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Protektionismus, Misstrauen, Populismus

Warnung vor Weltwirtschaftskrise

Redaktion RiskNET30.11.2016, 20:16

Dennis Snower, Präsident des Kieler IfW-Instituts, warnt vor einer neuen Weltwirtschaftskrise. "Wir erleben ein gefährliches Deja-vu der 30er Jahre: Protektionismus, Misstrauen, Populismus", sagte Snower im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung über die Auswirkungen des Wahlsiegs von Donald Trump und anderer Ereignisse wie den Brexit.

"Wenn alles schiefgeht, könnten Strafzölle einen Handelskrieg auslösen. China würde sich revanchieren", analysiert Snower die von Trump angekündigten Strafzölle gegen China und andere Staaten. "Wenn es schiefgeht, könnte eine neue Weltwirtschaftskrise entstehen", sagte Snower, der unter der deutschen G20-Präsidentschaft ab 1. Dezember die Arbeit der Denkfabriken aus den Staaten koordiniert.

Der Ökonom sieht Europa in der Verantwortung. "Die EU ist das einzige Experiment transnationaler Kooperation, das über Handelspolitik hinausgeht. Europa muss der Welt die Vorteile einer solchen Zusammenarbeit demonstrieren, damit sie sich verbreitet - und nicht die Abschottung a la Trump." Aber Europa habe gerade eigene Probleme.

Die Weltwirtschaft ist in der Endphase

Claudio Borio, Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, bestätigt diese kritische Sicht. In einem Interview (siehe Süddeutsche Zeitung vom 1. Dezember 2016) weist er darauf hin, dass die Welt überschuldet und die Zentralbanken überfordert seien. Der BIZ-Experte verweist auf besorgniserregende Signale und ist davon überzeugt, dass die Weltwirtschaft eine erneute Krise nicht so leicht überstehen würde: „Wir könnten dann einen historischen Bruch erleben. Wir sind in der Endphase und sollten alles tun, um das zu vermeiden.

Nach Ansicht von Claudio Borio ist vor allem gefährlich, dass es kaum noch politischen Spielraum gibt, weder bei den Staatsfinanzen noch bei der Geldpolitik. Außerdem sind die privaten und öffentlichen Schulden so hoch wie nie in der Geschichte. Mit einem Blick auf die Zentralbanken kritisiert er, dass die Zentralbanken an ihr Limit gegangen sind: „Wenn man einem Marsmenschen sagen würde, dass die Zentralbanken mit ihren Maßnahmen stabile Preise erreichen wollten, dann wäre der Mensch vom Mars sehr überrascht, weil die Preise eigentlich stabil sind.“ In diesem Kontext wies Borio darauf hin, dass es nur eine sehr schwache Verbindung zwischen Deflation und geringem Wachstum gibt. So stellt sich die Frage, ob das selbst gesetzte Inflationsziel von zwei Prozent überhaupt eine sinnvolle Zielgröße ist. Claudio Borio: "Ob eine Deflation gefährlich ist oder nicht, hängt immer davon ab, was der Auslöser ist."

[ Bildquelle: © trahko - Fotolia.com ]


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