Rezension

Handbuch der Haftungsvermeidung im Unternehmen

Corporate Compliance

Christoph E. Hauschka (Hrsg.), Verlag C. H. Beck, 1.191 Seiten, München 2010.16.09.2010, 13:00

Der Begriff "Corporate Compliance" beinhaltet die Einhaltung, Befolgung, Übereinstimmung bestimmter Gebote. Hauschka weist darauf hin, dass Compliance zunächst nur verlangt, dass sich Unternehmen und Organe im Einklang mit dem geltenden Recht bewegen müssen. Bei Kapitalgesellschaften nach deutschem Recht (Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Aktiengesellschaft, Kommanditgesellschaft auf Aktien) ist diese Verpflichtung bereits Ausfluss der allgemeinen Sorgfaltspflicht der jeweils für die Geschäftsführung verantwortlichen Manager, wonach diese alles zu tun bzw. zu unterlassen haben, um Schaden von der Gesellschaft abzuwenden.

Das Ziel einer adäquaten Compliance-Organisation beinhaltet neben der Einhaltung gesetzlicher Normen jedoch auch unternehmensdefinierte Vorgaben (etwa einen "Code of Conduct"), um dadurch Haftungsansprüche oder andere Rechtsnachteile für das Unternehmen, seine Organe und Mitarbeiter zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Die Zielsetzung der Haftungsverschärfung – insbesondere resultierend aus dem anglo-amerikanischen Rechtsraum und vor dem Hintergrund diverser spektakulärer Unternehmenszusammenbrüche – verpflichtet die Unternehmen, Risikoprävention und Risikoüberwachungs- bzw. Frühwarnsysteme einzuführen.

Compliance verlangt folgerichtig die Einrichtung eines adäquaten Risikomanagements. Hauschka weist in dem Kontext darauf hin, dass zwischen Compliance-Risiken und anderen Unternehmensrisiken kein prinzipieller Unterschied besteht. Corporate Compliance stellt haftungsrechtlich die Verknüpfung zum Risikomanagement her.

Corporate Compliance ist jedoch nicht ausschließlich vor dem Hintergrund der Haftungsvermeidung und Risikoreduzierung bzw. -vermeidung zu betrachten. Vielmehr schafft Corporate Compliance die Möglichkeit einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sowie eine Verbesserung des Unternehmensratings.  Corporate Compliance kann daher – analog zum Risikomanagement – als eine wesentliche Säule einer wertorientierten Unternehmenssteuerung betrachtet werden. Daher sollte die Angst vor einer Transformation der vom Gesetzgeber aufoktroyierten Überregulierung in das Innenleben des Unternehmens unbegründet sein. Vielmehr führt eine professionelle Compliance-Organisation dazu, dass das Recht weitgehend "unsichtbar" wird und den Entscheidungsträgern eine volle Konzentration auf das operative Tagesgeschäft ermöglicht.

Das Werk – an dem insgesamt 49 Autoren mitgewirkt haben – gliedert sich in drei große Themenblöcke. Der erste Block befasst sich mit den Grundlagen, also der generellen Unternehmensorganisation und allgemeinen Rechtsfragen. Hier findet sich das unverzichtbare Basiswissen: Allgemeine Frage, wie beispielsweise die Ziele und die Instrumente einer Compliance-Organisation, zivil- und strafrechtliche Aufsichtspflichten, Delegationsmöglichkeiten bei Organpflichten oder gesellschaftsrechtliche Problemen, werden aufgeworfen und im Detail analysiert. Der anschließende zweite Themenblock beschreibt bereichs- und aufgabenspezifische Organisationsfragen: Der Bogen spannt sich in diesem Abschnitt etwa von den Möglichkeiten, die einer Rechtsabteilungen bei Compliance-Fragen zur Verfügung stehen, über das Arbeitsstrafrecht, Qualitätssicherung und -kontrolle bis hin zur Korruptionsbekämpfung, den adäquaten Reaktionen auf Unternehmenskrisen oder eine gar drohende Insolvenz und den Aspekten der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit auftauchenden Compliance-Problemen. Der abschließende dritte Themenblock befasst sich mit Branchenspezifika, etwa der branchenabhängigen Compliance-Organisation im Banken- und Wertpapierdienstleitungsbereich, in der Versicherungswirtschaft, in der Pharma- und der Chemie-Industrie oder der Abfallwirtschaft. Besonderheiten des e-commerce werden hier ebenso abgehandelt wie Gefahren der illegalen Beschäftigung am Bau. Gerade im dritten Block bleibt es nicht aus, dass die branchenspezifischen Fragestellungen eher an der Oberfläche behandelt werden. Selbstverständlich kann es nicht das Ziel des Handbuchs sein beispielsweise die besonderen Aspekte der Regulierung in der Banken- und Versicherungsbranche zu beschreiben.

Die Verfasser kommen fast ausschließlich aus dem Bereich der rechtsberatenden Berufe bzw. arbeiten in Rechtsabteilungen großer Unternehmen. Dieser Umstand stellt hohe Anforderungen an die Leser, die über eine adäquate juristische Basisausbildung verfügen sollten.

Fazit: Das von Hauschka herausgegebene Buch kann aufgrund der Darstellungstiefe, der Aktualität und Relevanz des Themas nicht nur dem "Compliance-Officer" und "Chief Risk Officer" bzw. Leiter Risk Management uneingeschränkt empfohlen werden. Vielmehr gehört es auf den Schreibtisch aller Führungskräfte in den Bereichen Einkauf, Vertrieb, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Informationstechnologie, Revision und Personal, die sich mit Compliance-Themen beschäftigen.


Rezension von
Dr. Anette Köcher

 

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Details zur Publikation

Autor: Christoph E. Hauschka (Hrsg.)
Seitenanzahl: 1191
Verlag: Verlag C. H. Beck
Erscheinungsort: München
Erscheinungsdatum: 2010

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