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Marktanalyse

Wachsende Anzahl "Zombiefirmen"

Redaktion RiskNET18.09.2017, 10:25

Der bei der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) für Wirtschaft und Währungen zuständige Abteilungsleiter Claudio Borio hat die Geldpolitik für aktuelle Übertreibungen an den Finanzmärkten verantwortlich gemacht. In einem Kommentar zur Veröffentlichung des BIZ-Berichts für das dritte Quartal 2017 sagte Borio, die niedrige Volatilität an den Anleihemärkten und deren niedrige Renditen seien wahrscheinlich Folge der global nur zögerlichen Normalisierung der Geldpolitik. Borio warnte zudem vor einer Überbewertung der Aktienmärkte und den möglichen Folgen eines Zinsanstiegs. 

Borio nannte die niedrige Volatilität an den Finanzmärkten "bemerkenswert", machte aber einen Unterschied zwischen Aktien- und Anleihemärkten. Während eine niedrige Volatilität von Aktienkursen in Zeiten einer Straffung der Geldpolitik mehr oder weniger normal sei, weiche der "drastische" Rückgang der am Move-Index gemessenen Anleihevolatilität vom üblichen Muster ab. 

Wörtlich heißt es in Borios Stellungnahme: "Die Faktoren, die hier am Werk waren, lassen sich nicht vollständig nachvollziehen. Doch sicherlich spielte das außergewöhnlich langsame Tempo der geldpolitischen Normalisierung eine Rolle." Ein weiterer Faktor könnte Borio zufolge die Ansicht der Marktteilnehmer gewesen sein, dass die Zentralbanken einschreiten würden, falls es zu unerwünschten Spannungen an den Märkten käme. 

Seiner Einschätzung nach unterstreicht all dies, wie stark sich die Vermögenspreise auf die nun schon so lange Zeit extrem niedrigen Anleiherenditen stützen. "Es stimmt natürlich, dass die Gewinnmeldungen in letzter Zeit erfreulich gewesen sind, doch die Bewertungsindikatoren auf Basis des langfristigen konjunkturbereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnisses, welche die Anleiherenditen nicht berücksichtigen, weisen darauf hin, dass die Aktienkurse ziemlich überhöht sein könnten", gibt Borio zu bedenken. Nur wenn man den niedrigen Anleiherenditen Rechnung trage, schienen die Bewertungen historischen Referenzwerten zu entsprechen. 

Laut Borio hat die extrem lockere Geldpolitik bei all dem eine Rolle gespielt. Dies mache deutlich, wie wichtig es sei, das Ausbleiben der Inflation zu verstehen, denn die Inflation sei der "Leitstern der Zentralbanken". 

Borio warnte: "Eine entscheidende Frage für die Weltwirtschaft ist in der Tat, wie anfällig die Bilanzen womöglich gegenüber steigenden Zinssätzen sind. Seit der Großen Finanzkrise sind die weltweiten Schulden im Verhältnis zum BIP weiter gestiegen." 

Der BIZ-Experte weist darauf hin, dass die Schuldendienstquoten derzeit nur deshalb so niedrig sind, weil die Zinsen so stark gefallen sind. "Der anhaltende Rückgang der Zinsen auf ein ungewöhnlich niedriges Niveau, ungeachtet der Stärke der zugrundeliegenden Wirtschaft, schafft Bedingungen, die eine anschließende Rückkehr der Zinsen auf normalere Niveaus schwierig machen", konstatierte er. Vor diesem Hintergrund verheiße der wachsende Anteil an so genannten Zombiefirmen - Unternehmen, deren Erträge nicht ausreichten, um die Zinsaufwendungen zu decken - nichts Gutes. 

[ Bildquelle: © perfectlab - Fotolia.com ]


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