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Weltwirtschaftsausblick

Weltweite Exportumverteilung durch Wechselkurse

Redaktion RiskNET29.09.2015, 08:48

Die Exportwirtschaft eines Landes profitiert nach Erkenntnissen des Internationalen Währungsfonds (IWF) signifikant von einem Rückgang des effektiven Wechselkurses. Wie der IWF in seinem aktuellen Weltwirtschaftsausblick berichtet, profitieren die Euro-Länder und - etwas weniger deutlich - Japan von niedrigeren Wechselkursen, während die USA und Länder mit Dollar-Bezug Verluste hinnehmen müssen.

Laut IWF geht ein zehnprozentiger Rückgang des realen, handelsgewichteten Wechselkurses mit einem Anstieg der Nettoexporte um 1,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung einher. Allerdings, so räumt der IWF ein, gibt es beträchtliche Schwankungen um diesen Mittelwert herum. So seien die Effekte für jene Länder am stärksten, in denen die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten nicht voll ausgelastet sind und das Bankensystem in Ordnung ist.

Der US-Dollar hat seit Mitte 2014 um mehr als 10 Prozent aufgewertet, der Euro seit Anfang 2014 um 10 Prozent abgewertet und der Yen seit Mitte 2012 sogar um 30 Prozent. Deutliche Wechselkursbewegungen gab es auch in China, dessen effektiver Wechselkurs seit Mitte 2014 um 15 Prozent zulegte, in Brasilien (minus 24 Prozent) und Russland (minus 28 Prozent).

Laut IWF wurden beispielsweise die realen Nettoexporte Russlands, Kanadas und Schwedens durch den Wechselkurs um mehr als 1,5 Prozent gehoben. Schwächer (0,5 bis 1,5 Prozent) legten sie in Deutschland, Frankreich, Spanien und - trotz sehr starker Abwertung - in Brasilien und Japan zu. Nur sehr wenig profitierten Italien, Finnland und Portugal.

Die deutlichsten Einbußen bei den Nettoexporten - mehr als 3 Prozent der Wirtschaftsleistung - verzeichneten Länder wie Vietnam, Venezuela und Afghanistan. Einer Gruppe mit Verlusten zwischen 1,5 und 3,0 Prozent gehören unter anderem China, die Schweiz und Großbritannien an. In den USA, Indien, Argentinien und Kasachstan verringerten sich die Nettoexporte um 0 bis 1,5 Prozent.

Die IWF-Experten kommen zu dem Ergebnis, dass die Wechselkurseffekte mehrere Jahre brauchen, um ihre volle Wirksamkeit zu entfalten, dass der größte Teil der Wirkung bereits innerhalb des ersten Jahres eintritt. Der Euro hat seine stärkste Abwertung zwischen Ende 2014 Frühjahr 2015 erlebt.

[ Bildquelle: © Robert Kneschke - Fotolia.com ]


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