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Rezension

Statistisches Urteilsvermögen schärfen

Der SchnellerSchlauerMacher für Zufall und Statistik

Frank Romeike [Chefredakteur RiskNET]23.12.2016, 08:49

Vorurteile und Aversionen gegenüber Mathematik und Statistik gibt es ausreichend. Die einen weisen darauf hin, dass man keiner Statistik trauen solle, die man nicht selbst gefälscht habe. Die anderen zitieren Benjamin Disraeli, den konservativen britischen Staatsmann und erfolgreichen Autor, der auf die drei Arten von Lügen verwiesen hatte: Lügen, infame Lügen und Statistik. Statistik gilt gemeinhin als kompliziert und theoretisch. Nicht selten dient die Ablehnung einzig und allein dem Zweck von der eigenen Inkompetenz abzulenken. Was man nicht versteht das lehnt man ab.

Für die Kommunikationswissenschaftlerin und Gründerin des Instituts für Demoskopie in Allensbach, Elisabeth Noelle-Neumann, ist Statistik hingegen das Informationsmittel der Mündigen. "Wer mit ihr umgehen kann, kann weniger leicht manipuliert werden. Der Satz: 'Mit Statistik kann man alles beweisen' gilt nur für die Bequemen, die keine Lust haben, genau hinzusehen.

Das Buch "Der SchnellerSchlauerMacher für Zufall und Statistik" führt nach der Lektüre primär zu einer höheren Mündigkeit. So lernen wir, dass der Zufall oft gar nicht so zufällig ist. Unser intuitives Verständnis von Zufälligkeit versagt recht schnell, wenn wir mit tatsächlicher Zufälligkeit konfrontiert werden. Der Autor zeigt auf, dass wir intuitiv eine große Ablehnung gegen Wiederholungen und Serien beim Zufall haben. Sequenzen die häufiger alternieren, als bei einem tatsächlich zufälligen Münzwurf zu erwarten wäre, werden in der Regel als zufälliger eingestuft. Oder anders formuliert: Unsere Intuition erwarten viel mehr Abwechslung in den Ergebnissen. Siehe hierzu: When a coin toss does not appear random: Causal belief and judgments of randomness.

Das kleine Büchlein von Christian Hesse, Professor für Mathematik an der Universität Stuttgart, bietet eine unterhaltsame und praxisorientierte Einführung in die Welt des Zufalls und der Statistik. Hierbei lernen wir ganz nebenbei, welche Strategie Ching-Chang-Chong (oder Schere-Stein-Papier, Schnick-Schnack-Schnuck, Klick-Klack-Kluck, Ro-Shan-Bo etc.) zu einer hohen Siegchance verhelfen.

Der Leser lernt ganz nebenbei, wie man optimal Lotto spielt oder auch aufs Lottospiel komplett verzichtet. Der Autor erzählt in kleinen Geschichten, dass auch Mutter Natur gerne knobelt. Es erklärt, warum jeder von uns jeden Monat in unserem Leben ein Wunder erwarten kann.

Das kleine Büchlein von Christian Hesse trägt vor allem dazu bei, dass die Vorurteile und Aversionen gegenüber Statistik abgebaut werden. Am Ende wird man voraussichtlich nicht mit Pythagoras von Samos einig sein, dass die Zahl das Wesen aller Dinge ist. Aber der Leser hat sein statistisches Urteilsvermögen geschärft und bewahrt sich und andere Statistik-Anwender vor Missverständnissen und "Fettnäpfchen".


Details zur Publikation

Autor: Christian H. Hesse
Auflage: 1. Auflage
Seitenanzahl: 271
Verlag: Springer Spektrum
Erscheinungsort: Berlin, Heidelberg
Erscheinungsdatum: 2016

RiskNET Rating:

sehr gut Praxisbezug
sehr gut Inhalt
sehr gut Verständlichkeit
sehr gut Gesamtbewertung

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