News

Deutschland von Zinsanstieg am wenigsten betroffen

Wenn Geldpolitik zum Risiko wird ...

Redaktion RiskNET26.04.2017, 12:27

Deutsche Haushalte und Unternehmen würden nach Berechnungen der Allianz im europäischen Vergleich am wenigsten unter einem Anstieg der Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) leiden. Am stärksten betroffen wären einer aktuellen Studie zufolge portugiesische Haushalte sowie italienische und französische Unternehmen.

"Steigende Zinsen stellen für den Privatsektor in der Eurozone in Summe keine Gefahr dar. Auch bei einem deutlichen Zinsanstieg wird die relative Zinslast viele Jahre unter dem Vorkrisenniveau bleiben", fasst die Allianz die Ergebnisse ihrer Untersuchung zusammen. Die Allianz leidet besonders stark unter den anhaltend niedrigen Zinsen und fordert seit längerem eine Normalisierung der Geldpolitik.

Im wahrscheinlichsten Szenario - die Allianz unterstellt eine Anstieg des Leitzinses ab 2019 auf 2 Prozent bis 2022 - werden die jährlichen Zinszahlungen der Privaten im Euroraum um 160 Milliarden Euro steigen - nach einer Entlastung von nahezu 200 Milliarden Euro in den Jahren der extremen Niedrigzinsen.

Private deutsche Zinslast könnte 2022 bei 3,1 Prozent des BIP liegen

Im Falle des oben beschriebenen moderaten Zinsanstiegs würde sich die Zinslast der portugiesischen Haushalte und Unternehmen laut Allianz 2022 auf 4,7 (2016: 3,3) Prozent erhöhen. Im Falle Italiens käme es zu einem Anstieg auf 4,1 (3,29) Prozent, Frankreichs Zinslast würde auf 3,8 (3,0), Spaniens auf 3,6 (2,7) Prozent und Deutschlands auf 3,1 (2,6) Prozent.

Die Allianz weist darauf hin, dass der Privatsektor im Gegensatz zu den Staaten die vergangenen Jahre dazu genutzt hat, seine Schuldenlast zu reduzieren. "Gemessen an der Wirtschaftsleistung sind die privaten Schulden im Euroraum seit ihrem Höhepunkt im Jahr 2009 immerhin um 16 Prozentpunkte zurückgegangen", heißt es in dem Papier.

Zusammen mit dem dramatischen Fall der Zinsen habe dies zu einer kräftigen Reduzierung der Zinszahlungen geführt. Die Schuldendienstquote (Zinszahlungen in Prozent des BIP) sei um 3,4 Prozentpunkte auf nur noch 3,0 Prozent zurückgegangen. "Damit lag sie auch deutlich unter den Werten der Vorkrisenjahre (etwa 5 Prozent und höher)."

Privatsektor sparte 2008 bis 2016 rund 1.550 Milliarden Euro Zinsen

Die jährlichen Zinszahlungen gingen zwischen 2008 und 2016 um rund 300 Milliarden Euro zurück. In kumulativer Rechnung sparte der Privatsektor laut Allianz etwa 1.550 Milliarden Euro in dieser Zeit.

Am stärksten profitierten dabei die privaten Schuldner in den Krisenländern, neben Irland vor allem in Spanien und Portugal, wo die Schuldendienstquote um rund 7 Prozentpunkte fiel. In den Euro-Kernländern, in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Belgien, waren die Zinserleichterungen dagegen nicht so ausgeprägt, mit im Schnitt 2,3 Prozentpunkte aber immer noch substanziell.

[ Bildquelle: © Andrey Popov - Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Analyse

Der Euro als Welt-Reservewährung?

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.26.09.2018, 15:00

Der deutsche Außenminister hat vor kurzem einen interessanten Vorschlag zur Weiterentwicklung der Europäischen Union gemacht. Europa solle, so sagt er, "von den USA unabhängige Zahlungskanäle...

Kolumne

Der Wind dreht sich

Ende der Austerität?

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.21.09.2018, 07:45

Eine der erfreulichsten Entwicklungen der letzten Jahre war die Konsolidierung der Staatsfinanzen in vielen Industrieländern. Im Euroraum hat sich der Fehlbetrag in den öffentlichen Haushalten von...

Kolumne

BCM Kompass 2018

Herausforderungen im Business Continuity Management

Christof Born | Marc Daferner06.09.2018, 14:03

Der BCM Kompass 2018 stieß auch mit seiner 9. Auflage auf gewohnt breites Interesse bei den BCM Verantwortlichen aus 29 teilnehmenden Instituten. Das Teilnehmerfeld umfasst unter anderem sechs der...

Kolumne

Chancen- und Risikoanalyse

Das "neue Deutschland"

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.06.09.2018, 13:14

Normalerweise schätze ich die britische Wochenzeitung "Economist" für ihre klaren Analysen und für ihr gutes Gespür für Trends in Wirtschaft und Gesellschaft. Aber selbst gute Journalisten...

Kolumne

Künstliche Intelligenz

Deep Learning in der Cashflow-Modellierung

Daniel Klinge | Lars Holzgraefe [Sopra Steria Consulting]14.08.2018, 07:19

Für die Bewertung optionaler Komponenten in der Cashflow-Modellierung von Kreditgeschäften greifen Banken in der Praxis in der Regel auf zwei Methoden zurück: Entweder baut ein Institut Zahlungen,...