Rezension

Ein brillantes Buch über die Funktionsweise der Wirtschaft

Die 24 wichtigsten Regeln der Wirtschaft

Frank Romeike [Chefredakteur RiskNET]05.05.2014, 12:02

Der Journalist Henry Hazlitt (1894–1993) zählt zu den populärsten und prinzipientreusten Vertretern der Österreichischen Tradition von Mises, Hayek und Rothbard. Er schrieb für renommierte Publikationen wie das Wallstreet Journal, die New York Times oder Newsweek. 

Hazlitts bekanntestes Werk ist "Economics in One Lesson" ("Die 24 wichtigsten Regeln der Wirtschaft"). Das Buch erschien erstmals im Jahr 1946 – zu einer Zeit als der Keynesianismus und der Staatsdirigismus als "State of the Art" betrachtet wurden. Hazlitt ist davon überzeugt, dass in keinem Bereich des menschlichen Bemühens so viele Irrtümer herumspuken wie in der Wirtschaft. Das ist kein Zufall. Sind die dem Fach eigenen Schwierigkeiten schon groß genug, erhöhen sie sich noch um ein Vielfaches durch einen Umstand, der zum Beispiel für die Physik, die Mathematik oder die Medizin keine Bedeutung hat – das nachhaltige Eintreten für eigennützige Interessen. Zwar hat jede Gruppe bestimmte wirtschaftliche Interessen, die sich mit denen aller anderen Gruppen decken, doch sie hat auch, wie wir noch sehen werden, Eigeninteressen, die denen aller anderen Gruppen zuwiderlaufen. Bestimmte wirtschaftspolitische Maßnahmen der öffentlichen Hand kommen langfristig jedermann zugute, andere dagegen begünstigen nur eine Gruppe auf Kosten aller anderen. Die Gruppe, die von solchen Maßnahmen profitiert und deshalb ein direktes Interesse an ihnen hat, wird sich verständlicherweise mit Nachdruck und scheinbarer Glaubwürdigkeit für sie einsetzen. Sie wird die klügsten Köpfe engagieren, die sie sich beschaffen kann, damit sie sich ganz ihrer Sache annehmen. Und sie wird die Öffentlichkeit schließlich entweder davon überzeugen, dass ihre Sache gut ist, oder sie so verwirren, dass es praktisch unmöglich wird, die Zusammenhänge noch klar zu durchschauen, so Hazlitt.

Hazlitt bringt eine weitere zentrale Erkenntnis dem Leser näher: Menschliches Verhaltes ist stets durch sichtbare und nicht sichtbare Effekte gekennzeichnet. Hazlitt spricht von der unausrottbaren Neigung der Menschen, nur die unmittelbaren Folgen einer Maßnahme oder nur deren Auswirkungen auf eine bestimmte Gruppe zu sehen. Man versäumt zu fragen, wie sich diese Maßnahme langfristig nicht nur auf diese eine Gruppe, sondern auch auf alle anderen auswirkt. Es ist die Kurzsichtigkeit, die Spätfolgen außer Acht zu lassen.

Darin liegt der ganze Unterschied zwischen gutem und schlechtem Wirtschaften, so Hazlitt. Der schlechte Wirtschafter sieht nur, was offenkundig ist, der gute blickt tiefer. Der schlechte Wirtschaftspolitiker erkennt nur die unmittelbaren Folgen eines geplanten Kurses, der gute bedenkt auch die erst später eintretenden und indirekten Konsequenzen. Der kurzsichtige Wirtschaftsexperte überlegt nur den Nutzen einer Maßnahme für eine bestimmte Gruppe, der weitblickende untersucht auch die Auswirkungen auf alle anderen Gruppen.

Diese elementaren Wahrheiten werden in der Praxis nicht selten missachtet. Hazlitt spricht von Menschen, die als glänzende Wirtschaftsexperten gelten, die das Sparen verurteilen und staatliche Verschwendung als Mittel zur Rettung der Wirtschaft empfehlen. Und wenn jemand auf die langfristigen Folgen dieser Politik hinweist, entgegnen sie leichthin, wie der auf großem Fuß lebende Sohn seinem warnenden Vater: "Auf lange Sicht – da sind wir doch sowieso alle tot."

Die Publikation ist fast 70 Jahre alt und könnte aktueller nicht sein: Themen wie staatliche Zinsmanipulation, Sparen, Inflation, Mindestlöhne oder Branchenrettung, wie die der Banken, sind aktueller und missverstandener denn je. Deshalb ist es wichtig zu wissen, was wirklich hinter den Begriffen steckt, wie sie zusammenwirken und welche praktischen Folgen (staatliche) Eingriffe haben. Als einer der ganz Großen der Österreichischen Schule vermittelt er in 24 kurzweiligen Kapiteln sein umfassendes Wissen, von Steuern über die Idee der Vollbeschäft¬igung bis zu Preisen und Inflation.

Fazit: Ein brillantes Buch über die Funktionsweise der Wirtschaft für jedermann in einer klaren und unmissverständlichen Sprache formuliert.


Details zur Publikation

Autor: Henry Hazlitt
Seitenanzahl: 260
Verlag: Finanzbuch Verlag
Erscheinungsort: München
Erscheinungsdatum: 2014

RiskNET Rating:

sehr gut Praxisbezug
sehr gut Inhalt
sehr gut Verständlichkeit
sehr gut Gesamtbewertung

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