Kolumne

Japan macht die Geldhelikopter klar

Wenn es Geld vom Himmel regnet

John J. Hardy [Saxo Bank]13.07.2016, 09:59

Bei den Oberhauswahlen in Japan an diesem Wochenende hat die Regierungskoalition einen starken Sieg eingefahren, der dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzō Abe die nötige Zweidrittelmehrheit bescherte, mit der er sein größtes politisches Ziel ansteuert: eine Reform der pazifistischen Verfassung Japans. Von unserer Warte aus könnte dies erhebliche geopolitische Konfrontationen auslösen, doch die Finanzmärkte konzentrierten sich stärker darauf, wie die weitreichende Befürwortung der Regierung Abe (trotz der eindeutig holpernden Wirtschaft und der neuen Risiken einer Deflationsspirale) auf das Potenzial für konsequentere wirtschaftspolitische Maßnahmen hindeutet.

Und diesmal wird die Wirtschaftspolitik nicht im Alleingang von der japanischen Zentralbank stammen; die Zentralbank soll lediglich Geld in Abstimmung mit der Regierung drucken und so massive neue finanzielle Anreize schaffen – sogenanntes "Helikoptergeld". In einer Regierung mit Helikoptergeld ist die Zentralbank ausschließlich für das Stopfen von Finanzlöchern zuständig, während das Geld direkt in die Wirtschaft gepumpt wird, damit die Endnachfrage steigt, also nicht in erfolglose Wertpapierkäufe. Dieser Plan folgt auf das fortlaufende QQE-Wertpapieraufkaufprogramm, das trotz dem gewaltigen Anteil von etwa 15 Prozent am japanischen BIP pro Jahr nicht in der Lage war, das Wiedererstarken der Deflationskräfte nach dem Einbruch der Rohstoffpreise, die nachlassende Inlandsnachfrage und die aggressive Entwertung des chinesischen Renminbi gegenüber anderen asiatischen Währungen zu parieren. Seit dem vermurksten Versuch der japanischen Zentralbank Ende Januar, den Märkten mit einer Negativzinspolitik zu imponieren, ist der japanische Yen dabei rund 20 Prozent stärker gegenüber dem Renminbi geworden. Der offizielle Lärm hinsichtlich des Potenzials frischer Finanzanreize hat kürzlich ein Crescendo erreicht, als sich ein Regierungsbeamter für ein 20 Billionen Yen schweres Programm aussprach. Dieses Programm läge mit seinem Anteil von 4 Prozent am japanischen BIP gleichauf mit dem massiven US-amerikanischen TARP-Paket, das während der Finanzkrise 2008/09 aufgelegt wurde.

Interessanterweise wird Ben Bernanke, ehemaliges Vorstandsmitglied der US-Notenbank, in dieser Woche nach Japan reisen und dort mit japanischen Regierungsangehörigen (unter anderem Premierminister Abe selbst) und mit Haruhiko Kuroda, dem Präsidenten der japanischen Nationalbank, zusammentreffen. Bernanke hatte sich Ende der 1990er Jahre und Anfang der 2000er Jahre äußerst kritisch zu Japans Geldpolitik geäußert, und ihm wird zugeschrieben, den ursprünglich von Milton Friedman stammenden Ausdruck des "Geld abwerfenden Helikopters" wiederbelebt zu haben, wenn es um Japans politische Fehltritte und ihre mögliche Vermeidung geht.

Mit oder ohne die provokative Vorstellung, dass Bernanke Japan aktiv bei den nächsten politischen Schritten berät, liegt das nächste Schlüsselerlebnis für den Yen beim Meeting der japanischen Zentralbank am 29. Juli, auch wenn die Regierung Abe theoretisch jederzeit ein Finanzprogramm ankündigen könnte – und die Zentralbank brav einstimmt, dass sie ihre Maßnahmen gemäß den neuen Haushaltsausgaben der Regierung anpasst und die Erträge für Anleihen niedrig hält.

Die längerfristige Frage lautet: Ist Helikoptergeld (oder eine andere Maßnahme) in der Lage, Japan aus der Schuldenspirale ziehen, die durch den starken Bevölkerungsrückgang noch verschärft wird? Wenn Japan nichts tut, riskiert das Land den wirtschaftlichen Zusammenbruch aufgrund der Deflation. Zu viel Geld drucken, und Japan könnte sich plötzlich in einer schmerzhaften Inflation wiederfinden, wenn das geldpolitische Experiment nach hinten losgeht und das Helikoptergeld eher wie die Explosion eines Meth-Labors aussieht. Helikoptergeld ist auf jeden Fall ein neues Pferd im finanzpolitischen Stall, und noch dazu ein Exemplar, das die Inflation deutlich effektiver herbeiführen wird – selbst eine Inflation der zerstörerischen, finanziell repressiven Sorte. Und falls Sie sich das jetzt fragen: Ja, eine zerstörerische, finanziell repressive Inflation ist schlecht für eine Währung. Der Yen kann sich noch eine Weile stärker behaupten, aber wenn japanisches Helikoptergeld in Marsch gesetzt wird, erntet Japan als "Belohnung" eine Schwächung seiner Währung als erste treibende Kraft auf dem Weg zu einer neuen Phase der weltweiten Währungskriege. Und wenn Abe sein Ziel einer neuen, weniger pazifistischen Verfassung umsetzen kann, dann dürfte ein Großteil dieses Helikoptergeldes in Ausgaben für militärische Ausrüstung und dann auch zwangsläufig für Helikopter fließen. Helikoptergeld im wahrsten Sinne des Wortes.

Autor:

John J. Hardy, Head of FX Strategy bei der Saxo Bank

John J. Hardy, Head of FX Strategy bei der Saxo Bank

[ Bildquelle: © denisismagilov - Fotolia.com ]


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