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Boom auf den asiatisch-pazifischen Versicherungsmärkten

Zunehmendes Risikobewusstsein in Asien

Redaktion RiskNET25.03.2013, 08:15

Laut einer Studie des Rückversicherers Munich Re werden die Versicherungsmärkte im asiatisch-pazifischen Raum in den nächsten Jahren einen stürmischen Aufschwung verzeichnen. In der Erstversicherung wird bis 2020 weltweit ein Zuwachs von insgesamt 2,2 Bio. Euro erwartet, knapp die Hälfte davon (eine Bio. Euro) entfällt auf die Region Asien-Pazifik. Fast 70 Prozent (rund 670 Mrd. Euro) davon stammen aus aufstrebenden Märkten wie China und Indien.

Fünf der zehn wachstumsstärksten Erstversicherungsmärkte (Schaden/Unfall- und Lebensversicherung) werden künftig im asiatisch-pazifischen Raum zu finden sein. Munich Re geht davon aus, dass der chinesische Erstversicherungsmarkt bis 2020 im weltweiten Vergleich die höchsten Beitragszuwächse verzeichnen wird (zusätzlich 425 Mrd. Euro), gefolgt von den USA (zusätzlich 350 Mrd. Euro) und Japan (zusätzlich 157 Mrd. Euro).

"Emerging Asia": Aufstrebende asiatische Märkte

In der Schaden/Unfall-Erstversicherung wachsen die Beitragseinnahmen in "Emerging Asia" derzeit durchschnittlich um 11 Prozent pro Jahr und somit doppelt so stark wie in der zweitplatzierten Region Osteuropa. Michael Menhart, Chefvolkswirt bei Munich Re: "China, Indien und Indonesien werden im Schaden/Unfallsegment weltweit am stärksten wachsen. In China und Indien liegt das durchschnittliche Wachstum im Vorhersagezeitraum (2012–2020) bei über 12 Prozent, Indonesien erreicht knapp 10 Prozent." Demzufolge wird sich in Indonesien das Beitragsvolumen in der Schaden/Unfall-Erstversicherung von fast 3 Mrd. Euro (Stand 2012) bis 2020 auf 7,3 Mrd. Euro erhöhen, d.h. mehr als verdoppeln. Die durchschnittlichen Wachstumsraten anderer aufstrebender Märkte wie Vietnam, Philippinen, Malaysia und Thailand liegen zwischen 6 Prozent und 8 Prozent.

Ursachen für diese Entwicklung sind das zunehmende Risikobewusstsein der Bevölkerung und eine wachsende Mittelschicht. Steigende Sparquoten kurbeln die Nachfrage nach Lebens- und Krankenversicherungen an, veränderte Regulierungen und ein besserer Verbraucherschutz erhöhen die Nachfrage nach Kfz- und Haftpflichtversicherungen. Große Infrastrukturprojekte werden wiederum für einen Nachfrageschub bei Industrieversicherungen sorgen.
Trotz des erwarteten deutlichen Beitragswachstums werden die asiatischen Schwellenländer jedoch weiterhin erheblich unterversichert sein, insbesondere mit Blick auf die Folgen von Naturkatastrophen.

Gefahren aus Naturkatastrophen

Die Langzeit-Statistiken der GeoRisikoForschung von Munich Re belegen, wie verwundbar die asiatisch-pazifische Region insbesondere bei Naturkatastrophen ist: 40 Prozent der Naturkatastrophen, die sich seit 1980 weltweit ereigneten, und 45 Prozent der dadurch verursachten volkswirtschaftlichen Schäden betrafen den asiatisch-pazifischen Raum. Lediglich 18 Prozent dieser Schäden waren versichert. Zum Vergleich: In Nordamerika lag der Anteil der versicherten Schäden bei 64 Prozent. Auf die Region Asien-Pazifik entfielen zudem über die Hälfte aller Todesfälle in Folge von Naturkatastrophen.

Die Zahl der Wetterkatastrophen in der Region hat sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht – ein Trend, der sich wahrscheinlich fortsetzen wird. Steigende Bevölkerungszahlen, höhere Wertekonzentrationen in exponierten Gebieten sowie Wetterveränderungen mitbeeinflusst durch den Klimawandel lassen das Schadenpotenzial steigen. Da die Versicherungsdichte nicht im gleichen Maß zunehmen wird, kommen auf die Region wachsende Belastungen aus unversicherten Schäden infolge von Naturkatastrophen zu.

Nachhaltige und umfassende Lösungen erforderlich

Ludger Arnoldussen, im Vorstand von Munich Re verantwortlich für Asien-Pazifik: "Maßnahmen zur Schadenminderung sind ein wirtschaftlich sinnvolles Mittel, um die betroffenen Menschen nachhaltig zu schützen. Indem wir Risiken analysieren und reduzieren – und entsprechenden Versicherungsschutz bieten – tragen wir erheblich dazu bei, die humanitären und finanziellen Auswirkungen von Naturkatastrophen abzumildern." Arnoldussen weiter: "Die vorhandenen Lücken im Versicherungsschutz zu schließen, ist ein wichtiger Baustein für langfristiges Wachstum. Gleichzeitig müssen die Regierungen wirksame Finanzierungslösungen für Katastrophenrisiken einführen."

Zu den langfristigen Risikominderungsstrategien gehören ein bewusstes Vorgehen beim Ausweisen von Bauland, bessere Bauvorschriften und der Ausbau der Infrastruktur wie etwa Dämme. Aber auch Anreize, die der Nicht- oder Unterversicherung von Privathaushalten und Gewerbebetrieben entgegenwirken, können zur Bewältigung von Schäden aus Naturkatastrophen beitragen. Gleichzeitig muss die Versicherungswirtschaft ihre Risikoeinschätzung in der Region verbessern. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die rasante Entwicklung neue Spitzenexponierungen und Risikobrennpunkte hervorbringt, die sich auch auf die weltweiten Lieferketten auswirken können. Mit dem RiskMapper hat Munich Re ein Instrument entwickelt, das Kunden bei der Überwachung und Analyse dieser Gefährdungen unterstützt.

Angesichts der schweren Naturkatastrophen der letzten drei Jahre in der Region sowie der steigenden Risikoexponierung in den asiatischen Schwellenländern suchen einige Regierungen bereits nach Lösungen, wie sie besser mit Katastrophen umgehen können. Alternativen zu Katastrophenhilfen wie einmaligen Hilfszahlungen oder die Finanzierung des Wiederaufbaus aus Steuermitteln sollten Maßnahmen sein, die Risikominderung, Katastrophenvorsorge und Versicherungslösungen kombinieren.

Zudem wächst das Bewusstsein dafür, dass beim Umgang mit Naturkatastrophenrisiken die enge Zusammenarbeit des öffentlichen und des privaten Sektors sinnvoll sein kann. Munich Re bietet den Partnern in der Region nicht nur traditionelle Erst- und Rückversicherung an. Sie unterstützt sie auch bei der Entwicklung von speziellen Versicherungslösungen, die dazu beitragen können, die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes abzusichern.

 


[Bildquelle: © rangizzz - Fotolia.com]



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