News

EZB im Interessenkonflikt

Trennung von Geldpolitik und Bankenaufsicht dringend nötig

Redaktion RiskNET22.01.2016, 21:03

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat eine Trennung von Geldpolitik und Bankenaufsicht im Euroraum gefordert. Bei einer Rede zur Verabschiedung von ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte Schäuble: "Der Lissabon-Vertrag sieht die Möglichkeit von Vertragsänderungen in einem vereinfachten Verfahren vor. Das könnte bei der Trennung von Geldpolitik und Bankenaufsicht funktionieren, was dringend nötig wäre, wenn ich mir die Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre ansehe."

Die EZB hält die Leitzinsen seit längerer Zeit bei null, was besonders für deutsche Institute zunehmend zum Problem wird. In diesem Jahr will sich die EZB nach eigenen Angaben in ihrer Rolle als Bankenaufseherin verstärkt um die Überprüfung von Geschäftsmodellen und Gewinnaussichten von Banken kümmern.

Die EZB ist seit 1999 für die Geldpolitik der Euro-Länder zuständig und seit November 2014 zusätzlich für die Bankenaufsicht. Kritiker sehen die Gefahr von Zielkonflikten zwischen beiden Geschäftsbereichen. Die EZB versucht diesen Konflikt durch ihre möglich strikte Trennung zu entschärfen.

Schäuble selbst sagte in seiner Rede, dass die EZB die Bankenaufsicht übernommen habe, liege an der Auffassung, dass die Schaffung einer gesonderten Bankenaufsicht eine Änderung des europäischen Primärrechts erfordere. Schäuble stellt diesen Konsens nun offenbar in Frage.

Wolfgang Schäuble ist seit 2009 Bundesminister der Finanzen.

[ Bildquelle: © StefanieB. - Fotolia.com / Bild Schäuble: ifo Institut ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Interview

Interview mit Christian Bluhm, Group CRO, UBS

Die Zukunft gehört den Stresstestmodellen

Redaktion RiskNET29.11.2016, 08:00

Eine vor wenigen Jahren durchgeführte Studie des Kompetenzportals RiskNET legte Optimierungspotenziale im unternehmerischen Risikomanagement offen: Mehr als 50 Prozent der rund 580 befragten...

Kolumne

Risk Governance

Blind im Risiko-Wald

Arnd Wiedemann | Volker Stein21.11.2016, 08:00

Wenn die Unternehmensleitung den Risiko-Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht, fällt ihr auch das strategische Entscheiden schwer. Ein neuer Denkansatz der Universität Siegen rückt den...

News

RiskNET Summit 2016: Nachlese, 2. Tag

Von Unsicherheiten und Risiken im globalen Maßstab

Redaktion RiskNET11.11.2016, 09:17

"Europa muss handlungsfähig werden. Die Wirtschaftsbeziehungen leiden. Unberechenbarkeit Trumps." Drei Schlagzeilen zur Präsidentschaftswahl Donald Trumps, die eine Botschaft bereithält:...

News

RiskNET Summit 2016: Nachlese, 1. Tag

Risikomanagement zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Redaktion RiskNET10.11.2016, 12:30

"Die alten Mauern schweigen und reden zugleich. Sie wollen schweigend gewürdigt werden, freuen sich aber nicht minder über das neue Leben und Treiben, das um sie herrscht." Mit diesen...

Interview

Interview mit David X. Li

Entscheidend sind die quantitativen Methoden

Redaktion RiskNET02.11.2016, 11:52

Nach der Pleite von Lehman Brothers im September 2008 und der anschließenden Finanzkrise suchte die Öffentlichkeit nach Ursachen, Erklärungen und nicht zuletzt Schuldigen. Durch die vielbeachteten...