Studie

Kritik an mangelnder Unabhängigkeit interner Revisoren

Unangemessene Revisionskultur

Redaktion RiskNET30.10.2015, 09:10

Um die Unabhängigkeit Interner Revisoren steht es schlecht in Deutschland. Zu diesem Ergebnis ist eine Befragung durch Transparency International Deutschland gekommen. Demnach gaben 65 Prozent der Teilnehmer an, in der Vergangenhei unangemessene Beeinflussungsversuche erlebt zu haben. Bei fast 50 Prozent der Befragten ging es um eine Beschönigung der Prüfergebnisse. Rund 30 Prozent erklärten, Ergebnisvorgaben erhalten zu haben oder zu Ergebnisfälschungen gedrängt worden zu sein (Mehrfachantworten waren möglich).

Interne Revisoren prüfen in Unternehmen und Behörden Geschäftsprozesse und -ergebnisse. Ihr Aufgabenbereich wird durch die Leitung der jeweiligen Organisation, durch Verbandsstandards der Internen Revisoren, aber in bestimmten Bereichen auch durch den Gesetzgeber definiert, beispielsweise im Aktiengesetz (§ 91 Abs. 2 AktG), im Versicherungsaufsichtsgesetz (§ 64a Abs. 1 VAG) für Versicherungsunternehmen oder im Kreditwesengesetz (§ 25a Abs. 1 Nr. 1 KWG) für Kreditinstitute. Darüber hinaus werden Funktion und Aufgaben der Internen Revision bei Finanzdienstleistern durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) genauer definiert. Interne Revisoren sollen zur internen Transparenz und Integrität von Unternehmen beitragen. "Dieses Ziel ist gefährdet, wenn Revisoren starkem Druck ausgesetzt werden, der darauf zielt, dass lediglich 'erwünschte' Prüfergebnisse berichtet und ‚unerwünschte‘ Ergebnisse verschwiegen oder verschleiert werden", warnt Norbert Graf Stillfried, Leiter der Arbeitsgruppe Wirtschaft von Transparency International Deutschland.

"Der Fall VW macht deutlich, dass die derzeitigen internen Prüfverfahren und Risikoanalysen ihr Ziel nicht mit ausreichender Sicherheit erreichen – weil sie nicht tief genug gehen, nicht beachtet, oder sogar unterdrückt werden. Interne Revisoren müssen direkten Zugang zu den Kontrollorganen ihrer Unternehmen haben. Die Verantwortlichen in den Unternehmen gehen ein gewaltiges persönliches und unternehmerisches Risiko ein, wenn sie die Internen Revisoren und Compliance-Beauftragten nicht respektieren und ihre Warnungen nicht ernst nehmen", erklärte dazu Edda Müller, Vorsitzende von Transparency International Deutschland.

Transparency International fordert,

  • dass Unternehmen, Kammern und Verbände sich für eine verbesserte Stellung der Innenrevisoren einsetzen;
  • dass die Politik gesetzliche Maßnahmen zum verstärkten Schutz von Internen Revisoren ins Auge fasst – sei es in Form einer Ergänzung des Kündigungsschutzes oder in einem eigenen Gesetz, das Rechte und Pflichten der Innenrevisoren generell regelt;
  • dass die Wissenschaft die aufgezeigten Risiken und die Möglichkeiten, die Unabhängigkeit der Revisoren zu sichern, systematisch untersucht.

Die 95 Teilnehmer der Umfrage sind in der Regel aktive Interne Revisoren und kommen aus einer Vielzahl von Branchen (Gesundheit, Versicherungen, Banken, Industrieunternehmen, staatliche Einrichtungen etc.). In zwei Dritteln der Fälle sind sie in großen und sehr großen Unternehmen (mehr als 1.000 Mitarbeiter) in Deutschland beschäftigt und durchschnittlich bereits über 11,5 Jahre als Revisor tätig. Die Ergebnisse der Befragung erheben keinen Anspruch auf Repräsentativität für die gesamte Gruppe der Revisoren.

Anlass für die Befragung waren einzelne Berichte über die Ausübung von erheblichem Druck auf interne Revisoren. Bisher war nicht ersichtlich, ob es sich bei den berichteten Pressionen um Einzelfälle oder um eine verbreitete Praxis im Umgang mit Internen Revisoren handelt. Die AG Wirtschaft von TI-Deutschland führte deshalb ab Juni 2015 eine web-basierte, offene und anonyme Befragung durch.

Ausführlichen Ergebnissen

Ergebnisband

[ Bildquelle: © bzyxx - Fotolia.com ]


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