News

Komplexität der Bankenregulierung

Tabu Banken-Deregulierung

Dr. Oliver Everling10.09.2015, 20:29

"Der Handlungsdruck lässt nach. Ich habe die Hoffnung, dass wir künftig etwas mehr regulatorische Kontinuität haben werden", sagt Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, in seinem Impulsvortrag zum Thema "Liquidität und Kontinuität – Rahmenbedingungen für eine stabile Bankenlandschaft und Wirtschaft" auf der 20. Handelsblatt Jahrestagung "Banken im Umbruch" in Frankfurt am Main.

Mehr Einfachheit und weniger Risikosensitivität stellt Hufeld als "Rolle Rückwärts" dar und greift die Leverage Ratio an. "Wir sollten die Schwächen der Modelle beseitigen", fordert Hufeld auf und redet der weiteren Verwendung von Modellen das Wort. "Ich könnte mir für einige Risikoarten hybride Modelle vorstellen", sagt Hufeld und skizziert, was er darunter versteht: die Kombination von internen Modellen wie auch Standardansätzen. Hufeld geht auf den von Vorrednern angeprangerten, schon heute zu großen Umfang der Regulierung nicht ein.

Hufeld diskutiert mit Sven Giegold, Finanzpolitischer Sprecher im Europäischen Parlament, Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Gerhard Hofmann, Mitglied des Vorstandes des BVR und Vizepräsident der EACB, Johannes-Jörg Riegler, Vorstandsvorsitzender der BayernLB, und Wolf Schumacher, Vorsitzender des Vorstands der Aareal Bank.

Grillo lässt keinen Zweifel an der Bedeutung der Banken für die Realwirtschaft. "Das Thema angemessene Regulierung ist schwierig", sagt Grillo, will aber darin nicht den einzigen Schlüssel zur Lösung aller Probleme sehen. Das Denken der Banker müsse geändert werden, das sei für die Industrie wichtig, um mit Banken als Partnern umgehen zu können.

Erst musste man Betriebswirt sein, dann Mathematiker und heute muss man Jurist sein, um Banker zu werden, sagt Riegler.  Schumacher sagt klar: "Wir haben zu viel Regulierung. Es steht Kontrolle im Vordergrund, nicht Vertrauen." Mit immer neuen Modellen der Vergütung schaffe man kein Vertrauen. Giegold berichtet aus dem Europaparlament, dass nicht mehr über Deregulierung wie vor der Finanzkrise geredet werde. Jetzt wird nur noch reguliert. "Auch wir Grünen haben da zugestimmt", sagt Giegold und wendet sich den Folgen der Niedrigzinsphase und damit einem anderen Thema zu. "Die Nebensache darf nicht zur Hauptsache werden", argumentiert Hofmann gegen eine ungebührliche Ausweitung von Compliance-Funktionen in den Banken.

Obwohl die Teilnehmer der Diskussionsrunde wie auch anderer Referenten der Jahrestagung auf die Unübersichtlichkeit und kaum noch zu bewältigende Komplexität der Bankenregulierung zu sprechen kommen, wagt noch keiner, offen auch die Deregulierung zu fordern.

[ Bildquelle: © FM2 - Fotolia.com ]


Kommentare zu diesem Beitrag

Keine Kommentare

Themenverwandte Artikel

Interview

Garantenpflicht

Haftung eines Risikomanagers

Redaktion RiskNET16.07.2018, 19:30

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat in seinem Urteil vom 17.07.2009 (Az 5 StR 394/08) einen Leiter einer Rechtsabteilung und Revision wegen Beihilfe zum Betrug durch Unterlassen zu einer Geldstrafe von...

Studie

Qualitative Evaluationsstudie

Risikomodellierung, Predictive Analytics und Big Data

Frank Romeike | Stefan Trummer19.06.2018, 08:07

Das Banken- und Versicherungsumfeld ist seit vielen Jahren im Umbruch. Dazu haben in nicht unerheblichem Maße die Aufsichtsbehörden und Standardsetter beigetragen. Wurden bis Mitte der 2000er...

Interview

Mundus vult decipi

Was tun mit Fake News?

Redaktion RiskNET06.06.2018, 14:24

Wahrheit oder Lüge? Wer kann das in unseren digitalen Zeiten noch beantworten? Umso wichtiger sind klare Parameter und ein methodisch sauberes Vorgehen, um Fake News zu enttarnen. Dafür plädiert...

Kolumne

Machine Learning-basierte Klassifikation von Marktphasen

Krisen frühzeitig identifizieren

Dimitrios Geromichalos [RiskDataScience]23.05.2018, 12:30

Wie in der Vergangenheit immer wieder beobachtet werden konnte, verhalten sich Märkte oftmals irrational und zeichnen sich – neben dem "Normal-Zustand" – durch Phasen im Krisen- und...

Kolumne

Geopolitik und Ökonomie

Über den Einfluss politischer Krisen

Martin W. Hüfner, Chief Economist, Assenagon Asset Management S.A.16.05.2018, 11:45

Mehr als sonst ist in den Börsenkommentaren in diesem Jahr nicht nur von ökonomischen Faktoren die Rede. Immer mehr Raum wird den politischen Krisenherden in der Welt eingeräumt. Da geht es um Iran...