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Geopolitische Risikoanalyse

Weltweite Krisen verpassen Konsumklima empfindlichen Dämpfer

Redaktion RiskNET28.08.2014, 05:34

Die weltweiten Krisen haben zu einem Rückgang des deutschen Konsumklimas geführt. Nach Verbesserungen in den vergangenen Monaten trübte sich die Stimmung der deutschen Verbraucher entgegen der Erwartung von Experten ein, und besonders die Erwartungen fielen deutlich.

Die Konsumforscher der GfK ermittelten für September einen Rückgang ihres Indikators zum Konsumklima auf 8,6 von revidiert 8,9 Punkten im Vormonat. Zunächst hatte die GfK für August einen Stand von 9,0 Zählern ausgewiesen. Diesen Wert hatten verschiedene Ökonomen auch für September erwartet.

Die Konjunkturerwartung sei "regelrecht eingebrochen", erklärte GfK-Experte Rolf Bürkl. Sie verbuchte den deutlichsten Rückgang seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1980. Die Verbraucher sähen "die positive Konjunkturentwicklung gefährdet", konstatierte Bürkl.

"Das Konsumklima muss einen Dämpfer hinnehmen," resümierte die GfK insgesamt. Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung haben gegenüber dem Vormonat aber nur leicht verloren, während der Einbruch der Konjunkturerwartung vor dem Hintergrund der verschärften internationalen Lage erfolgt sei.

Die Eskalation der Situation im Irak, in Israel, der Ostukraine sowie eine sich schneller drehende Sanktionsspirale mit Russland hätten die bislang optimistischen Konjunkturaussichten der Bundesbürger negativ beeinflusst. "Die Verunsicherung im Hinblick auf die weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ist spürbar angestiegen", erklärte Bürkl.

Die Verbraucher bezögen die verschärfte geopolitische Lage zunehmend stärker in ihre Beurteilung darüber ein, wie sich die deutsche Konjunktur in den nächsten Monaten entwickeln werde. Der entsprechende Indikator verlor 35,5 Punkte und stürzte auf 10,4 Zähler ab. Einen solch starken Einbruch innerhalb eines Monats gab es laut GfK seit Beginn der Erhebung 1980 noch nicht. Damit habe die Konjunkturerwartung ihre Gewinne aus dem vergangenen Jahr fast komplett eingebüßt. Im August 2013 betrug ihr Wert laut GfK 1,8 Punkte.

Die Verbraucher gehen laut Bürkl davon aus, "dass die Konjunktur mindestens einen Gang zurückschalten dürfte". Da sich bislang für keinen der Krisenherde eine nachhaltige Lösung abzeichne, steigt bei den Bundesbürgern die Verunsicherung über mögliche Folgen für die deutsche Wirtschaft. Zu einer "reellen Gefahr für die deutsche Konjunktur" könnten nach der Erhebung vor allem die Sanktionen gegenüber Russland werden, die die Ausfuhren bereits spürbar beeinträchtigten.

Das Konsumforschungsinstitut wies darauf hin, dass die ersten vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal darauf hindeuteten, dass vor allem schwache Exporte und Investitionen für den Rückgang der Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal um 0,2 Prozent verantwortlich gewesen seien.

Die Forscher der GfK betonten zudem, dass auch die deutschen Unternehmen eine weitere Abschwächung der Konjunktur erwarteten, wie der aktuelle Ifo-Geschäftsklimaindex zeige. Der Indikator war am Wochenbeginn zum vierten Mal in Folge gefallen.

Bürkl betonte, der für September von der GfK ermittelte Indexrückgang sei der erste Rückgang des Konsumklimas seit Januar 2013. Dennoch weise der Indikator "nach wie vor ein recht hohes Niveau auf", hob der Experte hervor.

[ Bildquelle: © JiSign - Fotolia.com ]


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