomanagements führten uns in die Krise. Die Autoren sprechen hierbei sogar von "Risikoblindheit". Die Probleme der Portfoliooptimierung nach Markowitz werden diskutiert. Hierbei werden der Ansatz vorgestellt und die Methodenschwächen erarbeitet. Des Weiteren erfolgt eine Diskussion und Darstellung der Schwächen und Grenzen in der Praxis.

Kreditinstitute brauchen Risikomodelle, welche sich auf extreme Krisenszenarien ausrichten. Eine absolute Notwendigkeit ist ein zukunftsbasiertes und vorausschauendes Risikomanagement; welches sich nicht ausschließlich auf vergangenheitsbezogene Daten stützt. Eine Weiterentwicklung der bestehenden Risikomanagement-Modelle auf Basis der aktuellen Krise ist dringend erforderlich ("Chance zum Lernen").

Der Weiterentwicklung des Kreditrisikocontrollings kommt große Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang werden zunächst die Irrtümer des Kreditrisikocontrollings der letzten Jahre aufgezeigt. Die Kreditblase wird als Musterbeispiel eines kollabierenden Optionenportfolios besprochen. Der "Value at Risk" (VaR) wird einer kritischen Betrachtung unterzogen. Ein Vergleich des VaR-Ansatzes für die Normalverteilung versus Cauchy-Verteilung verdeutlicht die Thematik.

Der protypische Verlauf einer Kreditkrise stellt ein weiteres, interessantes Kapitel dar. Der Vergleich von Aktienkrisen versus Kreditkrisen, deren unterschiedliche Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft sowie die Finanzmärkte werden verdeutlicht. Der Teufelskreis der Kreditkrise (Kreditverluste, Eigenkapital-Belastung von Banken, Restriktive Kreditvergabe, Kredit-/Liquiditätsklemme, Insolvenzen, erneute Kreditverluste etc.) schildert die gesamtwirtschaftliche Problematik. Dieser Teufelskreis muss so schnell wie möglich unterbrochen werden, da sonst die Integrität der Realwirtschaft gefährdet wird. Eine Deflationsspirale muss verhindert werden, was durch ein Beispiel – Debt Deflation – präzisiert wird.

Dem Marktrisikocontrolling muss künftig besondere Bedeutung beigemessen werden. Für ein grundlegendes Verständnis der Thematik, bietet Kapitel 7 des Buches eine Einführung in die Marktrisikoanalyse in Banken, diskutiert Grundüberlegungen und Entwicklungsstufen bei der Marktrisikoanalyse in Banken und analysiert schließlich die Schwachstellen beim Marktrisikocontrolling. Problematisch beim bisherigen Marktrisikocontrolling war vor allem die unkritische Verwendung von Risikomodellen und externen Ratings.

Die neue Regulierung des Marktrisikos in Banken wird ausführlich beschrieben. Hierbei erfolgt eine detaillierte Darstellung der Baseler Empfehlungen zum Marktrisiko, des Kreditwesengesetzes (KWG) und der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) zum Marktrisiko. Conclusio: Einem angemessenen Marktrisikocontrolling liegt eine gesamtbankbezogene Sichtweise des Marktrisikos zugrunde.

Ein nächster wichtiger Punkt ist die Weiterentwicklung des Liquiditätscontrollings. Auch hierbei erfolgt zunächst eine Einführung in die Liquiditätsrisikoanalyse von Banken sowie anschließend eine Besprechung der Neuregulierung des Liquiditätsrisikos: der Baseler Empfehlungen, des KWG und der MaRisk. Das Controlling des kurzfristigen Liquiditätsrisikos sowie des strukturellen Liquiditätsrisikos und in weiterer Folge Stresstests für das Liquiditätsrisikocontrolling runden den Beitrag ab.

Auch die Weiterentwicklung des OpRisk-Managements sowie die Analyse operationeller Risiken angesichts der aktuellen Finanzkrise stellen einen wertvollen Beitrag zum Gesamtverständnis des Risikomanagements dar. OpRisk sollte eine besondere Stellung im Risikomanagement einnehmen, als übergreifende Funktion über alle Risikokategorien, organisatorischen Einheiten, die Mitarbeiter sowie die Gesamtbank. Eine entsprechende Risikokultur ist zu schaffen. Was kann aus der Krise (von den "Klassenbesten") gelernt werden? Die Balance zwischen Risikoappetit und internen Kontrollen muss gefunden werden.

Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Risiko ist das Reputationsrisiko. Reputationsrisiken sind zunehmend im Blickpunkt. Unternehmensreputation ist einer der wichtigsten immateriellen Vermögensgegenstände und zentrale Quelle von Wettbewerbsvorteilen. Die aktuelle Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass Reputationsschäden Kreditinstituten schwere Verluste einfahren können.

Zu Guter Letzt behandelt "Die Bankenrise" die Anforderungen an die Produktgestaltung und den Produktabsatz. Die Wirtschafts- und Bankenkrise hat gravierende Veränderungen auf das Risikomanagement bei Banken zur Folge, zudem auch auf den Marktbereich der Banken. Neue Rahmenbedingungen werden generiert, höhere Anforderungen an die Produktgestaltung sind die Folge.

Fazit: "Die Bankenkrise" beschäftigt sich mit den Ursachen der vorherrschenden Finanz- und Wirtschaftskrise sowie mit möglichen Verbesserungsansätzen um die Wiederholung einer Krise ähnlichen Ausmaßes zu verhindern. Einzelne Themengebiete werden sukzessive abgeglichen und in den Gesamtkontext gesetzt. Das Buch eignet sich sowohl für "Neulinge" in der Finanzwelt, die sich einen Überblick über das Geschehen und die Hintergründe verschaffen wollen, als auch für "Professionals", die tiefer in die Thematik einsteigen wollen. Auch den quantitativen Aspekten des Risikomanagements wird Rechnung getragen. Somit ist "Die Bankenkrise" ein gelungenes Werk, welches einer breiten Zielgruppe die Problematik aber auch die daraus resultierenden Chancen der Bankenkrise näher bringt.

Rezension von Mag. Isabell Gratzer


Details zur Publikation

Autor: Frank Romeike (Hrsg.)
Seitenanzahl: 293
Verlag: Bank-Verlag Medien
Erscheinungsort: Köln
Erscheinungsdatum: 2010

RiskNET Rating:

sehr gut Gesamtbewertung

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