News

Geldpolitik

Vorsichtige Gangart der EZB gelobt

Redaktion RiskNET17.11.2017, 19:59

Die Chefs zweier europäischer Großbanken haben die vorsichtige Gangart der Europäischen Zentralbank (EZB) bei der Normalisierung ihrer Geldpolitik gelobt. Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, sagte, die Vorsicht der EZB werde ihre Geldpolitik letzten Endes zu einem Erfolg machen. Der Chef von BNP Paribas, Jean Lemierre, lobte die EZB dafür, bisher keinen Endtermin für ihr Wertpapierankaufprogramm APP genannt zu haben.

"Diese Nachricht, dass es vorsichtig gemacht werden soll, über einen längeren Zeitraum und nicht abrupt, wird dazu führen, dass die Änderungen der Vermögenswertpreise am Ende zu einem Erfolg der Geldpolitik, nämlich einer optimaleren Preisstabilität führen", sagte Cryan bei der Euro Finance Week in Frankfurt. Die EZB könnte in dieser Hinsicht von der Fed lernen.

Laut Cryan hat die Geldpolitik von Fed und EZB bisher vor allem zu einer Inflation der Vermögenswertpreise geführt. In einem nächsten Schritt müsse es nun auch zu einer breiteren Inflation bei Preisen und Löhnen kommen.

Zuvor hatte EZB-Präsident Mario Draghi dem Auditorium versichert, dass die EZB ihre lockere Geldpolitik fortsetzen werde, bis die grundlegende, mit dem Arbeitsmarkt und den Löhnen zusammenhängende Inflation ausreichend Schwung gewonnen habe. "Wir müssen geduldig sein", sagte er.

Der EZB-Rat hatte am 26. Oktober beschlossen, das Monatsvolumen der Anleihekäufe ab 2018 auf 30 (derzeit: 60) Milliarden Euro zu verringern, die Ankäufe aber bis mindestens Ende September fortzuführen. Zugleich bekräftigte der Rat die Forward Guidance, dass die Leitzinsen erst deutlich nach dem Ende des Nettoerwerbs von Anleihen angehoben werden sollen.

Jean Lemierre sagte unter Verweis auf das 2013 vom damaligen Fed-Chairman Ben Bernanke bei einer Kongress-Anhörung ausgelöste Taper Tantrum, einen weltweiten Anstieg der Zinsen: "Der Hauptunterschied zwischen Mario Draghis Rede und der Rede, die wir vor einigen Jahren in Washington gehört haben, ist, dass es kein Timing gibt, und das ist wirklich gut."

[ Bildquelle: © roni kurniawan - Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Kolumne

Das unterschätzte Katastrophenszenario

Europaweiter "Blackout"

Herbert Saurugg06.12.2017, 17:56

In den letzten Monaten häufen sich die Berichte über einen mögliches Strom- und Infrastrukturausfall beziehungsweise über die Vorbereitungsmaßnahmen verschiedener Organisationen und Kreise. Der...

Studie

Enterprise Risk Management

Risikomanagement im Spiegel deutscher Fachbücher

Jan Braunschmidt | Christina Trageser | Leonhard Knoll17.11.2017, 10:10

Risikomanagement hat als Subdisziplin im Grenzbereich zwischen Betriebswirtschaftslehre und angewandter Mathematik/Statistik seit der Jahrhundertwende eine immer größere Bedeutung erlangt. Dies gilt...

News

RiskNET Summit 2017: Nachlese, 2. Tag

Kultur, Methoden, Chancenmanagement

Redaktion RiskNET27.10.2017, 23:32

"Wo Kriegsgewinnler Hummer essen." So titelt es aktuell Spiegel Online und nennt den Ort "Warlord City in Somalia". Dort, wo im Country Club der somalischen Hauptstadt Mogadischu...

News

RiskNET Summit 2017: Nachlese, 1. Tag

Vom gelebten Risikomanagement …

Redaktion RiskNET25.10.2017, 06:30

"Es könnte alles so einfach sein …" sang die Gruppe "Die Fantastischen Vier" schon vor Jahren. Und die Jungs folgern in ihrem Song: "Ist es aber nicht". Das Lied verrät...

Kolumne

Methoden im Risikomanagement

Komplex oder kompliziert – das ist die Frage

Frank Romeike | Herbert Saurugg06.10.2017, 11:02

Nachdem wir immer wieder auf die fälschliche Verwendung des Begriffs "Komplexität" stoßen, möchten wir mit diesem Beitrag eine einfach verständliche Erklärung liefern, was unter Komplexität...